Zwischen der Westfälischen Tieflandsbucht und der
Dümmer-Niederung erstreckt sich das 25 km breite Osnabrücker Bergland. Die
Grenzen bilden im Süden der Teutoburger Wald und im Norden das Wiehengebirge.
Der Kamm des Wiehengebirges besteht aus Kalk- und Sandsteinen des Oberen Juras,
der des Teutoburger Waldes aus Kalksteinen der Oberkreide. Zwischen den
Bergzügen liegen Triasschichten, aus denen sich die drei Karbonhorste
Schafberg, Hüggel und Piesberg hervorheben. Die Entstehung der Aufbrüche geht
auf den Bramscher Pluton zurück. Durch den Intrusivkörper lässt sich auch der
hohe Inkohlungsgrad der am Schafberg und Piesberg vorkommenden Steinkohlen
sowie die hydrothermal entstandenen Eisen- und Buntmetallvererzungen in den Randstörungen
der Karbonhorste erklären.
Im Teutoburger Wald kommt im Bereich von Borgloh und Oesede
Wealdensteinkohle vor, die lange Zeit Gegenstand von Bergbau war. Hier schloß
im September 1963 das letzte Steinkohlenbergwerk Niedersachsens. Ein weiteres Wealdensteinkohlevorkommen
lag nahe der Stadt Bohmte nordöstlich von Osnabrück.
1. Steinkohle
1.1 Schafberg
Am Schafberg bei Ibbenbüren befindet sich ein Steinkohlenvorkommen innerhalb
einer 14 km langen und 5 km breiten, von NW nach SW verlaufenden Karbonscholle.
Die Scholle besteht aus
flach gelagerten, mit 2 - 10 gon nach Norden einfallenden Schichten des Westfal
B, C und D mit Partien aus teilweise konglomeratischen Sand-, Schluff- sowie Tonsteinen
und Steinkohleflözen. Die wenige Zentimeter bis über zwei Meter mächtigen Flöze
bestehen aus Ess- und Magerkohlen, welche hochinkohlt sind und zur Teufe hin
das Anthrazitstadium erreicht haben. Der Anteil der Kohle an der
Gesamtschichtenfolge ist gering und beträgt nur 3 %.
Steinkohle wurde
bereits im 15. Jahrhundert am Schafberg bergmännisch gewonnen. Heute erfolgt
der Abbau von Kohle mit einer mittleren Flözmächtigkeit von 1,16 - 1,30 m durch
die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH. Die Produktion betrug 2008 1,904 Mio. t/a
bei einer Förderleistung von 7 t/MS. Im Unternehmen waren 2.406 Personen
beschäftigt, davon 1.093 Mann unter Tage.
Aufgeschlossen
ist die Lagerstätte über sechs Schächte: Hauptförderschacht von Oeynhausen 3 (zwei
Gefäßförderanlagen mit Seilfahrt, einziehend), Personen- und Materialfahrt am
Nordschacht, der Wetterführung dienen die Schächte Bockraden und Theodor (ausziehend)
und zur Wasserhaltung die Schächte von Oeynhausen 1 und 2. Die Teufe der
Hauptfördersohle (6. Sohle) beträgt 1.436 m.
Der Abbau der Kohle erfolgt durch Strebbruchbau mit schälender Gewinnung
unter Anwendung von Gleithobeln. Die Strebe haben eine Breite zwischen 250 und
300 m und können bis zu 1.800 m zu Felde gefahren werden. Die Rohkohle
gelangt über Förderbandanlagen und Zwischenbunker zum 6.000 t fassenden
Zentralbunker auf der 4. Sohle am v. Oeynhausenschacht 3. Für die Förderung ist
dieser Schacht mit zwei Skipanlagen (Leistung 1.200t/h) ausgestattet. Übertage
findet zuerst eine Vermischung der aus verschiedenen Flözen stammenden Rohkohle
im Vergleichmäßigungslager statt, bevor in der Aufbereitung (Durchsatz 900
t/h) die Trennung von Bergen und eine Klassierung der Kohle erfolgt. Rund 80 %
der jährlichen Förderung werden im benachbarten 770 MW Kraftwerk der RWE Power
AG verstromt. Die restliche Förderung wird auf dem klassischen Wärmemarkt und
in der Industrie abgesetzt
1.3 Piesberg
Bei dem Piesberg bei Osnabrück handelt es sich um
einen Karbonhorst, dessen Bildung vermutlich auf den Bramscher Pluton
zurückgeht. Die ca. 500 m mächtigen Schichten bestehen aus Sand- und Tonsteinen
sowie hochinkohlten Kohleflözen des Westfahl C und D. Die Schichten bilden eine
von W-E streichende Aufwölbung, die nach W mit etwa 10° einfällt und im E durch
eine NNW-SSE verlaufende steil einfallende Störung abgeschnitten wird. Ein
Abbau von Steinkohle wurde erstmals 1461 urkundlich erwähnt, die Anfänge des
Bergbaus erfolgten vermutlich schon weitaus früher. Die Anthrazitkohle (Westfal
D) wurde zuerst unter städtischer Leitung und von 1889 bis 1898 durch den
Georgs-Marien-Verein abgebaut. Zwischen 1949 und 1952 wurde in geringem Umfang
Notbergbau betrieben. // LINK
1.4 Bohmte
In Bohmte wurde erstmalig 1846 Wealdensteinkohle gefördert.
Bei der Kohle handelte es sich um eine hochwertige, aschearme anthrazitische
Magerkohle, die in 3 - 4 Flözen mit einer Mächtigkeit zwischen 20 und 50 cm
vorkam. Im Jahr 1867 wird eine "Zeche Caroline" erwähnt, welche bis
Anfang 1875 in Betrieb stand. 1907 erfolgte die Gründung der Gewerkschaft
Beharrlichkeit, die im Juli 1911 mit dem Abteufen eines Schachtes und dem Bau
von Tagesanlagen begann. 1912 wurden die Arbeiten aufgrund der geringen
Flözmächtigkeit eingestellt und erst 1920 wieder aufgenommen. Während der
Vorrichtung konnten bereits 1921 ca. 210 t Kohle gewonnen werden. Die höchste
Fördermenge wurde 1923 mit ca. 2.065 t erreicht. Nach einigen Unterbrechungen
wurde der Betrieb 1925 eingestellt.
1.5 Wealdensteinkohle zwischen Georgsmarienhütte und Halle
Südöstlich von Osnabrück
treten zwischen Georgsmarienhütte im Westen und Halle im Osten entlang des
Teutoburger Waldes mehrere Wealdensteinkohleflöze der Unterkreide auf. Abgebaut
wurden 4 Flöze in einer 50 - 60 m mächtigen Schichtenfolge aus Ton, Mergel
sowie Sand- und Kalksteinen. Die örtlich stark unterschiedlich Mächtigkeit der
eingelagerten Flöze betrug im Schacht Kronprinz (vom Hangenden zum Liegenden):
Flöz 4 - Dickebank (0,7 - 0,8 m), Flöz 3 - Schmalebank (0,4 - 0,5 m), Flöz 2 -
Oberbank (1,2 - 1,4 m), Flöz 1 - Unterbank (0,6 - 0,8 m). Die Kohle hatte einen
Heizwert von 5 - 7.000 kcal/kg bei einem Ascheanteil von 18 % und galt als gute
Gas- und Kokskohle. Urkundlich wurde der Bergbau bereits 1461 erwähnt. Anfangs
unter Aufsicht der fürstbischöflichen Regierung von verschiedenen Pächtern
betrieben, stand der Bergbau zwischen 1722 und 1889 unter staatlicher Regie.
Geringe Flözmächtigkeiten, eine gestörte tektonische Lagerung, hohe
Wasserzuflüsse und eine schlechte Verkehrsanbindung waren von Anfang an
hinderlich für die Entwicklung des Bergbaus. So war der Abbau auf den meisten
Gruben zu Beginn des 20. Jahrhunderts längst eingestellt. Lediglich nach den
beiden Weltkriegen wurde ein intensiver Notbergbau betrieben. Das Vorkommen
lässt sich geographisch auf den nördlichen und südlichen Rand des Teutoburger
Waldes eingrenzen:
Nördlicher Rand:
In
diesem Bereich lag der Schwerpunkt des Steinkohlenbergbaus. Bereits 1527 wurde
entlang des Dütetales durch verschiedene Pächter auf dem Besitz des Fürsten von
Osnabrück Bergbau betrieben. Der Abbau fand in geringen Teufen am Ausbiss der
Flöze statt. Ab 1722 wurde der Bergbau unter fiskalischer Leitung gestellt und
der bisherige Raubbau mit Hilfe von verschiedenen Sachverständigen in einen
geregelten Abbau überführt. Durch den Bau einer Saline in Bad Rothenfelde und
einer Glashütte in Bohmte war zudem ein Abnehmer für die Steinkohlen vorhanden.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts fand der Abbau hauptsächlich oberhalb der
Wasserlösungsstollen (u.a. Sudmeyer-Stollen, aufgefahren 1806 - 1825) statt.
Mit der Erschöpfung der Vorräte, abgebaut wurden etwa 0,5 Mio. t Kohle, erfolgte
der Übergang in den Tiefbau. Der fiskalische Bergbau endete im September 1889
mit der Stilllegung des Otto-Schachtes. Gründe dafür waren die schlechter
werdende Flözbeschaffenheit, hohe Wasserzuflüsse und Absatzprobleme durch die
zunehmende Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die
Kohlengewinnung in zahlreichen Stollen und Schächten zeitweilig wieder
aufgenommen. Bedeutung erreichte der nahe dem Strubberg gelegene
Kronprinzen-Schacht, welcher 1919 wieder aufgewältigt und bis zum Oktober 1924
durch die Gewerkschaft Mont Cenis / Herne betrieben wurde. In der Notzeit nach
dem 2. Weltkrieg lebte der Bergbau in zahlreichen, oft wilden Kleinstzechen
wieder auf. Bedeutung hatte wieder der Kronprinzen-Schacht, der 1948 von der
Hasberg Bergwerksgesellschaft mbH aufgewältigt wurde. Abnehmer der Steinkohle
waren die Dyckerhoff-Zementwerke in Lengerich. Die höchste Fördermenge wurde
1957 mit 47.454 t bei 170 Mann Belegschaft erzielt. Nach der Umstellung auf
Erdgasbetrieb wurde die Grube am 30. September 1963 als letztes
niedersächsisches Steinkohlenbergwerk geschlossen. Erhalten ist von dieser
Grube heute noch das 13 m hohe stählerne Gerüst mit Turmfördermaschine.
Strubberg (1,4 km W von Borgloh). Am Westhang des Berges
wurde in zahlreichen, nur max. 11 m tiefen Schächten Kohle gefördert. Die
geringe Teufe war durch den starken Wasserzufluss des tektonisch stark
gestörten Gebietes begrenzt. Die erste Abbauperiode dauerte von 1813 - 1856.
Nach dem 1. und 2. Weltkrieg wurde ein Notbergbau durch Abbau der
oberflächennahen Restpfeiler betrieben.
Gersberg (1 km SW von Borgloh). Das Vorkommen war durch zwei Schächte
(Aurora und Glückauf-Schacht) und einen Stollen aufgeschlossen. In Abbau stand
das Vorkommen zwischen 1805 - 1852 und durch einen Notbergbau von 1948 - 1953.
Über den Schacht Glückauf wurde Kohle für die Stadt Osnabrück gewonnen. Die Fördermenge
für das Jahr 1952/53 betrug 5.400 t.
Lohnberg (3 km SE von Borgloh). Hier wurde während der ersten
Bergbauperiode von 1785 - 1812 Bergbau über zwei Stollen und dem Schacht
Balkenschlien betrieben. Über diesen Schacht erfolgte zwischen 1946 - 54 ein
Notbergbau.
Südwestlich von Wellingholzhausen lag im Hasetal die Zeche Hammerstein. Ab 1859
begann man hier mit dem auffahren des östlichen Gustav-Stollen (nach 100 m
gestundet) und westlichen Heinrich-Stollen (1.400 m). Die Förderung betrug 1862
3.341 t Kohle bei einer Belegschaft von 65 Mann. 1886 wurde der Bergbau
eingestellt. Zwischen 1920 - 25 wurde der Betrieb in beiden Stollen durch die Städte Osnabrück und Melle sowie der Bergbaugesellschaft Urania wieder
aufgenommen. Von 1948 - 53 erfolgte ein
Notbergbau im Heinrichstollen (1953: 2.800 t).
Südlicher
Rand:
Nahe Hankenberge wurde von 1872 - 1874
der Karlstollen 460 m Richtung SSW aufgefahren und ab 1885 auf 960 m verlängert.
Am Ende des Stollens wurde ein Schacht ("Alter Tiefbau-Schacht") angelegt,
der wegen Wasserschwierigkeiten nicht bis unterhalb der Stollensohle abgeteuft
werden konnte. Vom Schacht führte eine Seilbahn zum Bahnhof Wellendorf. Östlich
des Stollens wurde 1893 ein zweiter Schacht abgeteuft ("Schacht
Hilterberg" bzw. "Neuer Tiefbauschacht"), dessen Abbausohlen 75,105
und 155 m unterhalb des Karlsstollens lagen. Betrieben wurde die Zeche
Hilterberg ab 1874 durch den GMBHV. Eingestellt wurde der Bergbau im Jahre
1903. Zwischen 1946 und 1952 wurde über den Karlstollen und Schacht Hilterberg
Notbergbau betrieben.
Südwestlich von Preußisch Oldendorf kommt das
Erdöl-Derivat Impsonit vor. Durch eine vom Bramscher Pluton verursachte
Inkohlung entstand Impsonit aus dem in Cornbrash-Sandsteinen gespeicherten
Erdöl. Deckschichten aus Tonsteinen hinderten das Erdöl am Entweichen, was zu
einer Konzentration der Restbitumina in Klüften des Sandsteins führte. Bereits
seit dem 17. Jahrhundert ist der Bergbau auf Impsonit belegt. Nahe
Dahlinghausen förderte die Zeche "Vereinigte Marienberg", südöstlich
befand sich die Zeche "Amalia", später in "Rudolph" umbenannt
(1840 - 1921). Östlich dieser lag am Kamm des Wiehengebirges die Zeche
"Rudolph II" (1878 - 1921).
2. Eisenerze
2.1 Hüggel
Vom 16. Jahrhundert an bis in die 1960er Jahre
wurden am Hüggel bei Osnabrück sowohl untertage als auch übertage Eisenerze
gewonnen. Mit der Gründung der Beckeroder Eisenhütte im Jahre 1836 begann der
industrielle Abbau der Eisenerze. Die Hütte ging 1856 in den Besitz des
"Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein" über, der nahe Malbergen
eine neue Hütte errichtete. Der Erzbergbau erfolgte bis 1936, danach wurden nur
noch sporadisch Eisenerz sowie Zuschlagkalk gewonnen. Die endgültige Einstellung
des Bergbaus erfolgte 1963.
2.2 Damme
Ein marin-sedimentäres Eisenerzlager der Oberkreide
wurde in Damme zwischen 1944 und 1967 abgebaut. Die aus zwei Schächten
bestehende Schachtanlage Damme wurde bis 1952 durch die Gewerkschaft Damme
(Firmen Vereinigte Stahlwerke, Krupp, Hoesch, Klöckner sowie Mannesmann)
betrieben, danach übernahm die Erzbergbau Porta-Damme AG den Betrieb. Zur damaligen Zeit war die Grube Damme die modernste
Schachtanlage des Eisenerzbergbaus in der Bundesrepublik Deutschland. Die
höchste Fördermenge mit 913.946 t Erz bei einer Belegschaft von 906 Mann wurde
auf der Grube im Jahre 1960 erzielt. Der geringe Eisengehalt der Erze und hohe
Abbaukosten führten 1967 zur der Stillegung der Grube.
2.3 Schafberg
Durch aufsteigende eisenhaltige Lösungen während der
Entstehung des Schafberges durch den Bramscher Pluton kam es zu einer Bildung
von Siderit in den südöstlichen Randverwerfungen der Karbonscholle. Nahe der
Tagesoberfläche ist der Siderit durch Verwitterung in Limonit und mulmigen
Ocker umgewandelt worden. Die Vorkommen wurden durch verschiedene Gruben abgebaut:
Grube Friedrich-Wilhelm
Mit der Gründung einer Eisenhütte in Gravenhorst wurde 1806
am Rochusberg nördöstlich von Ibbenbüren durch die Gewerkschaft Friedrich
Wilhelm der Eisenerzabbau im Tage- und Stollenbau aufgenommen. 1877 wurde 30 m
unter der Tagebausohle ein Förderstollen aufgefahren und durch eine
Schmalspurbahn an die hannoversche Staatsbahn angeschlossen. Im Jahre 1883
wurden die Gruben und Feldbesitz durch den GMBH übernommen.
Grube Hector
Im Jahre 1856 bekam die Portahütte bei Porta Westfalica den
Feldbesitz auf ein Eisenerzvorkommen im östlichen Teil des Schafberges
verliehen. Über zwei Schächte (Ost- und Westschacht) wurden die geförderten
Erze bis zur Betriebseinstellung der Hütte 1869 mit der hannoverschen Westbahn
nach Porta-Westfalica transportiert. 1872 erfolgte die Wiedereröffnung durch
die Friedrichshütte AG für Bergbau und Hüttenbetrieb Porta Westfalica. Seit
1878 bezog der GMBHV das gesamte geförderte Erz und übernahm die Grube im Oktober
1883. Im Jahre 1902 hatte die Grube eine Belegschaft von 185 Mann. Die
Stillegung erfolgte 1916.
Grube Perm
Ein Fund von Zinkerzen auf der Halde der Grube
Friedrich-Wilhelm führte Ende der 1850er Jahre zur Mutung eines Feldes zur
Gewinnung von Zinkerz. Nach der Gründung einer Schurfgemeinschaft wurden im
freien Feld zwischen den Gruben Friedrich-Wilhelm und Hector
Untersuchungsarbeiten durchgeführt. Dabei wurden in der Halde des
Adlerstollens, einem alten Wasserlösungsstollen vom Steinkohlenbergbau, Eisen-
und silberhaltiges Bleierz gefunden. Der nun als Gewerkschaft Perm
konstituierten Schürfgemeinschaft wurde im Jahre 1866 ein 2600 m breites Feld
zur Eisenerzgewinnung und verschiedene Einzelfelder zur Gewinnung von Blei- und
Zinkerzen verliehen, die zu einem Gesamtfeld unter dem Namen "Bergwerk
Perm" konsolidiert wurden. Zur Förderung und Wasserlösung wurden die
Schächte West und Perm I, II und III abgeteuft, eine Aufbereitung sowie weitere
Betriebsgebäude errichtet. Allein zwischen 1873 und 1876 wurden 11.169,61 t
Blei- und Zinkerze gefördert. Der Reingewinn betrug 117.720 Mark p.A. Im Jahre
1876 wurde die Grube nach Schwierigkeiten bei der Wasserhaltung gestundet. Auf
Grundlage eines Gutachtes, welche die zuvor kaum beachteten Eisenerzvorkommen
bewertete, entschloss sich der GMBHV 1880 zum Kauf des Grubeneigentums der
Gewerkschaft Perm. 1886 wurde am Schacht Westen I eine Ockerschlämmerei
eingerichtet. Im Jahre 1907 wurden ein neuer Tiefbauschacht und ein
Pumpenschacht als Blindschacht bis 37 m unter der Permer-Stollensohle
abgeteuft. Von einer am Mundloch des Permer-Stollens errichteten Umspannstation
erfolgte ab 1907/08 die Elektrifizierung des Grubenbetriebes. 1912 wurde nach
Aufwältigung des Wasserhaltungschachtes I die Blei / Zink Förderung wieder
aufgenommen. Zwischen 1914 - 1915 erfolgte der Bau einer neuen Aufbereitungsanlage
(Durchsatz 50 t/Tag) am Mundloch des Permer-Stollens. Große Schwierigkeiten bei
der Wasserlösung, notwendige Aufschlußarbeiten und ein Preisverfall der
Eisenerze führten am 22. März 1921 zur Stillegung der Grube Perm.
Der Permer Stollen
Unter Leitung des GMBHV begann man 1881 mit der Auffahrung
des Permer-Stollens. Ziel war die Errichtung eines Förder- und
Wasserlösungsstollen, dessen Bedeutung nach dem Kauf der Gruben Friedrich-Wilhelm
und Hector zunahm. Im Jahre 1885 erreichte der Stollen nach 800 m das
Steinkohlengebirge. Bei Stollenmeter 815 wurde die östliche Grundstrecke
Richtung Zeche Hector und bei 827m die westliche Grundstrecke zur Zeche Perm
angesetzt. Der Südschacht der Grube Perm wurde 1880 nach 330 m erreicht. Zur
Beschleunigung des Vortriebes auf der westlichen Grundstrecke wurden
Druckluftbohrmaschinen eingeführt. 1882 konnte die Grube Perm erreicht werden.
Bis 1912 wurde die Grundstrecke, neben einigen Untersuchungsquerschlägen, bis
zum Theodorschacht der Zeche Friedrich-Wilhelm aufgefahren.
Insgesamt betrug die Förderung an Eisenerzen zwischen 4 - 5
Mio. t, die noch vorhandenen Reserven wurden 1934 auf 1- 3 Mio. t geschätzt.
Die gesamte Buntemetallerzförderung wird mit ca. 100.000 t angegeben.
3. Buntmetallerze
Im Osnabrücker Bergland treten Blei- und Zinkerze
vor allem in Verbindung mit Eisenerzen des Zechsteins in den Störungszonen der
Karbonhorste auf.
3.1 Schafberg
Am Schafberg hatten die Brauneisenerze teilweise Zinkgehalte
von 36 - 37 % ZnO und 10 - 24 % FeO. In der Grube Perm wurden Blei- und
Zinkerze zwischen 1861- 1875 duch die "Gewerkschaft Perm" abgebaut.
Nach der Übernahme der Grube durch den GMBHV 1880 und Konzentrierung auf den
Eisenerzabbau wurde ab 1912 der Abbau auf dem nördlichen "Gang II"
wieder aufgenommen. Der Erzgang hatte eine bauwürdige Mächtigkeit von 8 m und
eine Länge von 300 m und lieferte 1919 10.574 t Blei- und Zinkerz. Näheres zur
Geschichte der Grube Perm unter "Eisenerz".
3.2 Hüggel
Auf
Klüften, in Nestern und als Gangfüllungen kommen am Hüggel zwischen dem
Silberberg, Roten Berg und Domprost-Sundern Buntmetallerze vor. Bei den
hydrothermal entstandenen Erzen handelt es sich um Bleiglanz, Zinkblende und
dessen Verwitterungsprodukt Galmei. Der Bergbau auf diese Erze hat nie eine
wirtschaftliche Bedeutung gehabt. Bereits 1180 wird eine "Silverkule"
bei Hasbergen als abgabenpflichtig erwähnt. Zwischen 1722 bis 1726 ließ der
Fürstbischof Ernst-August II einen 700 m langen Stollen in den Silberberg treiben.
Im Jahre 1860 kam es zur Gründung der "Osnabrücker Zinkgesellschaft",
die im Feld "Aaron" auf dem Roten Berg bei Hasbergen einen kurzen
Stollen und fünf Schächte bis 20 m Teufe niederbrachte. Im Feld
"Kronprinz" am nördlichen Abhang des Silberberges und auf dem
Domprost-Sundern wurden 1866 mehrere kleine Schürfschächte angelegt. Der
Betrieb auf beiden Gruben wurde 1873 eingestellt. Auf der Zeche
"Aaron" und "Kronprinz" betrug die Förderung insgesamt
1.150 t Buntmetallerze.
3.3 Piesberg
Am Piesberg bei Osnabrück wurde der in der
Steinkohle enthaltene Schwefelkies bei der Aufbereitung ausgewaschen und an
Schwefelsäurefabriken verkauft (1897: 395 t). Zur Gewinnung wurde der Stadt im
Dezember 1880 das „Schwefelerzfeld Piesberg" verliehen.
4. Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein
(GMBHV)
Der Gründung des GMBHV geht die Geschichte der Beckeroder
Eisenhütte voraus. Im Jahre 1835 wurde diese Hütte durch den Osnabrücker
Kaufmann Johann Carl Förster in Beckerode gegründet. Das Werk war die erste
Eisenhütte im Osnabrücker Land. Teilhaber waren die drei Gebrüder Meyer, welche
ursprünglich eine eigene Hütte nahe Osnabrück gründen wollten. Nach dem
Ausscheiden von Förster 1839 und dem Tod einem der Gebrüder Meyer trat an
dessen Stelle der Preuße Julius Meyer aus Holte der Gesellschaft bei. Dieser
wurde bald alleiniger Eigner der Hütte. Produziert wurden Stangeneisen und
zahlreiche Gusswaren. Die Eisenerze stammten aus den umliegenden Bergen,
vornehmlich dem Ellenberg und Hüggel, für deren Ausbeutung die Hütte mehrere Konzessionen
besaß. Als Brennstoff diente Holz und später auch Steinkohle aus Ibbenbüren.
Auf Druck der hannoverschen Regierung musste sich Meyer zur Abnahme von
jährlich 935 t Steinkohle aus dem fiskalischen Bergwerk bei Borgloh
verpflichten. Ein eigenes Steinkohlenbergwerk wurde ihm untersagt. Die
zunehmende Konkurrenz aus dem In- und Ausland machte ein Ausbau der Hütte
unabdingbar. Aufgrund des fehlenden Kapitals entschied Meyer sich 1856 zum
Verkauf der Eisenhütte.
Anfang Mai 1856 wurde in Hannover ein Komitee zum Kauf der Beckeroder Hütte
gegründet. Ziel war der Bau einer neuen Eisenhütte, deren Eisenerzbasis die
Berechtsamen der Beckeroder Hütte sein sollten. Der Kauf musste laut
vorläufigen Kaufvertrag durch eine zu gründende Aktiengesellschaft erfolgen. Am
4. Juni 1856 wurde der "Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein,
Aktiengesellschaft zu Osnabrück", benannt nach dem König des Königreichs
Hannover Georg V und seiner Frau Marie, konstituiert. Statuengemäß hatte die
Gesellschaft "die Ausbeutung der Eisenstein- und Kohlenlager in der
Provinz Osnabrück, die Verhüttung bzw. weitere Verarbeitung der gewonnnen Erze
und das Aufsuchen solcher Mineralien" zum Ziel. Das Gründungskapital
betrug 2,5 Mio. Taler, wovon am 6. Juni 350.000 Taler zum Kauf der Hütte
verbraucht wurden.
Der Verein hatte nun mit dem Erzvorkommen am Hüggel und im Oktober 1856
verliehenen Kohlefeldern im Dütetal und am Hilterberg eine eigene
Rohstoffversorgung. Zwischen diesen Vorkommen gelegen wurde am 28. Oktober 1856
ein Grundstück erworben. Nach der Anwerbung von Arbeitern, vornehmlich aus der
Provinz Hannover und dem Harz, konnte mit dem Bau der Hütte begonnen werden.
Der erste Hochofen wurde am 14. Juli 1858 angeblasen. 1866 hatte die Hütte
bereits vier Hochöfen mit einer Leistung von 38,75 t je Ofen. Die Belegschaft
betrug 1300 Mann. Im Jahre 1868 wurde die Aktiengesellschaft "Eisen- und
Stahlwerk zu Osnabrück" gegründet, die das erste große Bessemer-Stahlwerk
im Deutschen Reich errichtete. Das Werk nahm 1871 den Betrieb auf und produzierte
aus dem Eisen der Georgsmarienhütte hauptsächlich Eisenbahnoberbaumaterial. Im
Jahre 1885 erfolge die Übernahme des Stahlwerkes durch die Georgsmarienhütte.
In der Zeit zwischen 1880 und 1890 wurde die Rohstoffversorgung der Hütte durch
den Kauf von Bergwerken (Erzgruben am Schafberg und Porta, Steinkohlenzeche Piesberg)
ausgebaut. Nach der Stilllegung der Zeche Piesberg 1898 wurde 1899 die Zeche
Werne im Ruhrgebiet gegründet. Bis 1902 wurden Schacht I und II abgeteuft, ein
Jahr später konnte schon mit dem Abbau der Flöze begonnen werden. Zur
Verwertung der Kohle wurde 1903 eine Kokerei in Georgsmarienhütte errichtet.
1908 wurde ein Siemens-Stahlwerk und 1909 ein Feineisenwalzwerk in Betrieb
genommen. Die Produktion betrug zu dieser Zeit 23.000 t Roheisen. Im Jahre 1915
konnte der Schacht III der Zeche Werne in Betrieb genommen werden. Der 1.
Weltkrieg führte durch einen Mangel an Kohle und Arbeitskräften zu einem
Rückgang der Roheisenerzeugung. Im Stahlwerk wurden Kriegsmaterial, aber auch
zivile Waren für Holland und die skandinavischen Länder produziert. Der
Manganmangel der einheimischen Erze zwang den Georgs-Marien-Verein zum Kauf der
thüringischen Brauneisensteingruben in Arlesberg. Auf einer Generalversammlung
am 05. Dezember 1918 stellte sich eine Aktienmehrheit von Geheimrat Peter
Klöckner und August Thyssen heraus. Damit endete die Selbstständigkeit des Georgs-Marien-Bergwerks-
und Hüttenvereins.
Am 15. Dezember 1920 wurde auf einer außerordentlichen
Generalversammlung der Abschluss eines Betriebs- und Interessengemeinschaftsvertrages
mit dem Lothringer Hütten- und Bergwerksverein genehmigt. Im Februar 1923 wurde
die Fusion des Lothringer Hütten- und Bergwerksverein mit dem GMBHV sowie
weiteren Stahlwerken und Stahlverarbeitenden Fabriken beschlossen und der Name
der Gesellschaft in Klöcker-Werke AG umbenannt.
Nach 4.620 Beschäftigten Ende 1923 fiel die Anzahl der Beschäftigten während
der Weltwirtschaftskrise auf 861 Personen im Jahre 1932 ab. Zeitweise ruhte
sogar der Betrieb. Aufschwung brachte die Machtergreifung der
Nationalsozialisten, wodurch die Belegschaft bis 3.663 Personen im Jahre 1944
anstieg. Nach dem Krieg, die Hütte war von Schäden weitgehend verschont
geblieben, konnte die Produktion 1946 wieder aufgenommen werden. Bereits 1951/52
wurde ein weiteres Siemens-Martin-Stahlwerk in betrieb genommen. Mitte der
1960er Jahre waren fast 7000 Personen bei der Georgsmarienhütte beschäftigt. Ab
1970 begann die Krise der Hütte. Durch fallende Stahlpreise musste der Stahl
unter Selbstkostenpreis produziert werden. Die Folge waren Kurzarbeit und die Schließung einzelner Betriebsabteilungen. Zur
Kostenreduzierung wurde 1980 ein KS-Stahlwerk errichtet. Der letzte Abstich am
alten Hochofen erfolgte im April 1983. Ein Jahr später sollte der Klöckner-Stahlbereich
mit Krupp und einem australischen Konzern fusioniert und die
Georgsmarienhütte stillgelegt werden. Dieser Plan konnte durch Proteste der
Belegschaft und dem Einschreiten der Bundes- und niedersächsischen
Landesregierung verhindert werden. Trotz einer 1987 gebauten Stranggießanlage
blieb die Hütte weiterhin defizitär. Am 1. Juli 1993 erfolgte
die Ausgliederung der Georgsmarienhütte aus dem Klöckner-Konzern. Das Werk
wurde von dem ehemaligen Vorstandmitglied Dr.-Ing. Jürgen Großmann aufgekauft
und die Georgsmarienhütte GmbH gegründet. Nach der Stilllegung des Hochofens
wurde 1994 ein Gleichstrom-Elektrolichtbogenofen zum Schmelzen von Schrott in
Betrieb genommen. Heute ist die Georgsmarienhütte GmbH einer der führenden
europäischen Anbieter für Stabstahl, Halbzeug und Blankstahl aus Qualitäts- und
Edelbaustählen. Der Umsatz betrug 2005 506 Mio. Euro bei einer Belegschaft von
1.249 Mitarbeitern.
5. Literatur
GRAUPNER,
A. (1971): Unterirdische Lagerstätten. In: BEHR, H.-J.: Der Landkreis Osnabrück-
Geschichte und Gegenwart, S. 32 - 41; Osnabrück.
HAGEMANN, W. (1930): Bergbau- und Hüttenbetriebe des Osnabrücker Landes in
ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. - Veröff. wirtschaftswiss. Ges. zum Studium
Niedersachsens, H. 12; Hannover.
MÜLLER, H.
(1896): Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein, I.Teil: Die Geschichte
des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein, II. Teil: Beschreibung der
Besitzungen, der Betriebsanlagen und der Einrichtungen des Vereins; Osnabrück.
MÜLLER, H. (1906): Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein. 2. Bd.;
Osnabrück.
RÖHRS, H.
(1992): Erz und Kohle - Bergbau zwischen Weser und Ems. - Ibbenbürener
Vereinsdruckerei; Ibbenbüren.
SCHULTE, R.
(1928): Geschichte des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Vereins in sieben
Jahrzehnten. Ein Beitrag zur Entwicklung der deutschen Montanindustrie;
Köln-Kalk.
SPERLING, E. (1950): Alles um Stahl.
Wirtschaftsgeschichtliche Erzählung um den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein; Osnabrück.