|
Seite 6 von 11
Weit weniger schön ist die anscheinend in spanischen Besucherhählen unverzichtbare farbige Beleuchtung, die die zarten Naturfarben der Höhlenwände nachhaltig verfälscht. Hier empfiehlt sich eine Besichtigung der (1994) grundsätzlich offenstehenden Höhle nach 18 Uhr, wenn sich die Touristenscharen verzogen haben. Bei einer solchen Besichtigung auf eigene Faust sollte man gegeignete Ausrüstung - mindestens zwei Taschenlampen mit frischen Batterien - dabeihaben und die nötige Vorsicht walten lassen, da verschiedene tiefe Schächte und Löcher am Führungsweg nur ungenügend abgesichert sind.
Wer an einer derartigen Höhlenbefahrung "auf eigene Faust" Gefallen gefunden hat und über etwas Höhlenerfahrung verfügt, dem sei eine weitere lohnende Exkursion empfohlen. Folgt man der schmalen Strasse, die von den Jameos de Aguas zu der Cueva de los Verdes führt, weiter nach Westen, so erreicht man nach einigen hundert Meter einen markanten Knick in der Asphaltstrasse. In unmittelbarer Nähe gibt es ein weiteren großen Jameo - Deckeneinbruch mit dem Namen "Jameo de la Puerta Falsa" (vgl. obige Detailkarte), in den man recht bequem herabsteigen kann. Auf beiden Seiten des Einsturzes befinden sich große Höhleneingänge, die sich sowohl nach Osten in Richtung der bereits bekannten Besucherhöhle als auch nach Westen hinziehen. Die teilweise nur geringe Überdeckung mit Lavagestein vermittelt einen guten Eindruck, warum Lavahöhlen meist nur eine vergleichsweise kurzlebige geologische Erscheinung sind. Wendet man sich hier - wiederum mit geeigneter Ausrüstung und am besten nicht alleine - nach Westen, so gelangt man in den "Cueva de las Palomas" genannten Abschnitt der Coronahähle. In diese kann man auf einer Art Pfad mehrere hundert Meter hineinlaufen, wobei der Weg stellenweise recht beschwerlich ist. Entschädigt wird man durch die musterhaft ausgebildeten Lavamäander sowie durch reichlich haarsalzartige, gelbweiße Ausblühungen an den Höhlenwänden, die sich röntgenographisch als Gips erwiesen. Geht man indessen nach Osten, so erreicht man nach Passage einer geophysikalischen Meßstation (nicht berühren !) auf beschwerlichen Weg letzthin wieder den befestigten Führungsweg in der Cueva de los Verdes.
Auf Lanzarote existieren zahlreiche weitere Lavahöhlen, die meist jedoch in unwegsamen Gelände verborgen liegen. Bekannt und berühmt ist die mittlerweile verschlossene Höhle "Cueva de los Naturalistes" bei Masdache. In dieser mehr als 1000 m langen Hähle kamen bis zu 1 m lange Lavastalagtiten vor. Leider nur "kamen", da die Höhle in der Zwischenzeit durch Geo - Vandalen ihres Lavaschmuckes weitgehend beraubt wurde.
3.4 Der Nationalpark Montana del Fuego/Timanfaya :
Kein Lanzaroteurlaub führt an ihm vorbei, dem 1974 eingerichteten "Nationalpark der Feuerberge". Wie eingangs erwähnt, begann hier 1730 eine der längsten bisher überhaupt dokumentierten vulkanischen Eruptionszyklen. Hierzu sei der Anfang des zeitgenössischen Berichtes des Pastors von Yaiza zitiert :
"Am 1. September zwischen 9 und 10 Uhr abends öffnete sich plötz-
lich die Erde in der Nähe des Timanfaya zwei Meilen von Yaiza
entfernt. In der ersten Nacht erhob sich ein riesiger Berg aus
dem Schoß der Erde. Aus der Bergspitze schlugen Flammen, die
neunzehn Tage unaufhörlich loderten".
Dies war der völlig unerwartete Auftakt zu einer sechs Jahre andauernden, ununterbrochenen vulkanischen Tätigkeit, die in ihrer zeitlichen Ausdauer ihresgleichen in Europa sucht. Lediglich auf Island sind in historischer Zeit ähnlich lange Eruptionszyklen zu verzeichnen gewesen, so die Myvatnfeuer von 1725 - 1729, (also interessanterweise unmittelbar vor dem Ausbruch auf Lanzarote !). Auch das abrupte Einsetzen der Timanfayaeruptionen ohne merkliche Vorzeichen ist bemerkenswert.
Die mehrjährigen Eruptionen verwüsteten ein etwa 200 qkm großes, landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet mit mehreren Weilern, das bis heute unter einer mehrere Meter mächtigen Lava- und Aschedecke liegt. Die ausgetretenen Lavaströme flossen hauptsächlich nach Nordwesten und Westen ab, wo sie heute noch deutlich als scharfkantige, praktisch vegetationslose Gesteinsmassen zu sehen sind. Bemerkenswert ist ein nach Osten gerichteter Lavastrom, der sich auf der weiten Talebene zwischen Mozaga und Teguise teilte und hier nach Süden und Norden Richtung Meer floss. Während der nördliche Teilstrom im "El Jable" genannten Gebiet etwa 4 Kilometer vor La Caleta steckenblieb, erreichte der südliche Teilstrom im heutigen Hafengebiet von Arrecife das Meer. Dieser als typisch glatte Pahoehoe Lava ausgebildete Teilstrom ist heute in weiten Teilen, so zum Beispiel bei Tahiche, frei zugänglich.
Die offizielle Touristentour :
Als Mondlandschaft und letztes unberührtes Vulkangebiet der Kanaren gepriesen, werden tagtäglich Busladungen von Touristen auf einer eigens hierfür gebauten Asphaltstrasse durch die in der Tat sehenswerte Vulkanlandschaft gerollt. Am großen Busparkplatz am Restaurant und Touristenzentrum Islote del Hilario - einer weiteren Manrique - Schöpfung - angekommen, wartet man zunächst auf einen freien Busplatz. In der Wartezeit wird geothermische Energie live vorgeführt. Da die Erdwärme in der Umgebung des Restaurants bereits in zwei bis drei Meter Tiefe mehrere hundert Grad beträgt, entflammt in eine Grube geworfenes Strauchwerk nach wenigen Sekunden. Auch werden mehrere Grilleinrichtungen vorgeführt, auf denen Fleisch mit reiner vulkanischer Hitze gegart wird. Den Höhepunkt der Attraktionen aber stellt ein "Geysir" dar, der in zahlreichen Reiseführern als seltenes oder gar einmaliges Naturschauspiel gerühmt wird. Die Wirklichkeit sieht leider etwas anders aus. In ein in den heißen Boden eingelassenes Metallrohr wird zunächst ein wenig Wasser geschüttet, das aufgrund der starken Hitze im Rohr rasch verdampft. Nach wenigen Sekunden wird erneut eine diesmal grüßere Menge Wasser in das Rohr gegeben. Da sich der inzwischen entwickelte Dampf nicht mehr ausdehnen kann, wird das Wasser als 3 - 4 m hohe Fontäne aus dem Rohr herausgeschleudert. Der hier gezeigte "Geysir" hat also nichts mit einem echten Geysir gemein, sondern es handelt es sich um eine Art geothermisch getriebenen Dampfkochtopf !
"Geysirlöcher" am Besucherzentrum "Islote del Hilario" im
Zentrum des Timanyfaya - Nationalparkes
Leider erläutern keinerlei Tafeln die sicherlich sehr interessante geologisch / geothermische Situation dieser Lokalität. Insbesondere ein Hinweis auf das hier gegebene Erdwärmepotential oder eine Art geothermisches Modellkraftwerk an diesem Orte wäre durchaus wünschenswert. Während der anschließenden Busfahrt erlebt man Vulkanismus pur. Die fast unbelebte Vulkanlandschaft besticht dabei durch eine Fülle von Formen und Farben, die nur schwer in Worte zu kleiden ist. Dabei fahren die Busse auf einer eigens mitten durch die Lava gebahnten Asphaltstrasse und man genießt einen guten Ausblick auf zahlreiche Krater und Eruptionszentren. Das hierbei abgespielte Tonband beschreibt teils in zeitgenössischen, teils modernem Text die Auswirkungen des Eruptions- geschehens 1730 - 1736 auf die Inselbevölkerung. Obwohl die Busrundtour dem Bildungshunger des Durchschnittstouristen sicherlich gerecht wird, kann sie doch den geologisch Interessierten kaum befriedigen. So darf man den Bus nur an zwei Stellen während der Fahrt kurz verlassen, um Fotos zu schiessen. Eine detailliertere Information über das Vulkangebiet ist zudem außer in verschiedenen verstreuten und zumeist in spanischer Sprache gehaltenen Fachpublikationen nicht erhältlich. So bleibt nach der Bustour und den am Besucherzentrum dargebotenen geothermischen Spielereien der etwas schale Eindruck, das man zwar eine Reihe höchst interessanter geologischer Phänomene gesehen hat, diese aber leider ohne hinreichende Erläuterung.
Landschaftseindrücke aus dem Timanfaya - Nationalpark
Außer der beschriebenen Busrundfahrt gibt es leider nur wenige Möglichkeiten, den Timanfaya Nationalpark näher zu erkunden. Zwar gibt es noch die sehr touristisch aufgemachten Kamelritte durch einen kleinen Teil des Parkes, jedoch wird auch hier nur sehr wenig vulkanologisches Wissen vermittelt. Eine Erkundung der im Park vorhandenen Straßen und Wege auf eigene Faust ist dagegen aus Gründen des Naturschutzes verboten und angesichts der sehr schlechten Wege ohne Geländewagen auch nicht empfehlenswert. Als Alternative bleiben die geführten naturkundlichen Wanderungen, die jeden Samstag im Stadion Llucha de Canarios (= ein auf den Kanaren ausgesprochen beliebter Ringkampf) in Tinajo starten. Leider konnte der Autor nichts Näheres über diese sicherlich interessanten Fußexkursionen in Erfahrung bringen.
|