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Das Liethstollenrevier bei Obernkirchen
Der Steinkohlebergbau im Raum Obernkirchen begann sehr früh und gehört zu den ältesten Gewinnungsstätten der Steinkohle in Deutschland überhaupt. Im Gegensatz dazu begann der Kohlebergbau im Liethbachtal bei Obernkirchen selbst erst ab etwa 1900. Dieser überraschend späte Beginn des Bergbaus begründet sich offensichtlich darin, das vorher abgeteufte Kohleversuchsschächte im Gebiet des Liethbachtales stets nur ungünstige Ergebnisse erbrachten.
So wurde 1899 mit der Auffahrung des Liethstollen begonnen, der zunächst der geologisch - bergmännischen Erkundung des vierten Flözes diente. Als dieses unbauwürdig angetroffen wurde, wurde die Konzeption des Liethstollens völlig verändert und dieser als Förderstollen für die weiter südlich noch anstehenden Steinkohlevorkommen des 3. Flözes eingerichet. Zu diesem Zweck wurde er weiter verlängert und erreichte im Jahr 1912 bis zum Liethschacht IV eine Gesamtlänge von über 2300 m.
Nachdem sich herausstellt hatte, das entgegen den früheren Annahmen die Bauwürdigkeit des Flözes 3 mit 0,7 m Mächtigkeit in diesem Gebiet durchaus weiträumig gegeben war, wurden in den folgenden Jahrzehnten weitere Stollen vorgetrieben, die bisher stehengebliebene Kohlerestpfeiler hereingewannen. Hierzu gehörten in den Jahren der Kohlenot nach dem zweiten Weltkrieg die Neuanlagen Wehewegstollen und Röser Heide Stollen I und II. Der Kohlebergbau im Liethbachtal ist somit im wesentlichen ein sehr junger Bergbau, der erst in den letzten Jahrzehnten vor der Einstellung des gesamten Schaumburger Kohlebergbaus Anfang der 60er Jahre seine eigentliche Blütezeit erreichte. Im Folgenden sollen einige der im Liethtal aufgefahrenen Stollenanlagen näher beschrieben werden.
Der Liethstollen
Mit dem seit 1899 aufgefahrenen Liethstollen als Hauptförderstollen des gesamten Obernkirchener Steinkohlerevieres wurde ein Großteil des unter den westlichen Bückebergen vorhandenen Hauptkohleflözes 3 erschlossen und abgebaut. Hierzu wurde von dem nur mit relativ schwacher Steigung vorgetriebenen Liethstollen aus drei Bremsschächte im Stollenverlauf (Liethschacht I ,III und IV ) nach Übertage hochgebrochen und das nur wenige Meter unter der Erdoberfläche befindliche Flöz 3 über Bremsberge abgebaut.
Die Nutzungsrechte am Liethstollen wurden nach seiner Stillegung 1960 der Stadt Obernkirchen übergeben, die seither im Liethschacht III in einer Wassergewinnungsanlage in etwa 30 m Schachttiefe Trinkwasser von guter Qualität gewinnt. Die noch aus der Kohlebergbauzeit stammende Schachtinstallation mit der Fahrleiter zur Wasserfassung wurde erst vor wenigen Jahren durch ein Spezialunternehmen für Untertageerkundung saniert. Das in einer Ringfassung gesammelte Wasser gelangt über eine Falleitung auf das Liethstollenniveau, von wo es über etwa 1000 m Stollenstrecke Richtung Mundloch fließt, um hier über eine Steigleitung in den noch zu beschreibenden Wasserstollen zu gelangen.
Heute ist der Liethstollen noch auf 1320 m begehbar, wo sich der besagte, etwa 80 m tiefe Liethschacht III befindet, der reichlich Tropfwasser führt. Der weitere Stollenverlauf ist halbhoch abgemauert, aber grundsätzlich noch zugänglich, obwohl bei einer Befahrung wegen der Verfüllung des weiter südlich liegenden Liethschachtes IV mit erheblichen Wetterproblemen zu rechnen ist.
Der fast zur Gänze in Ziegelmauerung gehaltene Liethstollen befindet sich derzeit in einem baulich schlechten Zustand, wobei stellenweise insbesondere Druckschäden in der Ziegelmauerung zu beobachten sind. Falls hier nichts getan wird, ist in wenigen Jahren mit einem Zubruchgehen dieses bedeutenden Stollenbauwerkes zu rechnen.
Der Wasserstollen
Etwa 150 m nordöstlich des auch heute noch architektonisch imposanten Mundloches des Liethstollens liegt an der Oberkante der ehemaligen Ziegeltongrube Röser Heide der sogenannte Wasserstollen. Laut dem Abbauplänen handelte es sich dabei ursprünglich ebenfalls um einen Kohleförderstollen, der anscheinend um einige Jahre älter als der Liethstollen ist, da er einen Flözbereich unterhalb des späteren Liethschachtes 1 abbaute. Nach Stillegung der Förderung wurde er 1923 in einen Wassergewinnungsstollen umgebaut und zu diesem Zweck in seinem vorderen Teil vollständig ausgemauert. Seit Stillegung des Liethstollens wird das dort im Liethschacht III gewonnene Wasser über eine Rohrleitung in den Wasserstollen geleitet, der somit bis heute praktisch als unterirdisches Trinkwasserreservoir und Hochspeicher für die Trinkwasserversorgung von Obernkirchen dient.
Der Lieth - Bremsberg
Ebenfalls zum Liethstollensystem gehört der südlich des Liethstollens auf 176 m über NN gelegene Lieth - Bremsberg, der in südöstlicher Richtung aufgefahren wurde. Auch dieser Stollen diente zunächst zur Kohlegewinnung, daneben wurde er aber auch zur zentralen Abförderung der Berge / Abraummassen aus dem Liethstollensystem genutzt, wodurch sich die heute als Golfbahn genutzte große Halde vor dem Stollen erklärt (wohingegen die Halde des Liethstollens selbst verhältnismässig klein erscheint).
Das Mundloch des Lieth - Bremsberges ist heute verschüttet und eingegrünt, allerdings tritt nach wie vor klares Wasser über eine Röhre aus dem Stollen aus und wird weiter Richtung Liethbach abgeleitet.
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