|
Seite 3 von 11
Exkursion 2 : Durch die tertiären Flutbasalte und quartären Schotter am Famarawesthang
Die wohl unbestritten spektakulärste Wanderung Lanzarotes verläuft auf dem alten Versorgungsweg zu den Rio - Salinen, der sich durch den westlichen Famarasteilhang von Caleta bis zu eben diesen Salinen zieht. Man erreicht ihn, indem man dem in Wanderung 1 beschriebenen Serpentinenweg bei Ye absteigt und sich unten nach Süden wendet. Nach Passieren des oben erwähnten fossilen Lavafalls unterhalb Guinates schraubt sich der Weg allmählich in die Höhe, um dann etwa 300 m oberhalb des Meeres entlang- zulaufen.
Der alte Versorgungsweg zur Rio - Saline am Famarasteilhang, im Hintergrund der Vulkan Montana Amarilla auf Graciosa
Dieser Weg wird in manchen Reiseführern als "extremes Trecking" bezeichnet, der "nur noch für geübte Kletterer und Gruppen am Seil" möglich sei. Derartig widrige Verhältnisse konnte der Autor und seine Frau bei ihrem Besuch 1994 aber nicht vorfinden; der Weg ist, obwohl teilweise verfallen, ohne besondere Ausrüstung für jeden geübten Wanderer nach wie vor passierbar. Als störend wurde lediglich das ohrenbetäubende Geschrei der Möven sowie die gelegentlich anzutreffenden Esel- und Ziegengerippe empfunden. Dafür offenbart sich dem Wanderer ein wahrhaft grandioser Ausblick auf das Meer und die Nachbarinsel Graciosa mit dem von hier besonders gut einsehbaren, auffällig gelb gefärbten Montana Amarilla. Auch die durch tief eingeschnittene Erosionsrunsen gegliederten Schutthalden am Fuße des Famara - Steilhanges mit ihrem groben Blockschutt tragen zur Unvergeßlichkeit dieser Wanderung bei.
Das geologische Profil dieses Weges erschließt eine Wechselfolge dickbankiger Basaltlagen und dazwischen geschalteter, oft rot gebrannter Tuffhorizonte - d.h. es bietet sich das Gesamtbild eines hervorragend aufgeschlossenen Flutbasaltpaketes "zum Anfassen". Die Hohlräume der Tuffite sind oft durch weiß bis gelb gefärbte Calcitrasen erfüllt. Hbsche Kleinstufen können hier in großer Anzahl geborgen werden. Bei genauerer Durchmusterung dieses Profiles sollte es möglich sein, den bei Orzola aufgeschlossenen Straußeneierhorizont auch hier nachzuweisen. Stellenweise finden sich in den Basalt eingeschaltete größere rotgelbe Tuffmassen, die von schwarzen Basaltgängen durchschlagen werden. Diese ergeben im Sonnenlicht sehr fotogene Geomotive.
Etwa 2 Kilometer vor der Urbanizacion Famara mündet der Weg wieder in eine befahrbare Strasse ein. Bald erreicht man hier ein betoniertes Wasserreservoir und ein Stollenmundloch hinter einem kleinen Wohnhaus. Dieser gehört zu dem System der heute weitgehend stillgelegten Wasserversorgungsstollen im Famaragebirge (vgl. Wanderung 4). Wenige hundert Meter weiter erreicht man dann die Urbanizacion Famara und damit wieder die "Zivilisation". Wandert man an dem Strand mit den Überresten eines vor mehreren Jahren gesunkenen Zementfrachters weiter nach Caleta, so bieten sich hier mehrere rustikale Lokale zur Einkehr an.
Die gesamte Wanderung dauert von Ye bis Caleta bei etwa 15 Kilometern Gesamtweglänge mindestens 5 Stunden, Aufenthalte und Pausen nicht eingerechnet. In jedem Fall sollte Wasser und Verpflegung und eventuell ein Handy mitgenommen werden, da der Weg offensichtlich selten begangen wird.
Exkursion 3 : Von Haria zur Ermita de las Nieves
Eine weitere lohnende Tageswanderung mit Ausgangspunkt Haria führt zur einsam gelegenen Einsiedelei Ermita de los Nieves. Von Haria aus führt der Weg zunächst Richtung Westen durch das Tal Barranco de Fenesia aufwärts. Der gut ausgebaute Weg endet am Steilabhang des Risco de Famara, das an dieser Stelle etwa 400 m zum Meer hin abfällt. Von dieser Stelle aus hat man südwärts einen ausgezeichneten Blick auf die Bucht von Caleta mit zahlreichen schaumgekränten Klippen und nordwärts nach Graciosa mit dem farbenprächtigen, wie aufgeschnitten wirkenden Montana Amarilla. Von hier aus soll es angeblich einen gangbaren Weg nach unten auf die alte Salinen - Versorgungsstrasse in den Klippen (vgl. Wanderung 2) geben. Der Autor möchte dies jedoch bezweifeln und von einem Abstiegsversuch ohne entsprechende bergsteigerische Ausrüstung dringend abraten.
Am Nordhang des Montana de Ganada setzt sich der Weg durch Plantagen mit schönem Blick auf die Palmenhaine Harias fort, bis man in der Nähe der Strasse eine steil eingetiefte Schlucht erreicht, den Barranco de Haria. Diese Schlucht, die sich durch reiche endemische Flora auszeichnet, steigt man über schmale Eselspfade steil bergauf bis zum Hochplateau. Hier nun führt der Weg nach Süden an dem mit einer Militärstation bestückten Penas del Cache (mit 671 m Höhe dem höchsten Punkt Lanzarotes) vorbei. Etwa 2 Kilometer weiter erreichen wir die Einsiedelei Ermita de las Nieves mit einer schmucken, weiß getünchten Kirche. An diesem windumtosten und häufig direkt unterhalb der Wolkengrenze liegenden Ort herrscht eine Atmosphäre der Weltabgeschiedenheit wie selten.
Ganz in der Nähe bricht das Felsenmassiv nach Westen steil in das Barranco de la Poceta ab, einem eindrucksvollen tief eingeschnittenen Erosionstal, daá in kühnem Schwung zum Meer hinabführt. An der Kliffkante und wenig tiefer läßt sich gut die Wechsellagerung von massiven Basalten und teilweise frischen, teilweise gefritteten Tufflagen studieren. Auch hier ist das Vorkommen von Straußeneierschalen und anderen Makrofossilien analog den Trappbasalten in Orzola zu vermuten.
Steilabfall der Famaraberge mit deutlich geschichteten Trappbasalten an der "Ermita de los Nieves", klein im Hintergrund der "Montana Amarilla" auf Graciosa
Vorsicht ! : einen Weg ins Tal, so nahe es auch scheinen mag, gibt es von hier oben nicht und ein Abstiegsversuch durch die steilen Hänge und das rollige Gestein kann leicht tödlich enden. Den Rückweg von der entlegenen Einsiedelei kann auf demselbem Weg erfolgen. Eine andere Möglichkeit besteht in dem Abstieg zur ostwärts verlaufenden Strasse von Teguise nach Haria, wo regelmäáig Busse verkehren.
|