1. Einleitung
Nachweislich
seit dem 16. Jahrhundert, vermutlich aber schon viel früher wurden am Hüggel bei
Osnabrück Eisenerze abgebaut. Bedeutung gewann der Bergbau aber erst 1836 mit
der Gründung der Beckeroder Hütte, die im Westteil der Lagerstätte im Tage- und
Tiefbau förderte. 1856 ging die Hütte samt Erzfelder an den
Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein über, der nahe Osnabrück eine
Eisenhütte errichtete. Durch den GMBHV wurde eine Verbindungsbahn zur neuen
Hütte gebaut sowie große Tagebaue und Schächte für einen kombinierten Tage- und
Tiefbau angelegt. Mit der Einführung des Thomasstahlverfahrens verloren die
phosphorarmen Hüggelerze stark an Bedeutung. Dennoch wurde der Erzbergbau bis
1930 fortgeführt. Von 1933 an erfolgte, von einigen Unterbrechungen begleitet,
nur noch im geringen Umfang die Gewinnung von Erzen und Zuschlagkalk welche mit
der Betriebseinstellung im Jahre 1963 endete.
2. Lagerstätte
Etwa 7 km südwestlich von Osnabrück am Nordrand des
Teutoburger Waldes liegt der Hüggel. Dieser bildet den mittleren Teil einer
kleinen, WNW - ESE streichenden Gebirgskette, die durch Querverwerfungen in die
verschieden hoch heraus gehobenen Abschnitte Roter Berg, Heidhorn, Hüggel und
Domprobst-Sundern zerlegt ist.
Tektonisch handelt es sich bei dem Hüggel um einen 4 km langen und 0,7 km
breiten Karbonhorst. Im Norden fällt das Karbon mit 16 - 28° ein und wird mit
schwacher Diskordanz vom Zechstein- und Buntsandsteinschichten überlagert. Am
Südrand ist der Hüggel durch eine große Störungszone abgeschnitten. Die
Sprunghöhe beträgt am Südrand ca. 1000 m, am Nordrand nur etwa 700 m. Die Heraushebung
des Hüggels erfolgte vermutlich zur Zeit der Oberkreide durch Einwirkungen des
Bramscher Plutons.
Das Oberkarbon besteht aus zum Teil konglomeratischen
Sandsteinen, Schiefertonen und darin eingeschalteten, geringmächtigen (0,07 - 0,45
m) Kohleflözen des Westfal C und D. Aufgrund der geringen Mächtigkeit und
Tiefenlage (ab 380 m) fand auf dieses Vorkommen kein Bergbau statt.
Die überlagernden Schichten des Zechsteins beginnen mit einer bis 40 cm
mächtigen Kalksteinbank, auf der ein meist 30 cm mächtiges Kupferschieferflöz
folgt. Darüber folgt der Zechsteinkalk, dessen untere Grenze eine 8 m mächtige
Kalkbank bildet. Dieser dunkelblau bis graue, dünnbankige Kalk wird aufgrund
seines Bitumengehaltes als „Stinkkalk" bezeichnet. Der Großteil des
Zechsteinkalkes wird durch den „Zuschlagkalk" mit einer Mächtigkeit von 26 - 32
m gebildet. Dabei handelt es sich um einen dickbankigen, feinporösen,
dolomitischen eisenhaltigen Kalkstein. Höhere Eisengehalte treten an der Grenze
zum Stinkkalk im unteren Zuschlagkalk auf. Die Vererzung des Zechsteins
erfolgte durch metasomatose Umwandlung des Kalkes durch aufsteigende
hydrothermale Lösungen. Dadurch wurde Spateisenstein (Siderit) gebildet, der in
Oberflächennähe durch Einwirkung von Oberflächenwasser zu Brauneisen (Goethit) verwitterte.
Die über dem Erzlager anstehenden Kalksteinschichten waren gering eisenhaltig (ca.
10 % Fe) und wurden als Zuschlag für den Hochofenprozess abgebaut. Der Eisengehalt
der Erze beträgt beim Brauneisenstein 20 - 52 %, beim Spateisenstein 20 - 45 % und
Zuschlagkalk 5 - 20 %.
Das Erzvorkommen begann im Osten zunächst als mulmiger Brauneisenstein mit
einem nördlichen Einfallen von 24 - 27°. In diesem Bereich wurden die Schächte
Anna, Mathilde und Kielmannsegge abgeteuft. Weiter Richtung Westen setzte sich
das Vorkommen zur Teufe hin als fester Spateisenstein mit einem Einfallen von
12 - 20° im zwischen den Schächten Ida und Luise fort. Zur Oberfläche hin war
der Spateisenstein in Brauneisenstein umgewandelt und einer von einer mächtigen
Schicht Zuschlagkalk überlagert. Dieser eisenhaltige Kalkstein mit einzelnen
Brauneisensteinnestern setzt sich bis in den Bereich des Roten Berges fort und
fällt dort mit 16° ein. Etwa ESE des Heidhorns befand ein kleines von den
umgebenen Karbonschichten durch Störungen begrenztes Brauneisenerzvorkommen
(Tgb. IV). Weitere kleine Brauneisenerzvorkommen lagen am Südhüggel zwischen
Hüggel und Jägerberg (Tgb. V a/b).
Ursprünglich befand sich oberhalb der Zechsteinkalkschichten eine mächtige
Anhydritschicht, die von Zechsteinkalk und Buntsandsteinschichten überlagert
wurde. Durch Verwerfung und Abtragung der Schichten kam der Anhydrit in
Oberflächennähe, wo das leicht wasserlösliche Sulfatgestein ausgelaugt wurde.
In den entstandenen Hohlraum brachen die Hangenden Zechsteinkalkschichten und
teilweise auch die Buntsandsteinschichten unregelmäßig ein. Diese Massen
bildeten eine 50 - 70 m mächtige Versturzbrekzie. Am nördlichen Hüggelrand wird
diese Brekzie von Buntsandsteinschichten überlagert.
3. Geschichte des Eisenerzbergbaus
3.1 Erste Anfänge 16. Jhd. bis 1856
Wann genau der Bergbau im Bereich des Hüggels begonnen hat
lässt sich nicht genau feststellen. Glaubt man der Sage des Hüggelschmiedes, so
scheint es schon in sehr früher Zeit erste Abbauversuche gegeben zu haben.
Urkundlich erwähnt wird der Eisenerzbergbau jedoch erst im 16. Jahrhundert. In
den Nachfolgenden zwei Jahrhunderten scheint dieser Bergbau wieder in
Vergessenheit geraten zu sein.
Ein regelrechter Bergbau und eine Verhüttung der Hüggelerze erfolgte erst durch
die Beckeroder Hütte bei Natrup-Hagen. Diese wurde 1835 durch den Osnabrücker
Kaufmann Johann Carl Förster gegründet. Teilhaber waren die drei Gebrüder
Meyer, welche ursprünglich eine eigene Hütte nahe Osnabrück gründen wollten. Am
9. August 1835
wurde Förster das Recht zum Schürfen nach Eisenstein im Kirchspiel
Schledehausen verliehen. Der erste Hochofen konnte 1839 angeblasen werden. Im
gleichen Jahr schied Johann Carl Förster aus und nach dem Tod einem der
Gebrüder Meyer trat an dessen Stelle der Preuße Julius Meyer aus Holte der
Gesellschaft bei. Dieser wurde bald alleiniger Eigner der Hütte. Produziert
wurden Stangenware und zahlreiche Gusswaren.
Die Eisenerze stammten aus den umliegenden Bergen, vornehmlich dem Ellenberg
und Hüggel, für deren Ausbeutung die Hütte mehrere Konzessionen besaß. Als
Brennstoff diente Holz und später auch Steinkohle aus Ibbenbüren. Auf Druck der
hannoverschen Regierung musste sich Meyer zur Abnahme von jährlich 935 t
Steinkohle aus dem fiskalischen Bergwerk bei Borgloh verpflichten. Ein eigenes
Steinkohlenbergwerk wurde ihm untersagt. Die zunehmende Konkurrenz aus dem In-
und Ausland machte ein Ausbau der Hütte unabdingbar. Aufgrund des fehlenden
Kapitals entschied Meyer sich 1856 zum Verkauf der Eisenhütte.
Die Förderung erfolgte an zwei Betriebspunkten durch die Gruben Hermine und
Hedwig. In der Grube Hedwig wurden Eisenerz mit einem Gehalt von 34 - 37 % Fe
gewonnen. Der Abbau erfolgte untertage über den 95 m langen Hedwigstollen und
später auch im Tagebau. Im Tagebau der Grube Hermine wurde ein sehr
wasserreiches Erz abgebaut, welches erst nach Trocknung einen Eisengehalt von
32 - 39 % aufwies.
3.2 Übernahme und Betrieb durch den GMBHV 1856 - 1963
Im Jahre
1856 gingen die Hütte und damit auch die Erzvorkommen in den Besitz des
Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein (kurz GMBHV) über, der nahe Oesede
eine neue Hütte mit zwei Hochöfen errichtete. Die zur Verhüttung benötigte
Kohle wurde aus dem Wealdenkohlenvorkommen im nahen Dütetal herbeigeschafft.
Aufgrund von Transportschwierigkeiten, das Erz musste mit Pferdefuhrwerken (bei
gutem Wetter täglich 150 Fuder) auf schlechten Wegen teils auf Umwegen über
Osnabrück zur Hütte gebracht werden, blieb die Förderung anfangs nur
unbedeutend. In Betrieb waren 1862 die Gruben Hedwig und Hermine sowie ein
Abbau des neu aufgeschlossenen Erzvorkommens am Roten Berg. Der Eisengehalt war
hier zwar geringer, von Vorteil erwies sich aber die leichte Gewinnbarkeit und der
hohe Kalkgehalt der Erze. Der Bau einer Chaussee in den Jahren 1862 - 63 führte
zu einer Senkung der Transportkosten von vormals 2,50 - 5 M pro Tonne auf 1,80 -
2,40 Mark. Dennoch erwies sich der geplante Bau einer Verbindungsbahn zur Hütte
als unumgänglich für die weitere Entwicklung. Mit dem Bau der Hüggelbahn wurde
im März 1864 begonnen und mit dem Erreichen des Roten Berges im Februar 1866
vollendet. Die Transportkosten betrugen nun 30 Pfennig und konnten im Laufe der
Jahre auf 15 Pf. (1909) gesenkt werden. In schneller Folge begann man nun mit
der Einrichtung von weiteren Betriebspunkten. Im Jahre 1867 existierten von
Osten nach Westen die Gruben Hermine, Hedwig III, Brockmann und Rothenberg.
Eine untertägige Gewinnung erfolgte nur auf der Grube Hedwig III. 1867 wurde
ein Wasserlösungsstollen angesetzt, der nach 544 m in südliche Richtung in die
Baue der Herminengrube einschlagen sollte. Zur Beschleunigung wurde der Stollen
über zwei Lichtschächte im Gegenortbetrieb aufgefahren. Einer der
Lichtschächte, der spätere Mathildenschacht, sollte als Förder- und
Wasserhaltungsschacht eingerichtet werden. Im Jahre 1869 wurde der
Mathildenstollen zum Durchschlag gebracht. Im gleichen Jahr wurde auf den
Gruben Brockmann und Rothenberg ein unterirdischer Abbau begonnen, da die
Abraumhöhe mehr als das Doppelte der Mächtigkeit des Erzlagers betrug. Der
Abbau erfolgte über flache Schächte im Einfallen des Lagers und streichenden
Strecken mit Pfeilern von 3 Lachtern (ca. 6 m) Stärke. Förderpunkte waren 1870 übertage
die Tagebaue Hermine und Roter Berg sowie untertage der Mathilden- und
Kielmannseggeschacht und die Grube Hedwig. Betrugen die Förderzahlen 1863 lediglich
nur 86.000 t Erz, so konnte bereits 1872 eine Förderung an Reich- und
Zuschlagerzen von 233.000 t erzielt werden.
|
Neue
Bezeichnung
|
Alte
Bezeichnung
|
Lage
|
|
Ia
Osten
|
Staels
Teil (?)
|
Hüggel
NE-Hang
|
|
Ia
Westen
|
Hermine
Osten
|
Hüggel
Nordhang
|
|
Ib
östlicher Stoß
|
Hermine
Westen
|
Hüggel
Nordhang
|
|
IIa
östlicher Stoß
|
Brockmann
Osten
|
Heidhorn
|
|
IIb
westlicher Stoß
|
Hedwig
|
Heidhorn
|
|
IIIa
|
Rother
Berg
|
Heidhorn
NW-Hang
|
| IIIb |
Roter
Berg Osthang |
| IIIc |
Roter
Berg |
| IV |
Heidhorn |
Heidhorn
SE-Hang |
| Va |
Südhüggel
N Tgb. |
Hüggel
Westhang |
|
Vb
|
Südhüggel
S Tgb.
|
Hüggel
Westhang
|
Übersicht der Tagebaue
|
Da der Eisengehalt mit fortschreitendem Abbau stark abnahm,
entschied sich der GMBHV zum Zukauf von Erzgruben am Schafberg (Gruben Hector
und Perm). Dadurch sank in den 1890er Jahren die Förderrate und auch die Zahl
der Beschäftigten leicht ab. Ein weiterer Nachteil der Hüggelerze bestand in
dem geringen Phosphorgehalt. Die Erze eigneten sich zwar besonders für die
Herstellung von Bessemerstahl, mit der Einführung des Thomasverfahrens verloren
die Erze jedoch stark an wirtschaftlicher Bedeutung.
Ein leichter Aufschwung setzte zwischen 1906 und 1930 ein, als auf der 103-m-Sohle
des Luisenschachtes ein 2 - 8 m mächtiges Spateisensteinvorkommen von guter
Erzqualität angetroffen wurde. Zur Ausbeutung des Lagers hatte man 1908 den
Luisenschacht wieder aufgewältigt, weiter abgeteuft und eine 3. Tiefbausohle
angesetzt. Nach einem Wasserdurchbruch mußten die Arbeiten auf der 3. Sohle im
November 1911 eingestellt werden. Der Abbau erfolgte im Bereich der 1. und 2.
Tiefbausohle (letztere wurde auch als 78-m-Sohle bezeichnet). Zwischen diesen
Sohlen befand sich westlich des Schachtes Luise noch eine 67-m-Sohle. Das
Vorkommen zwischen den Schächten Luise und Ida wurde bis zur Einstellung des
Tiefbaus im Jahre 1930/31 abgebaut. Als Gründe für die Stilllegung nennt KOHL
(1934) die großen Erzvorräte der Hütte und die vertraglichen Verpflichtungen
zur Abnahme einer bestimmten Menge ausländischer Erze.
Die
Belegschaft bestand hauptsächlich aus ortsansässigen Arbeitern, von denen viele
zusätzlich noch einer ländlichen Tätigkeit nachgingen. Die Arbeitsdauer betrug
1909 für die Tagebaue neun Stunden (im Sommer von 6 - 15
h, im Winter von 8.30
- 17.30 h). Untertage
wurde in drei Schichten, beginnend um 6 h,
gearbeitet.
Übersichtskarte der Eisensteingrube Hüggel
Abb. aus HAARMANN (1909)
Am Südhüggel wurde 1927 der Abbau vom Kalkstein für das
Zementwerk der Georgsmarienhütte aufgenommen, zudem hoffte man durch die
Arbeiten neue Eisenerze aufzuschließen. Der Abtransport der Steine geschah mit
einer 1928 fertig gestellten Drahseilbahn über den Kamm des Berges zur
Hüggelbahn. Der geringe Zementabsatz im Winter und die schlechte Wirtschaftlage
führte im Dezember 1929 zur Entlassung von 75 der 88 Arbeiter des Südhüggels. Mit
der Einstellung der Zementproduktion auf der Hütte wurde auch der Betrieb im
Südhüggel am 1.
August 1931vorläufig eingestellt, die endgültige Stilllegung
erfolgte mit der Betriebsaufname des neuen Steinbruches Holperdorp bei Lienen
im Jahre 1937.
Zur Zeit des 2. Weltkrieges wurden am Schacht Kielmannsegge
nochmals Erze im Tiefbau gewonnen. Etwa ab 1933 begann man neben dem Eisenerzabbau
mit der Gewinnung von Zuschlagkalk für die Verhüttung. Der Abbau mit
Dampfbaggern erfolgte hauptsächlich im Tagebau II b, von wo aus das Haufwerk
über einen Bremsberg zur 1927 errichteten Brechanlage gelangte, wo es gebrochen
und in Waggons der Hüggelbahn verladen wurde. Im Rahmen der erhöhten
Eisenerzeugung durch die Autarkiebestrebungen des dritten Reiches gewann der
Erzabbau wieder etwas an Bedeutung, dennoch wurde die Gewinnung der Erze aus
Qualitätsgründen im Jahre 1940 vorläufig eingestellt. Nach einer zeitweiligen Stilllegung
zwischen 1945 - 1948 wurde der Abbau von Zuschlagkalk noch bis zur endgültigen
Aufgabe des Bergbaus am Hüggel im Juli 1963 fortgesetzt.
In der fast 100jährigen Betriebsperiode wurden am Hüggel rund 10 Mio. Tonnen
Eisenerz gewonnen. Heute gibt es keine bauwürdigen Reserven mehr, lediglich an
Zuschlagkalk könnten noch ca. 3 Mio. Tonnen gewonnen werden.
3.2.1 Abbau und Wasserhaltung
3.2.1.1 Abbau
Insgesamt war das Hüggelgebiet in fünf Eisensteinfelder aufgeteilt.
Bergbau wurde aber nur in den Feldern I und II betrieben, wobei das Grubenfeld
I den nördlichen und Feld II den südlichen Abhang des Hüggels umfasste. Die
Gewinnung der Erze im Feld Hüggel I erfolgte sowohl im Tage- als auch im
Tiefbau. Im Jahre 1900 bestanden die Betriebspunkte aus dem Schacht Anna mit
den Tagebauen I a und I b, den Tagebauen II a und II b im Bereich des Schachtes
Kielmannsegge sowie die Tagebaue III a, b und c zwischen Schacht Luise und Roter
Berg. Weitere Tagebaue befanden sich östlich des Schachtes Kielmannsegge
(Tagebau IV) und im Bereich des Feldes Hüggel II (Tagebaue V a und V b). Die zuletzt
genannten Tagebaue V a und V b wurden bereits in den 1890er Jahren stillgelegt,
während die Tagebaue am Heidhornberg (II - III) bis zum Jahre 1907 in Betrieb
waren. Ab den 1920er Jahren bis zur Betriebseinstellung 1963 konzentrierten
sich die Arbeiten auf die Tagebaue III a und II b.
Nach der Vorrichtung durch Schächte und Stollen wurden zunächst die
Deckschichten abgetragen. Anschließend wurde das Erzlager im Querbau mit 5 - 8
m hohen Strossen bis zu einer Teufe von 40 - 50 m abgebaut. Im Winter und bei
Gebäuden auf der Tagesoberfläche wurde der Abbau als Tiefbau fortgesetzt. Die
entstehenden Hohlräume wurden mit dem anfallenden Abraum versetzt. Beim Abbau
des Spateisensteinlagers wurden die Erze meist durch Querbau in doppelflügeligen
Bremsbergfeldern mit einer streichenden Länge von 120 m teils im Bruch- sowie
Versatzbau abgebaut. Die Gewinnung erfolgte bei lockeren Gesteinen durch
Keilhauenarbeit, bei festen Gesteinen mittels Bohr- und Sprengarbeit.
Zum Transport des Haufwerks wurden anfangs Karrenläufe
verwendet, die ab 1875 durch schienengebundene, seitlich kippende und etwa 0,5
m³ fassende Förderwagen ersetzt wurden. Über Rolllöcher wurde das Haufwerk zur
nächst tiefer liegenden Fördersohle transportiert, in Förderwagen abgezogen und
durch Schlepper- oder Pferdeförderung zu den Schächten transportiert. Die
Pferde (1894: 4 untertage, 3 übertage) wurden bei den umliegenden Bauern
geliehen, die für eine neunstündige Schicht pro Pferd 4,30 M erhielten. Der
Förderung dienten die Schächte Luise, Anna, Mathilde und Kielmannsegge. Um 1895
war der Schacht Luise gestundet, in Betrieb waren nur die Schächte Anna
(Förderung Tagebau I a) und Kielmannsegge (Tagebau I b und II a). Bei erhöhter
Förderung oder Ausfall einer der Schächte wurde der Schacht Mathilde in Betrieb
genommen. Die Schächte waren mit Zwillingsdampffördermaschinen ausgerüstet,
deren Leistung am Annaschacht 12 kW, am Mathildenschacht 22 kW und am Schacht
Kielmannnsegge 44 kW betrug. Übertage wurden die Förderwagen mit Kreiselwippern
in 40-t-Wagen der normalspurigen Hüggelbahn entleert und zur 7 km entfernten
Georgsmarienhütte transportiert.
In den 1920er Jahren kamen erstmals Dampfbagger zum Einsatz. Zum Abtransport
der in Muldenwagen gefüllten Steine in den Tagebauen wurden mit Benzol- und
Diesel (ab 1950) betriebene Feldbahnen verwendet. Im Tagebau II b war ein mit
22° einfallender Bremsberg mit elektrischer Förderung im Einsatz. Die Brech-
und Verladeanlage befand sich nördlich des Tagebaus II b an der Trasse der
Hüggelbahn.
3.2.1.2 Wasserhaltung
Bis zur Talsohle (etwa +80 mNN) wurden die Wässer durch den 1867
bis 1869 errichteten und 600 m langen Mathildenstollen gelöst. Die angesetzte
streichende Mathildenstollen-Sohle hatte eine Länge von 2.800 m und verband
alle Schächte am Nordhang des Hüggels. Etwa parallel zu dieser war die
Wasserstrecke der Mathildenstollen-Sohle aufgefahren, welche durch Querschläge
mit dem Lager und der der Förderung dienenden Mathildenstollen-Sohle verbunden
war. Um den Wasserfluss zu ermöglichen war die Mathildenstollen-Sohle mit einer
Steigung von 1:400 m aufgefahren. Im östlichen, 1.000 m langen Streckenabschnitt
betrug der Höhengewinn etwa 2,5 m, der westliche und 1.800 m lange
Stollenabschnitt gewann bis zu 4,5 m an Höhe. Die Wasserstrecke diente
hauptsächlich zur Ableitung der Niederschlagswässer aus den Tagebauen.
Für einen Abbau der Erze unterhalb der Mathildenstollen-Sohle begann man 1874 -
1877 mit dem Abteufen des Augustaschachtes. Etwa 31 m unter der Hängebank und
20 m unterhalb der Mathilden-Stollensohle begann man mit der Auffahrung der
Hauptstollensohle (1. Tiefbausohle) 340 m Richtung Osten und 2.210 m Richtung
Westen.
Um die gesamte Wasserhaltung der 1. Tiefbausohle zu ermöglichen war der
Augustaschacht mit einer 221 kW starken Woolf'schen Wasserhaltungsmaschine
ausgerüstet worden. Die Maschine hatte einen Plungerdurchmesser von 0,91 m und
konnte mit einer Hubhöhe von 2,7 m maximal 12 m³/min heben. In der Regel mußte
nur eine Wassermenge von 4 - 5 m³/min bis auf die Mathildenstollen-Sohle
gehoben werden. Durch den als Wasserreservoir ausgebauten, 100 m langen
Querschlag zur Grundstrecke der 1. Tiefbausohle konnte der Zufluss zum Schacht
reguliert werden. Den benötigten Betriebsdruck lieferten vier kombinierte
Röhrendampfkessel mit einer Heizfläche von 173 m². Im Jahre 1908 wurde die Dampfwasserhaltung in
Reserve gestellt und durch eine elektrisch angetriebene Pumpe ersetzt.
Um ein Absaufen der Tiefbausohle bei einem Betriebsausfall zu verhindern
befanden sich als Reserve bei den Schächten Anna und Mathilde zwei weitere
Wasserhaltungsmaschinen mit 48 kW bzw. 29 kW Leistung.
4. Vorkommen von Steinkohle
Die gesteigerte Abhängigkeit von den westfälischen
Kohlenlieferungen nach der Stilllegung der Zeche Piesberg, die rund 1/3 des
Bedarfs der Georgsmarienhütte deckte, veranlasste den GMBHV zur Untersuchung
der Steinkohlenvorkommen am Hüggel. Nach dem Aufkauf des verschiedenen
Bohrgesellschaften gehörenden Feldbesitzes auf Steinkohle und dem Einholen
eines Gutachtens wurde im Januar 1900 mit einer Aufschlussbohrung begonnen. Die
vom Tagebau I b nahe dem Mathildenschacht niedergebrachte Bohrung traf auf insgesamt neun Flöze, von denen drei Flöze in einer Teufe von 550 bis 600 m Mächtigkeiten
zwischen 0,4 und 1,5 m aufwiesen. Es handelte sich um Fettkohle mit einem
Aschegehalt von 12 - 24 %. Zu einem Abbau kam es nicht.
Zur Zeit des Kohlenmangels nach dem 1. Weltkrieg entschloss sich der GMBHV im
Januar 1920 am Südhüggel den Bergbau auf Steinkohle aufzunehmen. Der Plan sah
die Erschließung der bereits 1900 bei einer Bohrung festgestellten drei
Kohlenflöze vor. Für den Abbau sollte der Südhüggelschacht um 150 m weiter
abgeteuft werden. Nachdem allein durch die Wiederaufwältigung der
Mathildenstollensohle 250.000 Mark verbraucht worden waren wurde der Plan im
Mai 1920 aufgegeben.
5. Heutiger Zustand der Bergbauanlagen
Die
deutlichsten Zeugen der Bergbautätigkeit stellen die teilweise mit Müll
verfüllten und größtenteils zugewucherten ehemaligen Tagebaue dar. Erwähnenswert
ist vor allem der durch eine Förderbrücke in zwei Hälften eingeteilte größte
Tagebau II. Von den Tagesanlagen sind noch Fundamente von Fördereinrichtungen
sowie streckenweise die Trasse der Hüggelbahn erhalten. Als besonders
bemerkenswert gilt die Pumpenstation am Augusta-Schacht. Das dreigeschossige
Haus an der Bahnlinie Hasbergen zur Georgsmarienhütte ist nahezu komplett
erhalten. Der noch offenstehende Schacht dient zur Wasserversorgung der
Georgsmarienhütte. Am Standort des Luisenschachtes sind noch mehrere, durch den
GMBHV errichtete und heute größtenteils umgebaute Wohnhäuser vorhanden. Viele
der ehemaligen Bergbauanlagen sind durch einen Geologischen Lehrpfad
erschlossen.
| Name |
Zweck |
Zustand |
Hedwig-Stollen
Länge 95 m
Mundloch +117,90 mNN |
Aus
der Zeit der Beckeroder Hütte stammender Förderstollen. |
Nicht
mehr vorhanden |
Anna-Stollen
Länge XXX
Mundloch +81,50 mNN |
Förderstollen,
Wasserlösung. Um 1910 war dieser Stollen schon abgeworfen. |
Mundloch
verbrochen, Wasseraustritt. |
Mathilden-Stollen
Länge 600 m
Mundloch +78,0 mNN |
Zentraler
Wasserlösungsstollen, Aufgefahren von 1868 bis 1869. |
Das aus Ziegelsteinen gemauerte Mundloch ist noch
erhalten, jedoch stark deformiert. Der Stollen ist durch einen Betonpfropfen im
Bereich der Bahntrasse verschlossen. Wasseraustritt.
|
Schacht
Mathilde
Teufe 48,30 m
Hängebank +93,7 mNN |
Förderschacht,
ausgestattet mit einer Fördermaschine (22 kW) sowie einem
Walzen- sowie zwei Cornwallkesslen mit je 49,1 m² Heizfläche. |
Verfüllt
|
Schacht Anna
Teufe 46,11 m
Hängebank +103,78 mNN
|
Förderschacht. War ausgestattet mit einer Fördermaschine mit einer Leistung von 12 kW und Walzenkesseln mit je 26 m² Heizfläche.
|
Verfüllt
|
Schacht
Augusta
Teufe 31,42 m
Hängebank +88,47 mNN
|
Wasserhaltung mittels einer 221 kW starken Wasserhaltungsmaschine. |
Erhalten
ist das Maschinenhaus des Schachtes. Heute wird noch Wasser für die Georgsmarienhütte aus dem Schacht gepumpt. |
Schacht
Kielmannsegge
Teufe 49,88 m
Hängebank +109,74 mNN |
Förderschacht.
War ausgestattet mit einer 44 kW Fördermaschine und Walzenkesseln
mit insgesammt 93,4 m² Heizfläche. |
Verfüllt und mit Betonplatte abgedeckt.
|
Schacht
Ida
Teufe 50,94 m
Hängebank +111,04 mNN |
Förderschacht.
Hier befand sich das Materialmagazin für die Gruben am Hüggel
und eine Schmiede. |
|
Schacht
Luise
Teufe 103,05 m
Hängebank +115,36 mNN |
Förderschacht.
Hier befand sich eine Schmiede, eine Dampfsägemühle und
die Wohnung des Betriebsführers. |
Schacht ist verfüllt und mit einer Betonplatte
abgedeckt.
|
Südhüggelschacht
Teufe 299,12 m
Hängebank +182,37 mNN |
Wetterschacht |
Bis Ende der
1990er Jahre war über dem Schacht ein kleines Eisengestell
erhalten. |
6 .
Literatur
EINECKE,
G./ KÖHLER, W. (1910): Die Eisenerzvorräte des Deutschen Reiches; Berlin.
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17, S. 343 - 353; Berlin.
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W. (1930): Bergbau- und Hüttenbetriebe des Osnabrücker Landes in ihrer
wirtschaftlichen Entwicklung. -Veröff. wirtschaftswiss. Ges. zum Studium
Niedersachsens, Bd. 12; Hannover.
KOHL, E. (1934):
Die Eisenerzvorräte des Deutschen Reiches. -Arch. Lagerstättenforsch., Bd. 58;
Berlin.
MÜLLER, H.
(1896): Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein. Teil 1: Die Geschichte
des Vereins. Teil 2: Beschreibung der Besitzungen, der Betriebsanlagen und der
Einrichtungen des Vereins; Osnabrück.
MÜLLER, H. (1906): Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten-Verein. 2. Bd.;
Osnabrück.
RÖHRS, H.
(1992): Erz und Kohle - Bergbau zwischen Weser und Ems. - Ibbenbürener
Vereinsdruckerei; Ibbenbüren.
SLOTTA, R.
(1986): Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland - Der
Eisenerzbergbau Teil 1. - Deutsches Bergbau Museum Bochum.
STAHL, A./
HAACK, W./ FULDA, E. (1941): Geologie u. Lagerstätten Niedersachsens. Bd. 1:
Das Paläozoikum in Niedersachsen. - Schr. d. Wirtschaftswiss. Ges. zum Stud.
Nds.; Oldenburg.
STOCKFLETH
(1894): Das Eisenerzvorkommen am Hüggel bei Osnabrück, Z. Glückauf, H. 100, 30,
S. 1791 ff.; Essen.
Unveröffentlichte
Quellen (Archive):
NLA HSTA BaCl. Hann. 184 Acc. 9 Nr. 2853, Acc. 11 Nr. 4290, Acc. 16 Nr.
169, 170, 175