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Materialien zur Geologie und zum Bergbau des Schaumburger Landes Drucken E-Mail
Dienstag, 26. Oktober 2004

Eisenerzbergbau im Weser- und Wiehengebirge

Der Eisenerzbergbau im Weser- und Wiehengebirge gehört zu den bedeutendsten Anlagen seiner Art in Deutschland, auch wenn er stets im Schatten anderer großer Eisenerzreviere wie Salzgitter oder dem Siegerland stand. Trotzdem kann er zwei Rekorde für sich verbuchen : zum einen war mit der auf 2 Millionen Tonnen Jahresförderung hin dimensionierten Grube Porta seinerzeit die größte Eisenerzgrube Deutschlands geplant, zum anderen ist die auf dem östlichen Weserufer bei Nammen betriebene Grube "Wohlverwahrt - Nammen" die letzte noch fördernde Erzgrube der Bundesrepublik Deutschland !

 

Eisenerzbergbau im Wiehengebirge westlich der Weser :

Im Gegensatz zu dem im Umfeld schon sehr frühzeitig einsetzenden Steinkohlebergbau ist der Abbau von Eisenerzen im Wesergebirge und Wiehengebirge ein weitaus jüngerer Wirtschaftszweig, der im wesentlichen erst um die letzte Jahrhundertwende in Schwung kam. Zuvor warem schon ab 1857 durch die "Porta Westfalica Actiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb" verschiedene kleinere Erzgruben in Betrieb gewesen, so die Grube Georg am Wittekindsberg und weitere kleinere Stollenbetriebe in der weiter westlich gelegenen Wallücke und bei Luttern. 1872 ging die Gesellschaft in Konkurs und der Bergbau wurde vorerst eingestellt (ROEHRS 1992).

Nach einer kürzeren Betriebsperiode durch die GEORGSMARIENHÜTTE / Osnabrück zwischen 1894 - 1917, wo zwei Stollenbetriebe in der Wallücke etwa 0,5 Millionen Tonnen Erz förderten, fanden die Eisenerze westlich der Weser erst um 1935 erneut in der Rohstoffpolitik des beginnenden Nationalsozialismus Beachtung. Nach mehreren Gutachten und zahlreichen Erkundungsbohrungen stand fest, das hier eine grössere zusammenhängende Erzlagerstätte existierte, die den Aufbau eines Großbergwerkes im Stile der Salzgitterer Bergwerke rechtfertigte. Nachdem zunächst mehrere Stollen vorgetrieben wurden, um die flözartige Erzlagerstätte auf 5 km streichender Länge zu erschliessen, wurde 1937 die Gewerkschaft Porta gegründet. Diese begann mit dem großzügigen Ausbau der Tagesanlagen bei Dützen, die auf eine Jahresförderung von 2 Millionen Tonnen Erz hin konzipiert wurden. Zeitgleich begann man mit dem Abteufen des Peckeloh - Schachtes auf dem Gelände der heutigen POTTS Park Freizeitanlage, der bei einer Teufe von 317 m und einem lichten Durchmesser von 6,8 m der Hauptförderschacht des Großbergwerkes werden sollte.

Am 2. August 1940 traf man beim auffahren der 2. Tiefbausohle in 281 m Teufe auf erhebliche Wassermassen, die mit 50 - 6O cbm pro Minute hereinbrachen und den Schacht rasch absaufen liessen. Vergeblich versuchte man den Schacht zu sümpfen. So mußte man sich in der Folgezeit mit den Abbau oberhalb der bereits vorhandenen Stollensohle mit deutlich zurückgeschraubter Jahresproduktion begnügen. Trotz Kriegs- und Nachkriegseinwirkungen wurde der Betrieb der Erzgrube Porta aufrecht erhalten und währte bis 1962, wobei im Gesamtzeitraum insgesamt etwa 5,5 Millionen Tonnen Erz durch die Stollenbetriebe gefördert wurden. Im Anschluss an die Erzförderung baute man bis zum 31.März 1967 noch Kalkstein im Untertagebetrieb ab, bevor die Grube endgültig stillgelegt wurde (ROEHRS 1992). Im Rahmen der Stillegungsmaánahmen wurde 1964 auch der bis dahin offenstehende Peckeloh - Schacht mit feinkörnigem Material verfüllt.
 

Eisenerzbergbau im Wesergebirge östlich der Weser :

Östlich der Porta Westfalica treten im Korallenoolith mehrere eisenoolithreiche Flöze auf, die seit 1835 Gegenstand von Untersuchungsarbeiten waren und seit 1881 systematisch abgebaut wurden. Zunächst ging die Grube Victoria bei Lerbeck in Betrieb, die hier im Stollenbetrieb zwischen 1881 und 1898 das mit über 40 % recht hochwertige Victoriaflöz abbaute. 1902 endete dieser Betrieb, nachdem in dieser Grube zuletzt noch das zwar bedeutend mächtigere, jedoch deutlich Eisenärmere Klippenflöz versuchsweise abgebaut wurde.

Fast zeitgleich, nämlich 1883, erschloss die Gewerkschaft Wohlverwahrt die gleichnamige Grube bei Kleinenbremen. Aus dieser entwickelte sich ein kontinuierlich gedeihender Betrieb, wobei die Förderung über eine zuletzt mehr als 2000 m lange, flach einfallende Förderstrecke erfolgte. Abgebaut wurde hier das etwa 2 Meter mächtige Wohlverwahrtflöz mit einem durchschnittlichen Eisengehalt von 28 %.

1938 wurden nach einer ausgedehnten Explorationskampagne auch der mittlere Teil des Revieres mit dem eisenarmen Klippenfloz erschlossen. Hierzu wurde bei der Ortschaft Nammen die Stollengrube Nammen in Betrieb genommen, die bereits 1940 eine Förderung von etwa 200.000 Tonnen Erz erreichte.

Da sich der Abbau der Grube Nammen ständig nach Osten ausweitete, die Förderung der Grube Wohlverwahrt sich hingegen nach Westen entwickelte, mußten beide Bergwerke bei fortdauernden Betrieb zwangsläufig zusammenwachsen. Dies geschah 1952 und führte zur Gründung des Verbundbergwerkes "WOHLVERWAHRT - NAMMEN", das bis in die Gegenwart von der Firma BARBARA - ROHSTOFFBETRIEBE GmbH wirtschaftlich erfolgreich betrieben wird. Seitdem die norddeutschen Httenbetriebe seit Anfang der 90er Jahre das Interesse an dem im Grubenbetrieb geförderten eisenreichen Zuschlagstoffen verloren, wurde von der Firma mit der Lieferung von roten "Farberzen" als Betonzuschlagstoff ein ganz neues Marktsegment erschlossen, das den Fortbestand des Bergwerkbetriebes für die absehbare Zukunft sichert.

Ein Teil des Verbundbergwerkes "WOHLVERWAHRT - NAMMEN" steht heute als Besucherbergwerk Kleinenbremen mit angeschlossenem Bergbaumuseum für Besichtigungen zur Verfügung. Eine Befahrung dieses Bergwerkes mit ihren teilweise wassererfüllten Weitungsbauen und der Einfahrt mit Grubenbahn ist sehr zu empfehlen.
 
 

Literatur :

ROEHRS (1992) : Erz und Kohle - Bergbau und Eisenhütten zwischen Weser und Ems                  Ibbenbürener Vereinsdruckerei 1992

SLOTTA (1986) : Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland : 5/1 - Der Eisenerzbergbau
                             herausgegeben vom Deutschen Bergbau Museum Bochum 1986

 



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