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Megalithen der Bretagne Drucken E-Mail
Geschrieben von Dr. Thomas Witzke   
Montag, 1. November 2004

Megalithen der Bretagne - Menhire und Dolmen aus dem Neolithikum

von Dr. Thomas Witzke

Megalithische Bauwerke des Neolithikums finden sich von Spanien über Frankreich, Niederlande, Nord- und Westdeutschland, Skandinavien, Großbritannien bis hin nach Irland. Die Bretagne in Frankreich ist besonders reich an derartigen Monumenten. Hier gibt es eine Reihe großartiger und berühmter Anlagen wie die Alignements bei Carnac, den Grand Menhir oder Barnenez. Viele weitere, kaum weniger bedeutende Bauwerke und zahlreiche nicht so bekannte, aber genauso sehenswerte Anlagen sind hier vorhanden. Die Bauwerke finden sich vorwiegend in den Küstenregionen und etwas spärlicher im Landesinneren.
Das Neolithikum, die Jungsteinzeit, umfaßt in Europa den Zeitraum von etwa 6000 - 2000 vor der Zeitrechnung. Darauf folgt die Bronzezeit. Die Besiedelung der Bretagne begann etwa 5000 v.d.Z. durch Bauern, die Landwirtschaft und Viehzucht betrieben. Die dauerhaften Ansiedlungen ermöglichten die Errichtung von kultischen Anlagen und Grabmälern, die sowohl einen langen Zeitraum beim Bau als auch eine größere Personenzahl erforderten. Sicher sollte die Größe der Monumente auch die Macht der Stämme und ihre Religiosität bzw. den Wunsch nach göttlichem Beistand und Schutz bezeugen. Die Fähigkeit, Menhire von rund 300 Tonnen Masse über größere Strecken zu tranportieren und aufzustellen, einen Cairn wie den von Barnenez zu errichten oder die Alignements um Carnac mit tausenden von Steinen anzulegen, zeugt von den großen Fähigkeiten der Menschen der jüngeren Steinzeit, sowohl bei der Planung und Organisation als auch bei der technischen Ausführung.

Über das religiöse System ist wenig sicheres bekannt und viel spekuliert worden. Eindeutig spielen umfangreiche astronomische Beobachtungen eine Rolle. Die Ausrichtung von Gräbern, Dolmen, Allee Couvertes und Alignements belegen die genaue Kenntnis der Himmelsrichtungen. Alignements und Steinkreise haben der astronomischen Beobachtung gedient, auch Menhire könnten zur Anpeilung von Sternen verwendet worden sein.
Eine zentrale Rolle im religiösen System nehmen Muttergottheiten ein. In etlichen Grabanlagen gibt es Gravuren mit stark stilisierten Darstellungen derartiger Gottheiten (oder einer Gottheit). Die Darstellungen sind stark abstrahiert, zum Teil sind es schildförmige Gravuren mit vervielfältigten Brustpaaren, zum Teil einfache Rechtecke oder einzelne Brustpaare. Andere Gravuren zeigen Beilpflüge, Wellenlinien oder abstrakte, komplizierte Darstellungen. Verschiedentlich werden auch die Menhire, speziell die sorgfältig geglätteten wie Champ-Dolent oder Kerampeulven, als Phallussymbole gedeutet. In wie weit dies zutrifft, bleibt offen.
Man darf auch nicht von einem einheitlichen religiösen System während der ganzen Zeit des Neolithikums ausgehen, auch wenn die Ähnlichkeit der Bauwerke sowohl räumlich von Spanien bis Irland und Skandinavien als auch über große Zeiträume dies vielleicht vermuten läßt. Der Abriss von Menhiren und die Weiterverwendung als Dachsteine von Grabkammern weisen auf Veränderungen oder Unterschiede hin.
Andererseits sind viele Grabanlagen über lange Zeiträume verwendet worden. So ergaben Datierungen von Funden aus dem Cairn von Barnenez eine Nutzung von etwa 4700 bis 2000 v.d.Z.

Der Erhaltungszustand der Monumente ist sehr unterschiedlich. Manche sind recht gut erhalten, andere Bauwerke haben im Lauf der Zeit starke Zerstörungen erlitten. Einige wurden wohl schon während des Neolithikums abgerissen oder verändert, anderes ist während der römischen Zeit zerstört worden, und viele sind zweifellos auch der Christianisierung zum Opfer gefallen. Schwere Schäden an vielen Bauwerken hat die Nutzung als billiger "Steinbruch" hervorgerufen. Die Steine vieler Tumuli und Dolmen dürften sicher in den umliegenden Häusern verbaut worden sein. Anderes ist zum Bau von Straßen oder Hafenanlagen verwendet worden. So ist noch um 1950 ein Teil des großen Tumulus von Barnenez als Steinbruch zum Straßenbau mißbraucht worden. Schäden an den Alignements um Carnac hat es ebenfalls noch in jüngerer Zeit durch den Straßenbau gegeben. Spuren moderner Werkzeuge an anderen Dolmen zeugen ebenfalls von Abrissversuchen. Anlagen mußten Platz für den Bau von Gehöften und Siedlungen machen, viele "störende" Menhire sind von Feldern entfernt worden. Kriege verursachen auch immer Schäden und nehmen meist wenig Rücksicht auf historische Monumente. Ein besonders krasses Beispiel dürfte der Bau eines Bunkers durch die Deutschen 1943 im (!) Tumulus von Petit Mont bei Arzon sein. Große Schäden sind auch durch Schatzgräber verursacht worden. Wilde Grabungen haben schwere Verwüstungen an vielen Bauwerken hinterlassen oder ihre Standfestigkeit beeinträchtigt, so dass sie später eingestürzt sind. Weiterhin sind auch Erosion, Stürme, Blitzschlag, Waldbrände und Vegetation als Verursacher von Schäden zu nennen. Nicht zuletzt müssen aber auch die Besucher der Anlagen erwähnt werden. So mußten die Alignements östlich von Carnac eingezäunt werden, das der ständige Strom an Besuchern die Standfestigkeit der Menhire beeinträchtigte.
Bei dieser Aufzählung erstaunt es fast, dass so viele Anlagen überdauert haben. Zum Glück konnten etliche noch rechtzeitig unter Schutz gestellt werden. Zu erwähnen sind auch die langjährigen Rekonstruktionen einiger Monumente, die es erlauben, sie jetzt wieder in ihren weitgehend ursprünglichen Zustand zu sehen. Die Anlage von Barnenez nördlich von Morlaix, Le Petit Mont bei Arzon und das Ensemble von Table des Marchand, Tumulus von Er Grah und Grand Menhir sind umzäunt und können gegen Eintritt besichtigt werden (beim Besuch dieser Anlagen muß man auch an die langen Mittagspausen in Frankreich denken !). In begrenztem Umfang finden Führungen in die Alignements von Carnac und den Tumulus von Gavrinis statt. Fast alle anderen Anlagen sind öffentlich ohne Beschränkungen zugänglich. Sie machen im allgemeinen auch eine sehr gepflegten Eindruck. Erstaunlich und sehr erfreulich ist, dass nahezu kein Müll herumliegt (lediglich an zwei Anlagen war etwas zu sehen). Es hat sich inzwischen offenbar auch das Bewußtsein in der Bevölkerung für diese Monumente verändert. Viele sind recht gut ausgeschildert und mit Tafeln mit Erklärungen in französisch, deutsch, englisch und bretonisch versehen. Andere Monumente liegen sehr versteckt und sind schwierig zu finden.

Die hier vorgestellten megalithischen Anlagen aus der Bretagne stellen natürlich nur einen kleine Teil der vorhandenen dar. Viele weitere hätte ich gerne auch noch gesehen, aber die begrenzte Zeit erlaubte es nicht.

Sehr empfehlenswert ist die folgende Literatur, aus der auch viele Angaben für die folgenden Texte entnommen wurden:
Jacques Briard (2000): Die Megalithen der Bretagne.- Editions Jean-Paul Gisserot.

© alle Fotos: Thomas Witzke.

Einige Begriffserklärungen

Menhir
Ein senkrecht stehende Stein. Menhire können einzeln, in Gruppen, Linien, Kreisen, Ovalen, Rechtecken oder anderen Anordnungen stehen. Sie können unbearbeitet oder geglättet und auch mit Gravuren versehen sein.

Alignement
Eine Anlage aus reihenförmig aufgestellten Menhiren. Es gibt Alignements aus nur einer Reihe und Alignements aus mehreren, parallelen Reihen.

Cromlech
Steinkreis, Anordnung von Menhiren in einem Kreis.

Dolmen
Megalithisches Grabmal aus Steinplatten oder Blöcken. Die Formen können sehr unterschiedlich sein. Die Formen können sehr unterschiedlich sein. Es gibt einfache Dolmen, die nur aus einer Kammer aus Steinplatten oder -säulen bestehen und mit ein bis zwei Deckplatten versehen sind. Daneben gibt es aufwendiger gebaute Dolmen mit einem Gang, der meist niedriger als die Grabkammer ist. Der Gang kann gerade oder geknickt verlaufen. Es können eine oder mehrere Grabkammern vorhanden sein. Als weitere Elemente können ein Vorraum und ein Portikus vorhanden sein. Viele Dolmen waren von einem Tumulus bedeckt. Der Tumulus kann aus Steinen oder Erde oder beidem bestehen und den Dolmen komplett oder zum Teil bedecken, z.B. kann die Deckplatte aus den Hügel herausschauen.

Allee Couverte
Eine langgestreckte Grabanlage aus Steinplatten gleicher Höhe. Eine durch eine Steinplatte abgetrennte Schlusskammer oder Ausbuchtungen können vorhanden sein.

Tumulus
Bezeichnung für einen Grabhügel aus Stein, Erde oder aus beidem. Ein Tumulus kann Ganggräber (Dolmen), abgeschlossenen Grabkammern ohne Zugang oder einfache Gräber bedecken. Die Größe kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt kleine von wenigen Metern Durchmesser bis hin zu Anlagen von über 100 Metern Abmessung.

Cairn
Eine Einfassung oder Bedeckung eines oder mehrerer Gräber mit Bruchsteinen (vgl. Tumulus). Ein Cairn kann eine kleine, recht unauffällige, aber auch eine große, komplizierte Anlage sein.

Parement
Eine Konstruktion aus losen Steinen oder Steinplatten zur Befestigung eines Cairns, oft durch etwas größere Steine.

Portikus
Eingang einer Grabanlage aus zwei senkrechten Pfeilern und einer darüber liegenden waagerechten Platte.

Tholos
Eine runde, ofen- bis zwiebelturmförmige Grabkammer in einem Cairn.


Megalithen in Morbihan

Alignements bei Carnac

Die wohl bekannteste megalithische Anlage in der Bretagne stellen die Alignements um Carnac dar. Viele Touristen kennen nur die Felder mit den Steinreihen unmittelbar bei Carnac oder werden mit Bussen dorthin gefahren. Dabei stellt sich die komplette Anlage als ein großes, etwa V-förmiges Ensemble mit einem sich bis Kerlescan in östliche Richtung erstreckenden Flügel und einem bis Kerzerho kurz vor Erdeven erstreckenden westlichen (oder besser nordwestlichen) Flügel dar. Um einen wirklichen Eindruck von dem gewaltigen Monument zu bekommen, sollte man sich alles ansehen. Erst dann bekommt man tatsächlich ein Gefühl für die gigantische Anzahl an aufgerichteten Steinen.
Die Anlage diente vermutlich kalendarischen Zwecken. Im Feld von Le Menec wurde eine Ausrichtung nach den Auf- und Untergängen zu den Sonnenwenden im Sommer und Winter festgestellt. Nicht abwegig erscheint auch die Meinung, dass jeder Menhir einen Ersatzleib für eine Totenseele darstellt. Die Anlage wurde um 4000 - 3000 v.d.Z. errichtet.
Die Alignements zwischen Carnac und Kerslescan wurden zum Schutz eingezäunt und sind jetzt nur noch für kleine, geführte Besuchergruppen und die hier weidenden Schafe zugänglich. Dem Ansturm von 600.000 bis 800.000 Besuchern pro Jahr war die Anlage nicht gewachsen. Die Standfestigkeit der Menhire war beeinträchtigt, die Anlagen waren kreuz und quer von Trampelpfaden durchzogen und größere Flächen waren völlig frei von Bewuchs. Die Vegetation zwischen den Steinreihen hat sich inzischen weitgehend erholt und man kann jetzt über den Zaun auch Fotos ohne störende Personen zwischen den Steinen machen. Einige Teile dürfen außerhalb der Saison zwischen dem 1. Oktober und 1. April frei betreten werden. In den anderen Feldern wird gegenwärtig experimentiert, die Vegetation durch Mähen und Schafhaltung zu kontrollieren, so dass sie einerseits den Boden stabilisiert und andererseits den Blick auf die Monumente nicht behindert. Geplant ist auch, rund um die Anlagen Wander- und Fahradwege anzulegen. Gegenwärtig muss man auf der Südseite am Straßenrand laufen, da hier keine Wege vorhanden sind.
Das Feld bei Kerzerho ist das ganze Jahr offen und zugänglich, es wird aber auch bei weitem nicht so stark von Besuchern frequentiert.


Bild 001. Plan der Alignements östlich von Carnac.

Alignements von Kerlescan
Kerlescan stellt nach den in einem Wäldchen befindlichen Reihen von Le Petit Menec den nordöstlichen Beginn der Anlagen des östlichen Flügels der Alignements von Carnac dar. Es sind 13 Reihen vorhanden, die sich über 355 m Länge erstrecken. Im Westen ist ein sehr schönes, nahezu quadratisches Steingehege von 78 x 74 m Größe erhalten. Die Größe der Steine nimmt von Ost nach West zu, es ist also empfehlenswert, bei einer Besichtigung der Anlage ganz am östlichen Ende zu beginnen.


Bild 002. Alignements von Kerlescan, Blick in Richtung West.


Bild 003. Alignements von Kerlescan, Blick in Richtung West.


Bild 004. Alignements von Kerlescan.


Bild 005. Alignements von Kerlescan.


Bild 006. Alignements von Kerlescan, das Steingehege.


Alignement von Le Manio
Westlich an Kerlescan schließt sich ein kleineres Feld mit Steinen an, das Alignement von Le Manio. Die Steine sind alle relativ klein.


Bild 007. Alignements von Le Manio.


Alignement von Kermario
Weiter in westlichwe Richtung schließt sich das langgestreckte Alignement von Kermario an. Die Anlage zeigt in 10 bis 12 Reihen auf einer Länge von 1,2 km 982 Steine. Auch innerhalb dieses Feldes werden die Steine von Ost nach West größer. Inmitten des Feldes befindet sich ein Aussichtsturm aus napoleonischer Zeit, von dem aus die Anlage recht gut zu überblicken ist. Wie bei Kerlescan war auch hier ein Steingehege vorhanden, das ist jedoch nicht mehr erhalten. Es befand sich an der Stelle des heutigen Parkplatzes am westlichen Ende des Feldes. Im Osten gibt es die Reste eines Megalith-Kreises. Am westlichen Ende des Alignements befindet sich ein Dolmen, der separat beschrieben wird.


Bild 008. Alignements von Kermario, Blick in Richtung Ost.


Bild 009. Alignements von Kermario, Blick in Richtung Ost vom Aussichtsturm.


Bild 010. Alignements von Kermario, Blick in Richtung West.


Bild 011. Alignements von Kermario, Blick in Richtung West.


Bild 012. Alignements von Kermario.


Bild 013. Alignements von Kermario, eine Gruppe von großen Menhiren.


Bild 014. Alignements von Kermario.


Bild 015. Alignements von Kermario.


Bild 016. Alignements von Kermario.



 
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