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Home arrow Publikationen arrow Zeichen, Tafeln, Inschriften im Bergbau arrow 1. Gedinge- und Vortriebszeichen, Jahrestafeln, Vortriebstafeln

1. Gedinge- und Vortriebszeichen, Jahrestafeln, Vortriebstafeln Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Thomas Witzke   
Freitag, 20. Mai 2005


1.2. Formen von Gedingezeichen

Es können zwei grundlegende Typen von Gedingezeichen unterschieden werden, das "Schneeberger Gedinge" und das "Freiberger Gedinge", benannt nach dem vermutlichen Ort der Entstehung. Beide Typen differieren in Form und Verbreitung. Während das Schneeberger Gedinge zeitlich und räumlich eher begrenzt auftritt, hat das Freiberger Gedinge eine zum Teil recht große Verbreitung erfahren. Die Verbreitungsgebiete überschneiden sich zum Teil. Gelegentlich finden sich auch beide Zeichen in einer Grube, allerdings zeitlich nacheinander.


1.2.1. Das Schneeberger Gedinge

Die nach ADLUNG (1998) "Schneeberger Gedingezeichen" genannte Stufe hat die Form eines "Mercedes"-Sterns. Dieses Zeichen wurde vor allem in den oberen erzgebirgischen Revieren, sowohl den sächsischen als auch den böhmischen, verwendet und war besonders im 16. und 17. Jahrhundert in Gebrauch. Die Vortriebsrichtung ist dem Zeichen nicht zu entnehmen.
Dem Hauer wurde eine bestimmte Geldsumme für eine vorher festgelegte Auffahrung versprochen. Jede Woche, die er am Gedinge arbeitete, wurde der übliche Hauerlohn vom Gedingegeld abgezogen und ausbezahlt. Nach Fertigstellung der Auffahrung war das Restgeld sein Gewinn.


Bild 1.2.1.01:
Das Schneeberger Gedinge.









Bild 1.2.1.02:
Schneeberger Gedinge, um 1585. Auf einer Seitenstrecke des "Ritter St. Georg samt dem Lindwurm Stolln", Wolkenstein, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.









Bild 1.2.1.03:
Schneeberger Gedinge mit einer Inschrift, Quartal Crucis, V. Woche, 1585. Auf einer Seitenstrecke des "Ritter St. Georg samt dem Lindwurm Stolln", Wolkenstein, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.









Bild 1.2.1.04:
Schneeberger Gedinge, 16. Jahrhundert. Grube im Kiesholz, Marienberg, Erzgebirge, Sachsen. Foto Thomas Witzke.









Bild 1.2.1.05:
Schneeberger Gedinge, 16. Jahrhundert. Reicher Silbertrost Stolln, Geyer, Erzgebirge, Sachsen. Foto Norbert Schüttler.









Angaben über das Vorkommen von Schneeberger Gedingezeichen (aber bisher keine Fotos) liegen aus folgenden Gruben vor:
"Heilig Geister Stollen" und "St. Erasmus Stollen", Glashütte, Erzgebirge, Sachsen;
"Elias Stollen" und "Ursula Stollen", Pobershau, Erzgebirge, Sachsen;
"Orgel-Stollen", Annaberg, Erzgebirge, Sachsen;
"St. Briccius", Königswalde bei Annaberg, Erzgebirge, Sachsen;
"Segen Gottes Erbstollen", Wolkenburg bei Glauchau, Sachsen;
Schneeberg, Erzgebirge, Sachsen;
St. Niklasberg bei Moldava, Erzgebirge, Böhmen, Tschechische Republik.




Bild 1.2.1.06:
Verbreitung des Schneeberger Gedinges in Sachsen.



Literatur:
ST. ADLUNG (1998): Gedinge- und Vortriebszeichen im sächsischen Erzbergbau.- Schriftenreihe Akten und Berichte vom sächsischen Bergbau, Heft 7. Jens-Kugler-Verlag Kleinvoigtsberg.

© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren


Letzte Aktualisierung ( Samstag, 21. Mai 2005 )
 
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