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2. Abriß der Geschichte des Schaumburger Steinkohlebergbaus
Die ältesten bergbaulichen Überlieferungen des Schaumburg - Bückeberger Steinkohlenrevieres stammen aus dem 14. Jahrhundert, wobei darin auf noch ältere Baue verwiesen wird. Seither wurden vornehmlich im Obernkirchener Raum kontinuierlich Steinkohlen gewonnen. Den Höhepunkt dieser frühen bergbaulichen Aktivitäten stellt zweifellos die im Jahre 1757 - 1769 erfolgte Auffahrung des Südhorster oder Wilhelm - Wilhelmstollens dar, der auf 64 m Höhe über NN angesetzt wurde und bei einer Gesamtlänge - mit später aufgefahrenen Flügelörtern und Grundstrecken - von mehr als 12 Kilometern eine kostengünstige Entwässerung aller frühen Grubenbaue ermöglichte. Sein heute noch erhaltenes Mundloch befindet sich in etwas versteckter Lage am Ortsrand von Südhorsten.
Während der Steinkohlenbergbau im Raum Obernkirchen auf eine sehr lange Tradition zurückblicken kann, dauerte es verhältnismässig lange, bis die weiter östlich liegenden Revierteile erschlossen wurden. Abgesehen von kleineren alten Unternehmungen, über die kaum Unterlagen vorliegen, setzte der Bergbau ab Anfang des 19. Jahrhundert hier sogleich mit Schächten ein. Diese waren zunächst flach und befanden sich oberhalb der Stollensohle. Viele von ihnen finden sich noch heute in Form kleinerer Aufhaldungen - im Schaumburgischen als "Kummerhaufen" bezeichnet - im Wiesen- und Weidemgelände verstreut. Während zahlreiche dieser Kummerhaufen in früheren Jahren im Zuge von Flurbereinigungsmaßnahmen eingeebnet wurden, werden sie heute als wertvolle Biotope anerkannt und als solche unter Schutz gestellt. So ändern sich die Zeiten !
Nach der Auffahrung des Südhorster konnte kein tieferer Ansatzpunkt für einen weiteren, noch tiefer gelegenen Entwässerungsstollen für die Schaumburger Steinkohlenreviere mehr gefunden werden. Daher begann ab 1815 der Aufschluss sogenannter "Tiefbaureviere" unter der Stollensohle, in denen das aus dem Nebengestein zufliessende Grubenwasser in speziellen Kunstschachtanlagen auf das Stollenniveau heraufgepumpt wurde. Im Laufe der Zeit entstanden hierbei die folgenden Schächte und Fördersohlen:
- 1821 der Kunstschacht I bei Nienstädt, mit dem die A - und B - Sohlen erschlossen wurden.
- 1854 der heute noch erhaltene Kunstschacht II in Südhorsten nahe dem Mundloch des Südhorster Stollens, mit dem die C - und D - Sohlen aufgeschlossen wurden. Hierbei wurden im östlichen Abschnitt der D - Sohle zum ersten mal Schachtteufen von mehr als hundert Metern erreicht.
- Von 1872 bis 1876 wurde der Kunstschacht III südlich des heutigen Georgschachtes bei Stadthagen abgeteuft, um die F - und E - Sohlen zu erschliessen. Etwa zeitgleich entstand je ein Förderschacht auf der E - Sohle (E0) und auf der F - Sohle (F0).
Einen Überblick der Bergbausohlen mit den wichtigsten Schachtanlagen gibt die folgende Abbildung:
Abbildung: Übersichtsplan der Schaumburger Steinkohlenbergwerk um 1930, roter Punkt = Südhorster (Erb) Stollen; grüner Punkt = Liethstollenportal bei Obernkirchen Ergänzend zu dieser Abbildung zeigt die folgende Tabelle eine Übersicht über die wichtigsten Sohlen des Schaumburger Steinkohlerevieres mit relevanten Daten :
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Sohle: |
Auffahrung ab : |
Sohltiefe unter Gelände: |
Schachttiefen: |
Schächte: |
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(Durchschnitt) |
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Stollensohle |
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30 - 60 m |
30 - 60 m |
43 Schächte |
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A - Sohle * |
1825 |
48 m |
40 - 57,5 m |
29 Schächte |
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B - Sohle * |
1821 |
62 m |
44 - 84,5 m |
33 Schächte |
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C - Sohle * |
1857 |
61 m |
57 - 65 m |
10 Schächte |
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D - Sohle |
1847 |
93 m |
67 - 104 m |
WD 1 -3, OD 1 - 5 |
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E - Sohle |
1882 |
125 m |
119 - 137 m |
WE 1, EO |
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F - Sohle |
1872 |
175 m |
168 - 184,5 m |
WF 1, WF 2, OF 1 |
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G - Sohle |
1899 |
240 m |
239 - 251 m |
WG 1, Georg I + II |
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H - Sohle |
1925 |
330 m |
keine Schächte |
keine Schächte |
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J - Sohle |
1936 |
420 m |
keine Schächte |
keine Schächte |
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K - Sohle |
1952 |
540 m |
557 m |
Lüdersfeld |
Tabelle: Hauptsohlen des Schaumburger Steinkohlenbergbaurevieres
Um 1900 veränderte sich der Schaumburger Bergbau durch eine starke Konzentration und Modernisierung der Bergbauanlagen. In den folgenden Jahrzehnten übernahm die PREUSSAG AG in zunehmenden Maße den hiesigen Steinkohlebergbau, bis sie 1940 zum alleinigen kohlefördernden Unternehmen in Schaumburg und im östlich benachbarten Revier Deister - Barsinghausen wurde.
Als neuer Zentralschacht für den östlichen Bereich der Schaumburger Mulde wurde unter der Leitung der PREUSSAG von 1899 - 1902 der Georgschacht in Stadthagen abgeteuft, der bereits eine Teufe von 251 m erreichte. Etwa zeitgleich wurde die G - Sohle durch das ganze Revier nach Osten und Westen aufgefahren und mit dem Schacht WG 1 bei Schierneichen erschlossen. Schließlich wurde in den Jahren 1921/22 mit dem Georgschacht II mit 372 m Teufe der tiefste Schacht des "klassischen" Schaumburger Revieres niedergebracht.
Überraschend war für die Alten das rasche Vertauben der Flöze Richtung Osten gewesen, wie das abrupte Ende der Haldenlandschaft wenig östlich des Flöthbaches bei Hörkamp zeigt. Systematische Explorationsbohrungen seit Ende des 19. Jahrhunderts wiesen jedoch noch weiter im Osten wiederum abbauwrdige Kohlevorkommen nach, sodaß in der Folgezeit neue, selbstständige Schachtanlagen bei Beckedorf und bei Blyinghausen (Ostschacht) entstanden.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde schließlich noch die Erschliessung der Kohlevorkommen im zentralen Teil der Schaumburger Mulde in Angriff genommen. Hierzu entstand mit den von 1952 - 1956 abgeteuften Schacht Lüdersfeld der mit 557 m tiefste Schacht des gesamten Bergbaurevieres. Auch der weiter nordöstlich gelegene, etwa zeitgleich erbaute Schacht Auhagen mit 319 m wies eine beachtliche Teufe auf. Im Zuge dieser Rohstoffsicherungsmaßnahmen kam es auch zu dem Bau der sogenannten "Schaumburger Untergrundbahn", einer 8 km langen Verbindungsstrecke zwischen den beiden Georgschächten bei Stadthagen und der Beckedorfer Schachtanlage.
Trotz Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe wurde der Bergbau im norddeutschen Wealdensteinkohlerevier zunehmend unwirtschaftlich. So wurde am 28. März 1960 in der Aufsichtsratssitzung der PREUSSAG AG die Einstellung sämtlicher Bergwerke und Betriebsteile in der Schaumburger Mulde beschlossen. Trotz zahlreicher Protestaktionen und Petitionen seitens der niedersächsischen Landesregierung wurden die Stillegungsmaánahmen von der PREUSSAG konsequent und zügig durchgeführt. Mit der Beendigung der Kohleförderung auf der letzten noch betriebenen Schachtanlage Lüdersfeld am 31. März 1961 endete der mit über 500 Jahren Betriebsdauer sehr traditionsreiche Schaumburger Steinkohlebergbau.
Die folgende Tabelle gibt einen abschließenden Überblick über die wichtigsten Kohlenschächte des Schaumburger Landes :
| Bezeichnung : |
Name : |
Lage : |
Teufe (m) : |
Maße (m) : |
Baujahr : |
Schachtnutzung : |
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| Kohlenschächte |
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| Schaumburg : |
Kunstschacht I |
nahe Bahnhof Nienstädt |
63 |
2,5 x 2,3 |
1816/21 |
Wasserhaltung |
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Kunstschacht II |
nahe Südhorster Stollen |
75 |
4,4 x 1,8 |
1847/54 |
Wasserhaltung, Doppelschacht |
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Kunstschacht III |
S Georgschacht |
180 |
3,5 x 2,4 |
1872/76 |
Wasserhaltung |
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| D - Sohle : |
Schacht WD 1 |
Strasse Gelldorf - Südhorsten |
73, 6 |
5 x 2/4 x 2 |
1861/62 |
Bergeförderung, Wetterschacht |
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Schacht WD 2 |
Strasse Gelldorf - Südhorsten |
67 / 78 |
4 x 2,5 |
1865/66 |
Wetterschacht, keine Halde |
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Schacht WD 3 |
Gelldorf, südlich der B 65 |
84 |
3x3 /3,8x3,8 |
1870 |
Wetterschacht, keine Halde |
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Schacht OD |
nahe Südhorster Stollen |
75,1 |
4 x 1,8 |
1856/58 |
Wasserhaltung |
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Schacht OD 1 |
zwischen Südhorsten und K 19 |
71 |
4,5x1,9 / 4x2,5 |
1861/62 |
Wetterschacht |
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Schacht OD 2 |
östlich Kreisstrasse 19 |
79 |
4,7 x 1,9 |
1866/67 |
Wetterschacht, keine Halde |
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Schacht OD 3 |
nahe Bahnhof Nienstädt |
88 |
6,8x3,2/5,2x1,8 |
1870 |
Wetterschacht |
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Schacht OD 4 |
Strasse Stadthagen - Ehlen |
104 |
5 x 2 |
1877 |
Bergeförderung, Fahrschacht |
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Schacht OD 5 |
Strasse Stadthagen - Ehlen |
103 |
rund : 4 |
1884/85 |
Wasserhaltung, Wetterschacht |
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| E - Sohle : |
Schacht WE 1 |
N Str. Südhorst. - Kirchhorst. |
119 / 127 |
rund : 4 / 5 |
1882/84 |
Fahr/Wetterschacht |
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Schacht EO |
S Georgschacht |
119 / 137 |
rund : 4 / 4,6 |
1890/91 |
Förderschacht |
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| F - Sohle : |
Schacht WF 1 |
SW Ortslage Meinefeld |
168,7 |
rund : 4 |
1883/85 |
Wetterschacht, keine Halde |
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Schacht WF 2 |
Gelldorf - Industriegebiet |
158,7 |
rund : 4,5 / 5 |
1908/09 |
Fahrschacht, Bergeförderung |
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Schacht FO |
S Georgschacht |
175 / 184, 5 |
5,8x2 / 7x2,5 |
1873/74 |
Förderschacht |
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Schacht OF 1 |
SHG - St. Annen |
184 |
rund : 4 |
1883/85 |
Wetterschacht |
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| G - Sohle : |
Schacht WG 1 |
Schierneichen |
239 |
rund : 5 |
1921/22 |
Fahrschacht |
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Georgschacht I (GO) |
Stadthagen - West |
251 |
rund : 4,5 |
1899/1902 |
Wetter + Förderschacht |
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Georgschacht II |
Stadthagen - West |
372 |
rund : 4,5 / 5,5 |
1925/28 |
Förderschacht |
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| Sonstige : |
Schacht Lüdersfeld |
W Ortslage Lüdersfeld |
556,73 |
rund : 5 |
1950/52 |
Förderschacht |
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Wetterbohrloch Lüd. |
N Ortslage Lüdersfeld |
ca. 550 |
40 cm ? |
ca. 1952 |
"Wetterschacht" |
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Schacht Beckedorf I |
E Lindhorst |
156,8 |
rund : 4,5 |
1912/20 |
Wetter + Förderschacht |
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Schacht Beckedorf II |
E Lindhorst |
233 / 240 |
rund : 4,5 |
1924/26 |
Wetter + Förderschacht |
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Ostschacht |
bei Blyinghausen |
137 |
rund : 4,5 |
1930 ? |
Förderschacht |
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| Rehburg : |
Schacht Auhagen |
N Auhagen |
319 |
rund : 5 |
1953/58 |
Förderschacht |
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Münchehagen II |
im Erlengrund |
154 |
rund : 3,5 |
1920 |
Förderschacht |
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Tabelle: Schachtliste Steinkohlenbergbau Schaumburger Land
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