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Materialien zur Geologie und zum Bergbau des Schaumburger Landes Drucken E-Mail
Dienstag, 26. Oktober 2004

Das Mindener Wealdensteinkohlerevier


Auch im südlichen und östlichen Umfeld von Minden treten ehemals abbauwürdige Steinkohleflöze der Wealdenzeit auf, die Jahrhunderte lang Gegenstand eines florierenden Bergbaugewerbes waren. Hierbei fand die Kohlegewinnung beiderseits der Weser statt, wobei der Schwerpunkt der Abbautätigkeit mal auf dem westlichen, mal auf dem östlichen Weserufer lag. Im Unterschied zum Schaumburger Revier handelte es sich bei den dortigen Kohlebergwerken fast ausschließlich um Schächte, da das Gelände relativ flach ist und die Steinkohlenflöze mit etwa 25 Grad deutlich  steiler nach Norden einfallen als in Schaumburg.
 

Die Steinkohlevorkommen in der Umgebung von Minden wurden im Zuge militärischer Schanzarbeiten bei Bölhorst unter dem schwedischen General Steenbock während des dreissigjährigen Krieges entdeckt (RÖHRS 1992). Die Kohle wurde zunächst in flachen "Kohlgruben" gewonnen und erst im Jahre 1743 gründete sich eine Gewerkschaft, die den Abbau der Lagerstätte systematisch anging. In der Folgezeit wurden in der Nachbarschaft zahlreiche Schächte abgeteuft, die für die damalige Zeit einen überraschend großen Querschnitt aufwiesen.

Bereits 1784 hatte der Bergbau hier eine Tiefe von über 100 Metern erreicht, zu einem Zeitpunkt also, in dem im östlich benachbarten und an sich bedeutenderen Schaumburger Revier die durch- schnittliche Schachttiefe erst etwa 50 m betrug. Auch in anderen Revieren bewegte sich der Kohlebergbau in jenen Zeiten noch in oberflächennahen Regionen, sodaß der Minden - Bölhorster Bergbau um 1800 mit zu den tiefsten Steinkohlenbergwerken des Deutschen Reiches zählte.

Abbildung: Querprofil in Nord - Südrichtung durch das Steinkohlerevier Böhlhorst im
Niveau des Schachtes Bölhorst (aus: ROEHRS 1992)

In dem sanft nach Norden abfallenden, ziemlich flachen Gelände liessen sich keine tiefen Entwässerungsstollen anlegen Um der zunehmenden Wasserprobleme dennoch Herr zu werden, wurde ab 1799 der zunächst 163 m tiefe Feuermaschinenschacht niedergebracht, der später den heutigen Namen Schacht Bölhorst bekam. Seinen eigenwilligen früheren Namen verdankt der Schacht den durch eine Feuermaschine = Dampfmaschine angetriebenen Pumpenkünsten. Auch die Kohleförderung wurde durch diese Dampfmaschine bewerkstelligt, womit das Bölhorster Kohlenbergwerk zum Pionier dieser Technik im deutschen Steinkohlebergbau wurde. Die neue Technik erwies sich jedoch als sehr reparaturanfällig, sodaß der Schacht letzthin absoff und von 1812 an nurmehr ein geringfügiger Nachlesebergbau auf den oberen Abbausohlen stattfand.

Ab 1820 begann man nach erfolgreichen Versuchsbohrungen mit dem Abbau von Steinkohle auf dem östlichen Weserufer in der Zeche "Preussische Clus" bei Meissen. Dieser Bergbau erwies sich als wenig rentabel und währte mit Unterbrechungen zunächst bis 1847.

Im selben Jahr erfolgte ein neuerlicher Bergbauversuch in Bölhorst, wofür die neuen Schachtanlagen Aurora und Laura mit jeweils 60 m Teufe erbaut wurden. Den Schacht Laura verlängerte man unterhalb dieser Tiefe als tonnlägige Strecke im Flözverlauf, sodaß er letzthin eine Länge (nicht Tiefe !) von 350 m erreichte. Auch der der frühere Feuermaschinenschacht wurde als Schacht Bölhorst wieder in Betrieb genommen, erweitert und vertieft, 1855 mit einer neuen Dampfmaschine ausgerüstet und forthin als 270 m tiefer Hauptförderschacht genutzt.

Der Betrieb der "Vereinigten Zechen Laura und Bölhorst" währte bis 1886, als die Grube wegen mangelnder Kohlevorräte stillgelegt wurde. Damit endete der Steinkohlebergbau auf dem westlichen Weserufer endgültig. Bereits vorher hatte man jedoch ab 1876 einen erneuten Ausbau der östlich der Weser gelegenen Grube "Preussische Clus" in Angriff genommen. Hier wurde von 1876 bis 1878 der Schacht Meissen mit 190 m Tiefe abgeteuft. Die weitere Entwicklung des Bergbaus in diesem Revierteil verlief trotz Kriegseinwirkungen recht zufriedenstellend.

 

Abbildung 2: Der Steinkohlenschacht Meissen auf dem östlichen Weserufer um 1900: das Bild weist im
Schachtbereich (Pfeil ) leider nur einen geringen Farbkontrast auf
 

1924 übernahm die ILSEDER HÜTTE AG die Schachtanlage Meissen und teufte in der Folgezeit 800 m weiter nördlich den neuen Schacht Notthorn ab, der eine Tiefe von zunächst 420, später von 480 m erreichte. Das Schachtabteufen erfolgte dabei mit einem imposanten hölzernen Abteufgerüst, von dem bei Archivrecherchen das folgende Bild aus der Werkszeitschrift der Ilseder Hütte gefunden werden konnte

Abbildung 3: Das hölzerne Abteufgerüst des neuen Schachtes Notthorn im Jahre 1928
 

Im östlichen Feld teufte man 1940/41 schließlich noch den 120 m tiefen Förderschacht Röcke ab und verband diesen über Sohlstrecken mit den beiden anderen Schachtanlagen.

In den letzten Betriebsjahren arbeitete die Meissener Steinkohlenzeche mit Verlust, da die Flöze im Vergleich zu anderen Kohlerevieren nur sehr geringmächtig waren und der Abbau daher schlecht zu mechanisieren war. So wurde auch dieses Bergwerk als Opfer des Mitte der 50er Jahre einsetzenden Strukturwandels im November 1958 stillgelegt, nachdem kurz zuvor noch eine 11.te Tiefbausohle in über 500 m Teufe aufgefahren worden war.

Eine Zusammenstellung der wichtigsten im Raum Minden abgeteuften Steinkohlenschächte kann der folgenden Übersichtstabelle entnommen werden.

Bezeichnung : Name : Lage : Teufe : Maße (m) : Baujahr : Schachtnutzung :
             
Kohlenschächte
         
Minden : Schacht Bölhorst  Wohngebiet Bölhorst 272 m  5 x 5,50 ~ 1800 Hauptförderschacht
  Schacht Glück Auf Wohngebiet Böllhorst 133/174 m 5,4 x 5,5 1800 Förderschacht
  Schacht Laura Zollern 60 m  3 x 4 1847 Förderschacht
             
Kohlenschächte            
Meissen : Schacht Meissen N Meissen 189,5 m 3 x 4 1876/78 Förderschacht
  Schacht Notthorn Notthorn - Grillestr. 420/480 m rund : 4,5 1927/30 Förder / Wetterschacht
  Schacht Röcke Röcke - Sandfurtstr. 125 m rund : 7 1938 Förderschacht
             







Schachtliste des Mindener Steinkohlerevieres 

Ein interessantes "Nachspiel" war den beiden Schächten Bölhorst und Laura auf dem westlichen Weserufer beschieden. Seit den frühesten Betriebszeiten wurden hier Zuflüsse heilkräftiger Salzsolen in den Grubenbauen beobachtet, die "zum Baden mit gutem Erfolg gebraucht" wurden. So erwarb der Eisenbahn - Mechaniker SCHNEIDER 1888 - also zwei Jahre nach Stillegung - den ehemaligen Schacht Laura bei Zollern und richtete hier einen Badebetrieb mit Sole - Grubenwasser ein. In ganz ähnlicher Weise wurde bereits 1876 der benachbarte Schacht Bölhorst zur Einrichtung des "Hermanns - Solbades" genutzt. 1893 kaufte Gastwirt BEHRENS den Schacht Bölhorst und legte eine Soleleitung bis zur Gastwirtschaft Tivoli, dem heutigen Hotel Bad Minden (MICHEL 1980). Während die weitere Entwicklung des Badebetriebes Laura sich im Dunkel der Geschichte verliert, ist das Solbad Minden auch heute noch in Betrieb und über die Jahre zu einer beachtlichen Kureinrichtung herangewachsen. Nach wie vor wird dabei die Sole aus dem auch heute noch bis etwa 40 m Teufe offenstehenden Schacht Bölhorst bezogen. 



Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 10. Oktober 2006 )
 
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