|
Seite 6 von 7
Die Georgschächte bei Stadthagen
Als neuer Zentralschacht für den östlichen Bereich des Schaumburger Wealdensteinkohlereviers wurde von 1899 - 1902 zum Aufschluss der G - Sohle der 251 m tiefe Schacht GO 1 abgeteuft, welcher wenig später nach dem damaligen Schaumburger Landesfürsten in Georgschacht umbenannt wurde. Der neue Schacht traf das Kohleflöz in 250 m Tiefe mit einer Mächtigkeit von 0,5 m an und wurde hier mit einem großzügig dimensionierten Füllort ausgestattet. Vom Füllort des Schachtes aus wurde die G - Sohle 8500 m nach Westen und 3000 m nach Osten bis an die Bauwürdigkeitsgrenze des Kohlenflözes aufgefahren. Einen Eindruck von der Auffahrarbeit der Förderstrecken mit deutlich erkennbaren Kohleflöz gibt die folgende Abbildung.
Der Georgschacht I wurde als Rundschacht mit einen lichten Durchmesser von 5 m abgeteuft. Übertage wurde zeitgleich mit dem Abteufen mit dem Aufbau einer großzügigen und architektonisch sehr eindrucksvollen Zechenanlage begonnen, die neben den eigentlichen Bergwerksgebäuden auch eine Kohlenaufbereitung und eine neue Kokereianlage umfasste. In den Jahren 1925 - 1928 teufte man etwa 60 Meter südlich des Georgschachtes I einen weiteren Förderschacht ab, der neben einer Erweiterung der Förderung von der G - Sohle insbesondere dem Aufschluss der H - Sohle etwa 900 m weiter nördlich diente. Hierfür wurde in 352 m Tiefe ein Querschlag in nördlicher Richtung aufgefahren, der durch das Liegende der Wealdenschichten - hier Mergelkalke und Anhydrit des Münder Mergels - hindurch getrieben wurde. Der Georgschacht II verfügte bei einer Gesamtteufe von 372 m über einen runden Querschnitt mit einem Durchmesser von 4,5 m.
Die Georgschächte bei Stadthagen um 1930 (Quelle : Archiv KNICKREHM, Obernkirchen)
Die folgende Abbildung, die dankenswerterweise von Herrn KNICKREHM / Obernkirchen zur Verfügung gestellt wurde, zeigt dasGebäudeensemble der Georgschächte um 1930. Inzwischen wurde der Georgschacht II fertiggestellt und verfügt nunmehr über ein eisernes Fördergerüst, das sich aus dem darunter liegenden Schachtgebäude erhebt. Rechts daneben erkennt man fünf nebeneinanderliegende Gebäude, bei denen es sich um den heute noch vorhandenen und erst unlängst teilsanierten Gebäudetrakt der Grubenwerkstätten und der Grubenschmiede handelt. Hinter diesen erkennt man den gleichfalls noch erhaltenen Wasserturm sowie einen heute nicht mehr vorhandenen hölzernen Kühlturm. Im Vordergrund des Bildes schließlich sieht man große Mengen an Rundhölzern für den untertägigen Streckenausbau liegen. Die aus den beiden Schächten geförderte Kohle wurde in der Kohlenwäsche am linken Bildrand aufbereitet, die Waschberge über die ganz links erkennbare Bandbrücke auf die heute als Erddeponie genutzte Bergehalde befördert.
Nach der Stillegung 1961 wurden die meisten Gebäude der Doppelschachtanlage und der Kokerei abgerissen, einige blieben jedoch ungenutzt stehen und verfielen im Laufe der Jahrzehnte. So stellt sich das Georgschachtgelände heute in einem ziemlich trostlosen und ungepflegten Zustand dar. Insbesondere der kaum mehr aufzuhaltende Zerfall der gewiß erhaltenswerten "Kohlenkirche" stimmt dabei traurig. Lediglich der auf der obigen Abbildung im Vordergrund sichtbare Werkstättentrakt wurde in den letzten Jahren wieder in Stand gesetzt. Die Anlage Georgschacht selbst wurde in mehrere Parzellen aufgeteilt, die von mehreren Industriefirmen genutzt werden.
|