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3. Exkursionspunkte und geologische Wanderungen auf Lanzarote :
3.1 Straußeneier bei Orzola :
Der Hafenort Orzola im Norden Lanzarotes ist Fährhafen nach der Nachbarinsel Graciosa. Mit viel Glück gelingt es, von hier aus auch eine Überfahrt zu der unter Naturschutz stehenden Insel Alegranza zu organisieren. Orzola bietet neben dem Flair einer winzigen Hafenstadt eine wilde, von den steilen Felsklippen der Famara - Plateaubasalte überragte Küstenlandschaft sowie mehrere empfehlenswerte Fischrestaurants. In der geologischen Fachliteratur bekannt geworden ist dieser Ort durch die hier in teilweise gefritteten, roten Paläobäden/Basaltzwischenschichten verhältnismässig häufig auftretenden Straußeneierschalen. Diese Vorkommen wurden bereits von verschiedenen Forschern untersucht und beschrieben, so von ROTHE (1964). Das Vorkommen von Straußeneierschalen - also den Eierschalen flugunfähiger Laufvögel - auf Lanzarote regt die geologische Phantasie an und diente verschiedentlich als Beweis für eine heute versunkene Landverbindung der östlichen Kanaren mit Afrika.
Tatsächlich erscheint eine solche frühere Landverbindung nach Afrika auch in Hinblick auf die heute wie abgebrochen erscheinenden mächtigen lanzarotenischen Flutbasaltpakete durchaus plausibel. Hierfür sprechen auch botanische Überlegungen, da die den Kanaren eigene Flora, u.a. der charakteristische kanarische Drachenbaum Draco dracaena, auch in einem schmalen Küstenstreifen auf dem angrenzenden afrikanischen Kontinent vorkommt. Wie immer nun auch die Argumente für und wider eine afrikanische Verbindung Lanzarotes lauten, so liegt in den Basaltzwischenschichten Orzolas eine bedeutende tertiäre Fossilfundstelle, an der auch heute noch mit einigem Glück guterhaltene Straußeneierschalen, bzw. deren glänzende Bruchstücke aufgesammelt werden können.
Detailkarte der Exkursionspunkte im Norden von Lanzarote
3.2. Exkursionen entlang dem Risco de Famara :
Der Risco de Famara, d.h. der Kamm des auf fast 700 m Hähe ansteigenden Famaragebirges stellt wohl die schönste, in jedem Fall aber die beeindruckendste Wanderregion Lanzarotes dar. Als Ausgangspunkt für die nachfolgend beschriebenen Exkursionen 1 bis 3 bietet sich Haria an : ein in einem Palmenhain liegender, vom Tourismus noch recht unverfälschter Höhenort. Mit etwas Glück ist es hier auch möglich, eine private Unterkunft zu finden. Man fragt am besten in den örtlichen Restaurants nach. Die Wanderung 4 sollte man von dem am Meer liegenden Orten Caleta oder Urbanicacion Famara aus starten.
Blick auf das "Palmental" von Haria mit dem Stratovulkan
Monte Corona links im Hintergrund sowie mit Lapillituff
("Picon") bestreuten schwarzen Anbauflächen im Vordergrund
Exkursion 1 : zu den Salinas del Rio und den fossilen Lavafällen am Risco de Famara
Von Haria aus nimmt man den Bus oder das Taxi nach Ye, einem kleinen Ort am Fuße des den Inselnorden beherrschenden Stratovulkans Montana Corona. Unterwegs kommt man in Maguez an mehreren Tuffgruben vorbei. Hier wird, wie an vielen anderen Orten der Insel, der schwarze Lapillituff abgebaut, der als Picon wesentlicher Bestandteil der lanzarotenischen Landwirtschaft ist (vgl. Abschnitt 3.7).
In Ye angekommen, dem letzten Ort auf dieser Wanderung, wo es verlässlich Trinkwasser gibt (!), erkundigt man sich nach dem Risco - Abstieg oder folgt der Überlandleitung in Richtung Meer. Diese endet an einem weithin sichtbaren weißen Transformatorenhaus am Strand, von wo aus das Stromkabel untermeerisch nach Graciosa verläuft. Ebenfalls weithin sichtbar ist ein deutlich rosafarbenes Bassin - der Restlaugenteich der ehemaligen Salinas del Rio. Über viele Serpentinen führt der stellenweise etwas schwierige (Vorsicht : viele lose Gerölle !) Weg nach unten. Hierbei fällt auf, daá sich der Pfad durch erstarrte Stricklava hindurchwindet. Diese Lavaform ist nun ganz ungewähnlich für die Plateaubasalte, in deren Bereich man sich gerade befindet. Was ist hier geschehen ?
Wendet man den Blick noch vor dem Abstieg zurück, so erkennt man den oben erwähnten Coronavulkan in etwa zwei Kilometern Entfernung. Er war, wie bereits erwähnt, zusammen mit verschiedenen Parasitärkrateern vor einigen Jahrtausenden aktiv und schüttete seine Lavamassen insbesondere in östlicher Richtung . Zwei kleinere Lavaströme flossen jedoch nach Westen durch die Täler von Guinate und von Ye ab bis zum Rand des Risco - Steilhanges. Hier stürzten sie in einem seinerzeit gewiß spektakulären Lavafall vierhundert Meter in die Tiefe und bildeten einen breiten Streifen Neulandes an der Küste. Dieses schwarzgebrannte Neuland hebt sich noch heute deutlich von den umliegenden Küstenstreifen ab. Auch die Lavafälle selbst sind noch erhalten. Sowohl bei Guinate als auch bei unserem Abstieg in Ye finden wir die knäuelig - verworrenen Stricklaven als erstarrte Zeugen der damaligen Lavafälle.
Unten angekommen, wenden wir uns nach Norden und erreichen nach einer guten halben Stunde Fußweg die ruinösen Überreste der ehemaligen Saline. Im Gegensatz zu den meisten anderen Inselsalinen (vgl. Abschnitt 3.5) hat man hier auf aufwendige Beckenbauten verzichtet. Größere Baureste findet man daher nicht, wohl aber einen schön rosa gefärbten großen Laugenteich. Die Färbung selbst verdankt der Teich den im hochsalinaren Wasser gut gedeihenden Rotalgen. Der ganze Boden dieser Salzlagune ist mit schönen, bis 4 cm großen Steinsalzwürfeln in hübsch verwachsenen Aggregaten bedeckt. Eigentümliche Skelettbildungen, bei denen fast nur die Kantenflächen ausgebildet sind, sind an den Kristallen häufig zu beobachten. Schöne, teilweise zart rosa gefärbte Stufen in nahezu beliebiger Größe können hier leicht gesammelt werden.
Blick vom Famarasteilhang auf die rotgefärbten Salinenbecken der
"Salinas del Rio" mit Graciosa und Nachbarinseln im Hintergrund
In der Nähe soll es auch Süßwasserquellen (Fuente de Gusa) mit Kalktuffbildungen auf Basalt geben, jedoch wurde die betreffende Lokalität nicht selbst besucht. Lohnenswert ist jedoch auf dem Rückweg ein Abstecher zu dem wenig südlich gelegenen Lavafall von Guinate, der von unten betrachtet wie ein erstarrter Wasserfall aussieht. Für den anschließenden anstrengenden Aufstieg rechne man eine gute Stunde ein.
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