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Materialien zur Geologie und zum Bergbau des Schaumburger Landes Drucken E-Mail
Dienstag, 26. Oktober 2004

2. Abriß der Geschichte des Schaumburger Steinkohlebergbaus

Die ältesten bergbaulichen Überlieferungen des Schaumburg - Bückeberger Steinkohlenrevieres stammen aus dem 14. Jahrhundert, wobei darin auf noch ältere Baue verwiesen wird. Seither wurden vornehmlich im Obernkirchener Raum kontinuierlich Steinkohlen gewonnen. Den Höhepunkt dieser frühen bergbaulichen Aktivitäten stellt zweifellos die im Jahre 1757 - 1769 erfolgte Auffahrung des Südhorster oder Wilhelm - Wilhelmstollens dar, der auf 64 m Höhe über NN angesetzt wurde und bei einer Gesamtlänge - mit später aufgefahrenen Flügelörtern und Grundstrecken - von mehr als 12 Kilometern eine kostengünstige Entwässerung aller frühen Grubenbaue ermöglichte. Sein heute noch erhaltenes Mundloch befindet sich in etwas versteckter Lage am Ortsrand von Südhorsten. 

Während der Steinkohlenbergbau im Raum Obernkirchen auf eine sehr lange Tradition zurückblicken kann, dauerte es verhältnismässig lange, bis die weiter östlich liegenden Revierteile erschlossen wurden. Abgesehen von kleineren alten Unternehmungen, über die kaum Unterlagen vorliegen, setzte der Bergbau ab Anfang des 19. Jahrhundert hier sogleich mit Schächten ein. Diese waren zunächst flach und befanden sich oberhalb der Stollensohle. Viele von ihnen finden sich noch heute in Form kleinerer Aufhaldungen - im Schaumburgischen als "Kummerhaufen" bezeichnet - im Wiesen- und Weidemgelände verstreut. Während zahlreiche dieser Kummerhaufen in früheren Jahren im Zuge von Flurbereinigungsmaßnahmen eingeebnet wurden, werden sie heute als wertvolle Biotope anerkannt und als solche unter Schutz gestellt. So ändern sich die Zeiten !

Nach der Auffahrung des Südhorster konnte kein tieferer Ansatzpunkt für einen weiteren, noch tiefer gelegenen Entwässerungsstollen für die Schaumburger Steinkohlenreviere mehr gefunden werden. Daher begann ab 1815 der Aufschluss sogenannter "Tiefbaureviere" unter der Stollensohle, in denen das aus dem Nebengestein zufliessende Grubenwasser in speziellen Kunstschachtanlagen auf das Stollenniveau heraufgepumpt wurde. Im Laufe der Zeit entstanden hierbei die folgenden Schächte und Fördersohlen: 

- 1821 der Kunstschacht I bei Nienstädt, mit dem die A - und B - Sohlen erschlossen wurden. 

- 1854 der heute noch erhaltene Kunstschacht II in Südhorsten nahe dem Mundloch des Südhorster Stollens, mit dem die C - und D - Sohlen aufgeschlossen wurden. Hierbei wurden im östlichen Abschnitt der D - Sohle zum ersten mal Schachtteufen von mehr als hundert Metern erreicht.

- Von 1872 bis 1876 wurde der Kunstschacht III südlich des heutigen Georgschachtes bei Stadthagen abgeteuft, um die F - und E - Sohlen zu erschliessen. Etwa zeitgleich entstand je ein Förderschacht auf der E - Sohle (E0) und auf der F - Sohle (F0).
 

Einen Überblick der Bergbausohlen mit den wichtigsten Schachtanlagen gibt die folgende Abbildung:
 
 

Abbildung: Übersichtsplan der Schaumburger Steinkohlenbergwerk um 1930, roter Punkt = Südhorster (Erb) Stollen; grüner Punkt = Liethstollenportal bei Obernkirchen 
  
Ergänzend zu dieser Abbildung zeigt die folgende Tabelle eine Übersicht über die wichtigsten Sohlen des Schaumburger Steinkohlerevieres mit relevanten Daten : 

Sohle:
  Auffahrung ab :
Sohltiefe unter Gelände: 
  Schachttiefen:
   Schächte:
 
 
(Durchschnitt)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Stollensohle 
 
30 - 60 m
30 - 60 m
43 Schächte
 
 
 
 
 
A - Sohle *
1825
48 m
40 - 57,5 m
29 Schächte
 
 
 
 
 
B - Sohle *
1821
62 m
44 - 84,5 m
33 Schächte
 
 
 
 
 
C - Sohle *
1857
61 m
57 - 65 m
10 Schächte
 
 
 
 
 
D - Sohle 
1847
93 m
67 - 104 m
WD 1 -3, OD 1 - 5
 
 
 
 
 
E - Sohle 
1882
125 m
119 - 137 m
WE 1, EO
 
 
 
 
 
F - Sohle 
1872
175 m
168 - 184,5 m
WF 1, WF 2, OF 1
 
 
 
 
 
G - Sohle 
1899
240 m
239 - 251 m
WG 1, Georg I + II
 
 
 
 
 
H - Sohle
1925
330 m 
keine Schächte
keine Schächte
 
 
 
 
 
J - Sohle 
1936
420 m
keine Schächte
keine Schächte
 
 
 
 
 
K - Sohle 
1952
540 m
557 m
Lüdersfeld 

Tabelle: Hauptsohlen des Schaumburger Steinkohlenbergbaurevieres
 

Um 1900 veränderte sich der Schaumburger Bergbau durch eine starke Konzentration und Modernisierung der Bergbauanlagen. In den folgenden Jahrzehnten übernahm die PREUSSAG AG in zunehmenden Maße den hiesigen Steinkohlebergbau, bis sie 1940 zum alleinigen kohlefördernden Unternehmen in Schaumburg und im östlich benachbarten Revier Deister - Barsinghausen wurde.

Als neuer Zentralschacht für den östlichen Bereich der Schaumburger Mulde wurde unter der Leitung der PREUSSAG von 1899 - 1902 der Georgschacht in Stadthagen abgeteuft, der bereits eine Teufe von 251 m erreichte. Etwa zeitgleich wurde die G - Sohle durch das ganze Revier nach Osten und Westen aufgefahren und mit dem Schacht WG 1 bei Schierneichen erschlossen. Schließlich wurde in den Jahren 1921/22 mit dem Georgschacht II mit 372 m Teufe der tiefste Schacht des "klassischen" Schaumburger Revieres niedergebracht.

Überraschend war für die Alten das rasche Vertauben der Flöze Richtung Osten gewesen, wie das abrupte Ende der Haldenlandschaft wenig östlich des Flöthbaches bei Hörkamp zeigt. Systematische Explorationsbohrungen seit Ende des 19. Jahrhunderts wiesen jedoch noch weiter im Osten wiederum abbauwrdige Kohlevorkommen nach, sodaß in der Folgezeit neue, selbstständige  Schachtanlagen bei Beckedorf und bei Blyinghausen (Ostschacht) entstanden.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde schließlich noch die Erschliessung der Kohlevorkommen im zentralen Teil der Schaumburger Mulde in Angriff genommen. Hierzu entstand mit den von 1952 - 1956 abgeteuften Schacht Lüdersfeld der mit 557 m tiefste Schacht des gesamten Bergbaurevieres. Auch der weiter nordöstlich gelegene, etwa zeitgleich erbaute Schacht Auhagen mit 319 m wies eine beachtliche Teufe auf. Im Zuge dieser Rohstoffsicherungsmaßnahmen kam es auch zu dem Bau der sogenannten "Schaumburger Untergrundbahn", einer 8 km langen Verbindungsstrecke zwischen den beiden Georgschächten bei Stadthagen und der Beckedorfer Schachtanlage.

Trotz Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe wurde der Bergbau im norddeutschen Wealdensteinkohlerevier zunehmend unwirtschaftlich. So wurde am 28. März 1960 in der Aufsichtsratssitzung der PREUSSAG AG die Einstellung sämtlicher Bergwerke und Betriebsteile in der Schaumburger Mulde beschlossen. Trotz zahlreicher Protestaktionen und Petitionen seitens der niedersächsischen Landesregierung wurden die Stillegungsmaánahmen von der PREUSSAG konsequent und zügig durchgeführt. Mit der Beendigung der Kohleförderung auf der letzten noch betriebenen Schachtanlage Lüdersfeld am 31. März 1961 endete der mit über 500 Jahren Betriebsdauer sehr traditionsreiche Schaumburger Steinkohlebergbau.

Die folgende Tabelle gibt einen abschließenden Überblick über die wichtigsten Kohlenschächte des Schaumburger Landes :

 

Bezeichnung : Name : Lage : Teufe (m) : Maße (m) : Baujahr : Schachtnutzung :
             
Kohlenschächte            
Schaumburg : Kunstschacht I nahe Bahnhof Nienstädt 63 2,5 x 2,3 1816/21 Wasserhaltung
  Kunstschacht II nahe Südhorster Stollen 75 4,4 x 1,8 1847/54 Wasserhaltung, Doppelschacht
  Kunstschacht III S Georgschacht 180 3,5 x 2,4 1872/76 Wasserhaltung
             
D - Sohle : Schacht WD 1 Strasse Gelldorf - Südhorsten 73, 6 5 x 2/4 x 2 1861/62 Bergeförderung, Wetterschacht
  Schacht WD 2 Strasse Gelldorf - Südhorsten 67 / 78 4 x 2,5 1865/66 Wetterschacht, keine Halde
  Schacht WD 3 Gelldorf, südlich der B 65 84 3x3 /3,8x3,8 1870 Wetterschacht, keine Halde
  Schacht OD  nahe Südhorster Stollen 75,1 4 x 1,8 1856/58 Wasserhaltung
  Schacht OD 1 zwischen Südhorsten und K 19 71 4,5x1,9 / 4x2,5 1861/62 Wetterschacht
  Schacht OD 2 östlich Kreisstrasse 19 79 4,7 x 1,9 1866/67 Wetterschacht, keine Halde
  Schacht OD 3 nahe Bahnhof Nienstädt 88 6,8x3,2/5,2x1,8 1870 Wetterschacht
  Schacht OD 4 Strasse Stadthagen - Ehlen 104 5 x 2 1877 Bergeförderung, Fahrschacht
  Schacht OD 5 Strasse Stadthagen - Ehlen 103 rund : 4 1884/85 Wasserhaltung, Wetterschacht
             
E - Sohle : Schacht WE 1 N Str. Südhorst. - Kirchhorst. 119 / 127 rund : 4 / 5 1882/84 Fahr/Wetterschacht
  Schacht EO S Georgschacht 119 / 137 rund : 4 / 4,6 1890/91 Förderschacht
 


   
F - Sohle : Schacht WF 1 SW Ortslage Meinefeld 168,7 rund : 4 1883/85 Wetterschacht, keine Halde
  Schacht WF 2 Gelldorf - Industriegebiet 158,7 rund : 4,5 / 5 1908/09 Fahrschacht, Bergeförderung
  Schacht FO S Georgschacht 175 / 184, 5  5,8x2 / 7x2,5 1873/74 Förderschacht
  Schacht OF 1 SHG - St. Annen 184 rund : 4 1883/85 Wetterschacht
             
G - Sohle : Schacht WG 1 Schierneichen 239 rund : 5 1921/22 Fahrschacht
  Georgschacht I (GO) Stadthagen - West 251 rund : 4,5 1899/1902 Wetter + Förderschacht
  Georgschacht II Stadthagen - West 372 rund : 4,5 / 5,5 1925/28 Förderschacht
             
Sonstige : Schacht Lüdersfeld W Ortslage Lüdersfeld 556,73 rund : 5 1950/52 Förderschacht
  Wetterbohrloch Lüd. N Ortslage Lüdersfeld ca. 550  40 cm ? ca. 1952 "Wetterschacht"
  Schacht Beckedorf I E Lindhorst 156,8 rund : 4,5 1912/20 Wetter + Förderschacht
  Schacht Beckedorf II E Lindhorst 233 / 240 rund : 4,5 1924/26 Wetter + Förderschacht
  Ostschacht bei Blyinghausen 137 rund : 4,5 1930 ? Förderschacht
 
         
Rehburg : Schacht Auhagen N Auhagen 319 rund : 5 1953/58 Förderschacht

Münchehagen II im Erlengrund 154 rund : 3,5 1920 Förderschacht
             

Tabelle: Schachtliste Steinkohlenbergbau Schaumburger Land 
 


Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 10. Oktober 2006 )
 
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