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Schürfen nach der Vergangenheit Drucken E-Mail
Geschrieben von Tirol online   
Samstag, 23. Oktober 2004


Schürfen nach der Vergangenheit

Das Wörgetal ist ein stilles Tal. Aber das war nicht immer so. Vor 350 Jahren gab das Schwarzpulver den Ton an.


Alte Knappenlöcher auf gut 2500 Metern, Reste alter Knappenhäuser und einer Pochmühle - das Wörge­tal hat dem aufmerksamen Auge einiges zu zeigen.

Im 17. Jahrhundert wurde hier Bergbau betrieben: Kupferkies, Bleiglanz, Pyrit, angeblich auch Gold. In der Pochmühle wurde das Erz zerstampft, der feinkörnige Sand in Wasser gelegt. Das schwerere Erz lagerte sich ab, wurde dann mit Schlitten und Ochsenkarren bis in die Oetzer Ebene transportiert und dort in der heute noch existierenden "Tuifl­schmitte" verhüttet.

Die Geschichte der Knappen wird jetzt wieder ausgegraben. Die Idee stammt von Leader-Manager Werner Kräutler und Martin Dablander. Am Originalschauplatz entsteht ein Knappenhaus, das im hinteren Raum ein kleines Museum beherbergen wird, im vorderen Teil als Schutzhütte fungiert. Im Museum soll unter anderem ein restaurierter Grubenhunt­ ausgestellt werden, der aus einem Stollen auf 2500 Metern mühsam geborgen wurde.

"Dazu kommen noch rekonstruierte Werkzeuge und die Arbeitskleider der Knappen", erklärt Kräutler.

Doch das Knappenhaus ist nur der erste Schritt. Nächstes Jahr soll direkt daneben die Pochmühle originalgetreu wieder aufgebaut werden - und das funktionstüchtig. Dazu soll auch, wie vor drei Jahrhunderten, das zum Betrieb notwendige Wasser mit einem Waal herangeführt werden.

Für das Projekt schlossen sich neun Partner zusammen: Die Skilifte von Hochoetz und Kühtai, die Gemeinden Oetz, Sautens, Haiming, Silz und die Tourismusverbände von Oetz, Sautens und Haiming. "Die Zusammenarbeit ist mustergültig", lobt Kräutler. "Das Ziel ist die Attraktivierung der Region rund um den Acherkogel für Wanderer, Familien und Bergbauinteressierte." Das in einer halben Stunde leicht zu erreichende Knappenhaus mit der Pochmühle und dem Puchersee könnte ein ideales Ausflugsziel für Familien werden, hofft der Leader-Geschäftsführer.

Mit dem Projekt verknüpft sind die Wanderwege, die zum Knappenhaus führen. Die Wege über das Wetterkreuz, durch das Wörgetal, der Höhenweg von Kühtai über die Obere­ Iss und weiter bis zur Balbach-Alm wurden und werden mit professioneller Hilfe des Tiroler Beschäftigungsvereines, der Skilifte Hochoetz und der Skilifte Kühtai saniert.

All das kostet auch Geld. Rund 310.000 Euro werden für das Leader-Projekt "Knappenweg Kühtai-Hochoetz", so der offizielle Name, ausgegeben. Die Hälfte davon kommt über den Leader-Verein durch Förderungen von der EU, die andere Hälfte teilen sich die neun Projektpartner in einem bestimmten Schlüssel.

Mit dem Geld wird aber nicht nur das Knappenhaus gebaut, nicht nur die Pochmühle errichtet, das Museum eingerichtet und die Wanderwege saniert - Mittel für ein Vermarktungskonzept des Knappenweges sind ebenfalls bereits in das Budget eingerechnet.


Das Knappenhaus am Originalplatz - die Pochmühle wird nächstes Jahr gebaut.
 
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