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Geologische Streifzüge auf Lanzarote und Graciosa Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Thomas Krassmann   
Mittwoch, 13. Oktober 2004

3.6 Tektonik und Zeolithfundstellen um Playa Blanca - Papagayo :

Neben dem bereits beschriebenen Famaramassiv im Norden Lanzarotes existiert im Süden der Insel ein weiterer Flutbasaltkomplex namens Los Ajaches. Besonders an der Küste finden sich in ihm interessante geologische Aufschlüsse und Mineralfundstellen.

Wandert man von Playa Blanca durch das ehemalige Salinengelände El Berrugo n Richtung der populären Papagayostrände, so erreicht man nach etwa 2 Kilometern eine deutlich hervorspringende Halbinsel mit einer weithin sichtbaren kleinen Festung. In der Umgebung dieses Castillo de las Coloradas (= Festung der Farben) befinden sich geologiche Aufschlüsse von ungewohnter Schönheit. Mehrere Lagen von Flutbasalt liegen hier übereinander und schliessen verschiedenfarbige Tufflagen, darunter eine von markant leuchtendroter Farbe, ein. Durch diese vulkanosedimentäre Abfolge dringen an zahlreichen Stellen unterschiedlich mächtige, senkrecht stehende schwarze Lavagänge. Schließlich lässt sich auch noch eine jüngere Tektonik erkennen, die teilweise modellhafte Auf- und Abschiebungen verursachte und sowohl Flutbasalte wie Lavagänge durchschneidet. Diese Steilküste bietet aufgrund der Tektonik und des schönen farblichen Kontrastes der einzelnen Gesteine untereinander hervorragende geologisch - tektonische Fotomotive.

BETZ (1986) beschreibt von hier die folgenden Mineralien : Fe Oxide, Calcit, Analcim, Thomsonit, Phillipsit, Chabasit, Levyn, Offretit, Erionit, Natrolith in teilweise sehr guter Ausbildung. Die Zeolithe treten dabei in kleinen Gasblasen in den Flutbasalten sowie in den Basaltgängen auf. Insbesondere in der direkten Umgebung des Castillos bestehen recht gute Fundmäglichkeiten für die angegebenen Mineralien, allerdings wurde das Gebiet in den vergangenen Jahren bereits heftig bearbeitet, wie zahlreiche zerschlagene Felsbrocken beweisen. Ähnliche Fundmöglichkeiten sollten bei intensiverer Suche auch weiter westlich bestehen, da sich die Flutbasalte entlang der Papagayo - Küste bis hin zum Fischerort Playa Quemada erstrecken. Bei einer Sammeltour in diese Gegend sollte stets genug Wasser und eventuell ein Handy mitgenommen werden, da das Gebiet jenseits der Papagayo - Strände zu den abgelegensten Teilen der Insel gehört.
 

3.7. Tuffgruben und Piconkulturen :

Beschäftigt man sich mit der Geologie Lanzarotes, dürfen die zahlreichen Tuffgruben nicht unerwähnt bleiben, aus denen in großem Maßstab ein Lockergestein mit ganz ungewöhnlichen Eigenschaften gewonnen wird. Die Rede ist vom sogenannten "Picon", das in der lanzarotenischen Landwirtschaft seit vielen Jahrhunderten eine ganz entscheidende Rolle spielt. Die pechschwarzen, stark porösen, eckig - kantigen Picon - Lapillipartikel werden in 20 cm dicken Schichten auf die Felder aufgebracht. Hier offenbaren sie geradezu wunderbare Eigenschaften. Während Lanzarote insgesamt gesehen an Niederschlägen arm ist - man rechnet mit etwa 200 mm Jahresniederschlag im Vergleich zu etwa 700 mm in Deutschland - so bildet sich speziell an der hoch aufragenden Westküste doch häufig Nebel, der kilometerweit in das Land hineinziehen kann. Auch tritt, bedingt durch die relativ starke nächtliche Abkühlung auf der Insel, häufig starker Taufall ein. Beide Arten dieses sogenannten "okkulten Niederschlages" wird in den vulkanischen Piconpartikeln gespeichert und so für die Pflanzen verfügbar gemacht. Darüberhinaus minimiert die Piconmulchung die ansonsten starke Bodenwasserverdunstung und trägt zu einer Erosionsminimierung auch an steilen Hanglagen bei.
 


Picon - Lapillituffackerbau auf Lanzarote : typisches Beispiel des erosionshemmenden
Effektes der Lapillimulchung im Vergleich zu einer nicht gemulchten Nachbarfläche

Schließlich beugt eine Piconmulchung auch dem Unkrautbefall der solcherart behandelten Anbauflächen vor, sodaß auf ein Jäten fast gänzlich verzichtet werden kann. Interessanterweise ist zwar die lanzarotenische Landwirtschaft seit Jahren rückläufig, wie viele stillgelegte Felder in Hanglagen beweisen, der Anteil der Felder mit schwarzer Piconmulchung hat dagegen jedoch in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

"Picon" - Weinbaulandschaft bei La Geria, bei denen die Weinstöcke direkt in den örtlich
anstehenden Lapillituff eingetieft und zusätzlich mit Windschutzmauern umgeben werden
 


Mineralogisch bieten die Picongrube, so zum Beispiel jene westlich von Maguez bei Haria (vgl. Wanderung 1) wenig Interessantes, dennoch sollte man sich eine solcheTuffgrube, wie man sie von den Fahrstraßen aus immer wieder sehen kann, ruhig einmal genauer ansehen. Wird doch hier ein mineralischer Rohstoff gewonnen, der auch bei semiariden Verhältnissen eine ertragreiche Feldbewirtschaftung ermöglicht und so ganz entscheidend zur Ernährung der Bevölkerung und auch der Inselbesucher beiträgt.
 


Letzte Aktualisierung ( Montag, 27. Juli 2009 )
 
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