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Geologische Streifzüge auf Lanzarote und Graciosa Drucken E-Mail
Mittwoch, 13. Oktober 2004

Wanderung durch das Malpais de la Corona :

Unter Malpais (= schlechtes Land) werden in Lanzarote extrem rauhe Lavalandschaften verstanden, auf denen eine geregelte Landwirtschaft kaum oder gar nicht möglich ist. Scharfkantige Lavablöcke bedecken die Erde und selbst die bloße Begehung dieses Geländes gerät ohne derbes Schuhwerk rasch zur Qual.

Dennoch zeichnet sich der östlich der Straße Ye - Orzola bei dem Weiler Casas la Brena Liegende Landstrich durch eine ganz eigene urwüchsige Atmosphäre auf. Hier wurden von dem Corona - Lavaströmen hausgroße Massen bereits zuvor erstarrter vulkanischer Gesteine mitgeschleppt. Zwischen den einzelnen, oft wie Burgruinen emporragenden Felsenbastionen haben sich verschiedene Inselbewohner Häuser erbaut, sodaß das gesamte Gebiet recht gut durch Wege erschlossen ist. Die vergleichsweise üppige Vegetation mit vielen Feigenbäumen und die pittoresken Felsengebilde lassen eine Wanderung in diesem Gebiet unbedingt lohnend erscheinen. Besonders zur Zeit der Feigenreife hat eine Erkundung dieses Gebietes mit seinen vielen aufgegebenen Gärten auch seinen kulinarischen Reiz.

Exkursionen in das Corona - Höhlensystem :

Während der eruptiven Phase des Coronavulkans vor einigen tausend Jahren strömten mehrfach voluminöse Lavaströme Richtung Osten, um zwischen Arietta und Orzola das Meer zu erreichen. Hier bilden sie heute noch ein mehrere Quadratkilometer umfassendes, sehr eintönig wirkendes Lavafeld mit typischer Aa - Lava Struktur. Während die Lava an der Oberfläche erstarrte, floß die noch flüssige Lava in der Tiefe weiter und hinterliess hierbei gewaltige langgestreckte Höhlensysteme. Durch spätere Deckeneinbrüche, sogenannte Jameos, wurden die ursprünglich allseitig geschlossenen Hohlräume zugänglich. Derartige Lavatunnel sind zwar sehr typisch für rezente und subrezente Vulkangebiete, jedoch stellt das Höhlensystem des Coronavulkans die mit Abstand größte und längste bekannte Höhle dieser Art auf den Kanaren und in Europa dar. Die Höhle erreicht von ihrem Beginn am Coronavulkan bis zum Meeresufer über 6 Kilometer Länge und setzt sich dann noch etwa 1600 m untermeerisch fort ! Das Ende dieses bisher weltweit längsten untermeerischen Lavatunnels wurde erst 1986 durch eine schweizerisch - französisch - belgische Höhlentauchergruppe erreicht.
 
 


Detailplan des unteren Teil des Corona - Höhlensystems mit Jameo - Deckeneinbrüchen
und (in schwarzer Farbe markiert ) touristisch erschlossenen Teilen
 

Die Coronahähle mit ihren verschiedenen Teilstücken stellt eine der wirklich großen touristischen Sehenswürdigkeiten der Insel dar, die seit Ende der 70er Jahre durch den inzwischen verstorbenen lanzarotenischen Stararchitekten Cesar Manrique nachhaltig verändert wurde : Zunächst ist da der architektonisch gestaltete Teil des Höhlensystems Jameos del Agua, direkt in der Lavaeinöde zwischen Arrieta und Orzola oberhalb des Meeres gelegen. Die Meinungen über dieses Bauwerk schwanken je nach Auffassung des Besuchers zwischen "schönster Platz der Welt" und "verschandelter Natur". Hier mag sich jeder seine eigene Meinung bilden...
 
 

"Gestaltete Natur" im Höhlenrestaurant Jameos del Agua

Im Corona - Höhlensystem endemischer Höhlenkrebs
Munidopsis polymorpha in etwa 2 -facher Vergrösserung
 

Bemerkenswert ist aus naturkundlicher Sicht der bereits von Meerwasser beeinflusste Höhlensee mit dem seltenen, nur hier vorkommenden blinden Kleinkrebs Munidopsis polymorpha, der sich durch seine weiße Farbe auf dem schwarzen Basaltuntergrund deutlich abhebt  Das östliche Ende der Höhle wird wiederum von einem See gebildet, oder genauer, von Salzwasser, da hier bereits das Meeresniveau erreicht wird. Von hier aus gingen die erwähnten Tauchvorstöße zur Erkundung des submarinen Fortsetzung der Höhle aus. Richtung Westen verengt sich die Höhle hinter der imposanten Meditationshalle (mit psychedelischer Musikuntermalung !) zu einer kleinen Röhre, von deren weiterer Erkundung man wegen der Enge und Nässe Abstand nehmen sollte.Trotz der intensiven architektonischen Überprägung der Höhle blieb für den geologisch interessierten Besucher genug Ursprünglichkeit bestehen. Außerdem wurde in den Gesamtkomplex der Anlage auch ein durchaus besuchenswertes vulkanologisch- ökologisches Museum und Forschungszentrum integriert, das man nicht versäumen sollte.

Etwa einen Kilometer westlich wurde ein weiterer Abschnitt der Coronahähle touristisch erschlossen. Diese sogenannte "Cueva de los Verdes" (= Grüne Höhle) zeigen eindrucksvoll den geschwungenen, mäanderartigen Verlauf des ehemaligen "Lavahöhlenflusses" sowie zahlreiche kleine Lavastalagtiten. Auch der komplexe, oft mehrstöckige Aufbau einer solchen Lavaröhre läßt sich hier exemplarisch studieren. Schließlich ist die Cueva de los Verdes auch aus kulturhistorischer Sicht von Interesse, da sich in ihr eine unterirdische Siedlung der guanchischen Urbevölkerung nachweisen liess, die als Zufluchtort bei den nicht seltenen Piratenüberfällen angelegt wurde.
 

Eingang zur Cueva de los Verdes durch einen der typischen
Jameo - Einbrüche in der Decke des Lavastromes


Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 28. Oktober 2004 )
 
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