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5. sonstige Tafeln, Inschriften, Zeichen und Malereien Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Thomas Witzke   
Samstag, 21. Mai 2005

In diesem Kapitel sollen alle die Tafeln, Inschriften, Zeichen und Malereien zusammengefasst werden, die nicht oder eher randlich mit dem offiziellen Betrieb einer Grube in Zusammenhang stehen. Diese Gruppe ist außerordentlich vielfältig und kann hier nur ansatzweise behandelt werden. Dazu gehören die weitverbreiteten namensinschriften oder Initialen von Bergleuten oder Besuchern der Grube, Warnhinweise, mehr oder weniger sinnvolle Sprüche, Zeichnungen und Karrikaturen, religiöses und diverse Kuriositäten.


5.1. Namen und Initialen

Mit Abstand am häufigsten dürften Namen oder Initialen zu finden sein, oft mit Jahreszahlen versehen. Zum Teil stammen sie von Bergleuten aus der aktiven Zeit der jeweiligen Grube. Speziell in der letzten Schicht oder unmittelbar vor der Verwahrung wurden besonders häufig Namen oder Initialen hinterlassen. Aber auch nach Schließung der Gruben verewigen sich oft Personen, zum Teil bei offiziellen Befahrungen und dann meist mit vollem Namen, und häufiger noch bei inoffiziellen Befahrungen und dann fast immer nur mit den Initialen. Diese Inschriften haben einfach die Bedeutung "ich habe hier gearbeitet" oder "ich war hier" und erfreuen sich seit Ende des Mittelalters bis heute großer Beliebtheit.

Von Bergleuten oder Bergbeamten stammen die folgenden Beispiele:


Bild 5.1.01:
Initialen mit Jahreszahl 1701. Neuhoffnungstollen, Kamsdorf, Thüringen. Foto: Michael Pfefferkorn.









Bild 5.1.02:
Initialen mit Jahreszahl 1768. Kamsdorf, Thüringen. Foto: Holger Lausch.









Bild 5.1.03: Inschrift mit Initialen, von 1866, Füllort Himmelfahrtschacht, Kamsdorf, Thüringen. Foto: Michael Pfefferkorn.








Am Füllort des Himmelfahrtschachtes in Kamsdorf, Thüringen, finden sich mehrere derartige Initialen mit Jahreszahl sowie Schlegel und Eisen. Dies wurde sicher von den dort arbeitenden Bergleuten hinterlassen. In der Grube Wohlfahrt bei Rescheid in der Eifel findet sich eine Inschrift des Anschlägers der Grube von 1896, neben Zeichnungen von Bergleuten, Schlägel und Eisen und der Inschrift "Glück Auf".


Bild 5.1.04:
Inschrift des Anschlägers, von 1896, Grube Wohlfahrt, Rescheid, Eifel, Nordrhein-Westfalen. Foto: Thomas Witzke.









Bild 5.1.05:
Inschrift mit Namen, vom 25.3.1932, in einer Alabastergrube im Südharz. Foto: Thomas Witzke.








Vermutlich wurde die Inschrift von einem Bergmann bei Schließung der Grube hinterlassen, worauf das zweite Wort in der ersten Zeile hinweist, das wahrscheinlich "aufräumen" heißt.


Eine Reihe schöner Inschriften findet sich in der Elisabeth-Schächter Schlotte bei Wettelrode, die beim Kupferschiefer-Bergbau angefahren wurde. Das helle und weiche Gipsgestein ist zum Anbringen von Inschriften gut geeignet.


Bild 5.1.06:
Inschrift von 1874. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn.









Bild 5.1.07:
Inschrift Ernst Busch, Bergschüler, 1878. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn.









Bild 5.1.08:
Inschrift Otto Jähne. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn.









Bild 5.1.09:
Inschrift Emil Röhrig. Elisabeth-Schächter Schlotte, Wettelrode, Sachsen-Anhalt. Foto: Michael Pfefferkorn.









In den über 800 Jahre alten Kalksteingruben rund um Maastricht finden sich auf niederländischem und belgischem Gebiet eine Unmenge an Inschriften, die von den Arbeitern und von Besuchern der Gruben stammen. Aus der Fülle sollen hier nur einige wenige Beispiele vorgestellt werden.


Bild 5.1.10:
Inschrift von Lambier, vom 19. August 1468. Caestert-Grube, Petit Lanaye, Belgien (unmittelbar südlich von Maastricht). Foto: Thomas Witzke.









Die Inschrift lautet:
"Lambier le po(n)deur (?)
fut ici l'a(n) M CCCC LXVIII
le XIX(me) jo(ur) d'auost "
Die Inschrift wurde zweifellos von einer sehr schreibkundigen Person angebracht, vermutlich ein Kopist aus einem Kloster. Eine C14-Datierung hat das Alter der Inschrift bestätigt (Information von Jacquo Silvertant, Maastricht). Die Inschrift ist damit zweifellos als authentisch anzusehen.


Bild 5.1.11:
Signum des Bischofs von Maastricht von 1551,
darüber Inschrift
"Graf v. Kunckowström
Gräfin von Kunckowstroem
geborene Gräfin von
Blumenthal
den 22 Xbr (= Dezember) 1816".
Gangsystem Zonneberg, am St. Pietersberg, Maastricht, Niederlande. Foto: Thomas Witzke.



Bild 5.1.12:
Inschrift von 1644, nördliches Gangsystem, St. Pietersberg, Maastricht, Niederlande. Foto: Thomas Witzke.



Bild 5.1.13:
Inschrift von 1814, Gangsystem Zonneberg, am St. Pietersberg, Maastricht, Niederlande. Foto: Thomas Witzke.



Der Text der Inschrift lautet: "Schönwaldt / Feld Apotheker / in v. Lützows / Frey Corp / aus Elbing / in Preussen / d .. Juny / 1814" und stammt von einem Teilnehmer an den Napoleonischen Befreiungskriegen.



© Thomas Witzke und die jeweiligen Bildautoren


Letzte Aktualisierung ( Samstag, 21. Mai 2005 )
 
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