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5 Der
Berg
5.1 Minerale
und Gesteine
Ziel des Bergbaus war und ist die wirtschaftliche Gewinnung
nutzbarer Minerale oder Gesteine. Steinreich wird man aber im Bergbau selten
werden. Ehedem wie heute kommen mit dem Bergbau (und der Altbergbauforschung)
nicht jene zu Geld, die die Arbeit machen, sondern jene, die sich die Finger
nicht selber schmutzig machen (außer beim Zeigen auf Andere), bestenfalls
noch ein Glückspilz auf hundert Verlierer, auf jeden Fall aber die „zuständigen
Beamten“, Juristen und andere Übel.
Trotz dieser Erkenntnis wird man bei der Beschäftigung
mit dem Bergbau zwangsläufig – zum Beispiel mit dem Kopf – auch auf die Petrologie (Gesteinskunde)
und Mineralogie (die Lehre von den Mineralen, wörtlich etwa „Erzkunde“) stoßen, und
nur wenige werden so taktlos sein, eine vom Berggeist hingestellte Stufe dem Stoß nicht
in allen Ehren zu entnehmen. Für darüber hinaus gehende Interessen gibt es
etliche Meter guter Literatur (empfehlenswert zum Beispiel [44], [45]),
so daß hier nur ein ganz allgemeiner Abriß gegeben
wird.
5.1.1 MineraleAls Mineral (Minera griechisch „Erz“) bezeichnet man einen natürlich vorkommenden
Stoff mit definierter chemischer Zusammensetzung in zumeist kristalliner
Form. Kristalle sind Körper, deren Bausteine (Atome, Ionen,
Moleküle) dreidimensional periodisch angeordnet sind, das heißt ein Kristallgitter
bilden. Treten die Kristalle so dicht gedrängt im Verband auf, daß die Formen des einzelnen Kristalls nicht mehr erkennbar
sind und „der Stein“ wie eine Anhäufung unregelmäßiger Körner wirkt, spricht man von einem Aggregat. Einen
Hohlraum im Gestein mit Kristallbildungen nennt man in der Mineralogie eine Druse,
ein etwa faustgroßes Stück ein Handstück,
ein Stück mit ästhetischem oder wissenschaftlichem Wert eine Stufe. Achtung, nicht jede Stufe ist ein bunter
Stein: es gibt außerdem den Begriff Stufe von Verstufung im
Bergrecht und die Stufen im Stufenschacht!
Als Erz werden landläufig
Minerale (oder auch Gesteine) bezeichnet, aus denen sich ein oder mehrere
gesuchte Metalle gewinnen lassen (zum Beispiel „Silbererz“;
in der Wismut stand der Begriff Erz allgemein für das gesuchte
Uran, welches offiziell nicht genannt werden durfte). Die Minerale, auf deren
Gewinnung sich der jeweilige Bergbau konzentrierte, wird man in einer auflässigen Grube zwangsläufig
am seltensten finden. Allenfalls erzarme Gangpartien, deren Gewinnung zur
Zeit des Betriebs wirtschaftlich nicht sinnvoll war, wird man antreffen.
Häufiger wird man noch die Minerale finden, welche im Erzgang enthalten sind oder ihn begleiten, aber
nicht Ziel der Gewinnungsarbeit waren (Gangarten).
Eine umgebende Gesteinshülle hat man dagegen noch in jedem Bergwerk, und
oft kann man aus Änderungen der Gesteinszusammensetzung und der Gangarten
auf die ehedem vorhandene Erzführung schließen.
5.1.2 Sekundärbildungen:
Sinter, Sudel und ExcentriquesSehr interessant ist das Gebiet der sekundären Mineralbildungen, also der Minerale,
die durch chemische Umwandlungen der ehemals vorhandenen (primären)
Mineralisation entstanden. (Die Verwendung der Begriffe „primär“ und „sekundär“ ist
nicht immer eindeutig und durchaus umstritten. Auch „primär“ erscheinende
Mineralisationen können durch Mobilisierung und Umlagerung älterer Vererzungen entstanden sein. Das ist zum Beispiel bei einem
Teil der Uranvererzungen im Erzgebirge der Fall.
In diesem Abschnitt sind die Umwandlungen damit gemeint, die sich als unmittelbare
Folge des Bergbaus ergeben.)
Nadelfeine, bezaubernde Gipskristalle, die sich an den
Streckenstößen bilden, gehören in diese Gruppe wie auch andere Mineralumbildungen,
die zum Beispiel unter Einfluß des Luftsauerstoffs
aus der primären Mineralisation entstehen. Für den Bergbau insgesamt bedeutsam
war die Anreicherung von hohen Erzkonzentrationen in der Oxidations- und Zementationszone durch
Auslaugung und Wiederablagerung von Komponenten der ehemals darüber befindlichen
Gangbereiche und des Nebengebirges (die Oxidationszone ist
der durch Verwitterung angegriffene oberflächennahe Gesteinskörper, die Zementationszone der Übergangsbereich zum
unverwitterten Gestein).
Mit einer weiteren Spielart kommt der Befahrer oft in
Kontakt: Versinterungen. Wie in Tropfsteinhöhlen wird der im Gang oder auch
in Mörtel und Beton enthaltene Kalk gelöst, fällt als Calcit oder Aragonit
wieder aus und bildet strahlend weiße „Tropfsteine“ und alle anderen Sinterformen
oder dem Einfluß der Schwerkraft entzogen scheinende Excentriques, die aussehen
wie Kartoffelkeime. In Gewässern, die in Bewegung sind, werden die Mineralausscheidungen
ständig umgewälzt, es entstehen „Höhlenperlen“.
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| Abbildung 2: Sinterformen |
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| a) Stalagtit;
b) Stalagmit; c) Stalagnat; d) Sintervorhang;
e) Excentriques; f) Beläge; g) Sinterterassen,
Becken; weit schraffiert anstehendes Gestein, eng schraffiert Sinterquerschnitt |
Neben dem Calciumcarbonat können auch andere Minerale
Sinterformen bilden, welche zum Teil sehr viel schneller wachsen als gewöhnliche
Tropfsteine. Es handelt sich dabei neben den erwähnten Carbonaten meist um
Eisen- oder Mangan-Oxide beziehungsweise -Hydroxide.
Häufig anzutreffen sind auch Kupfer- und Zink-Hydroxide,
-Carbonate oder –Sulfate sowie Eisen-Sulfate, -Sulfat-Arsenate oder -Arsenate.
Ebenfalls oft zu beobachten sind weiße bis graue Sinterbildungen aus Allophan (ein
Aluminiumsilikat). Die kupferhaltigen Allophan-Varietät ist hell- bis intensiv blau gefärbt. Andere
Sinterbildungen sind seltener. Neben den Versinterungen gibt es Ausblühungen
und mehr oder weniger gut kristalline Neubildungen an den Stößen, in kleinen
Hohlräumen oder auf Klüften. Hier kann eine breite Palette an Mineralien
auftreten.
Die Neubildungen liegen oft in einem Zustand vor, der
als Gel bezeichnet wird. Dieses Material
ist nicht-kristallin (amorph) und enthält sehr viel Wasser. Außerhalb der
Grubenatmosphäre verliert derartiges Material leicht einen Teil des Wassers,
bekommt Risse oder zerfällt völlig. Es lohnt sich meist nicht, solche Bildungen
mit nach draußen zu schleppen.
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| Abbildung 3: Sinterterasse, Wasserstandsmarke |
Foto:
privat |
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| Abbildung 4: stark versinterte Strecke |
Foto:
privat |
Die Farbe der Sinter und Neubildungen erlaubt in gewissem
Maße Rückschlüsse auf den Chemismus, ist aber kein
eindeutiges Kriterium. Braune Sinter enthalten meist Eisen (Goethit, Schwertmannit),
aber auch Arsen (Pitticit). Gelbe Farben lassen sich
auch auf Eisen (Minerale der Jarosit-Gruppe), aber
auch auf Uran zurückführen. Kupferhaltige Sinter sind meist blau oder grün
gefärbt. Bei weißen bis grauweißen Sintern handelt es sich meist um Calciumcarbonat
(Calcit oder Aragoni), aber auch um Aluminiumsilikate, Eisensulfatarsenate
oder Zinkverbindungen. Manganoxide und –hydroxide sind
schwarz oder bräunlichschwarz.
Sekundärminerale können auch Versatzmassen zusammenkitten,
die selbst dann noch sicher stehen, wenn der einstige Ausbau längst verfault
ist. Meist handelt es sich dabei um Gips und Minerale der Jarosit-Gruppe.
Verschiedene Sinterformen zeigt Abbildung 2,
Beispiel für Sinterbildungen in Gruben Abbildung 3, Abbildung 4 und Abbildung 5.
Die Abbildung 5 stammt übrigens
aus dem Kalkwerk Braunsdorf bei Dresden. Dessen
Geschichte ist ein klassisches Beispiel für die Hirnrissigkeitkeit des herrschenden
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| Abbildung 5: Korallenartige Sinterbildung |
Foto:
privat |
Befahrungsverbotes. Das Objekt war ein schönes, wenn
auch kleines Trainingsobjekt für Befahrungen. Nach einem kurzen Einstiegsschacht
landete man auf einem See und konnte mit Schlauchboot oder Neopreneanzug die
noch zugänglichen Baue bis kurz unter die Rasensohle befahren und die abgesoffenen
Baue erahnen. Natürlich alles illegal.
Nach der Wende wurde das Objekt, welches bis dahin ein
ungestörtes Biotop darstellte, zur Erdstoffdeponie umgewandelt. Der Baumbewuchs,
viele schöne große Buchen, wurde geschnitten und – mit eingegraben, kein
Gedanke an eine Nutzung des Holzes. Nach und nach wurde der vorhandene Tagebruch
aufgefüllt und zur Verwunderung der Leute, die um die Baue darunter wußten,
das Gelände noch meterweise mit Erde überschichtet. Es kam dann, wie es kommen mußte – es
gab den größten Erdfall in Sachsen seit der Altenberger Pinge.
Reinem Glück ist es zu verdanken, daß keiner der Beschäftigten mit im Loch verschwand.
Welche Fahrlässigkeit von wem dazu führte, die rißlich, bei den Einheimischen und unter Befahrern bekannten Baue derart zu überbauen, wissen
die Autoren nicht. Gemäß Zeitungsberichten war
der Frost am Einsturz schuld. Aber die Autoren wissen, daß wenn
Altbergbauforschung legal betrieben werden könnte, dies so nicht passiert
wäre!
5.1.3 GesteineEin Gestein setzt
sich in den meisten Fällen aus verschiedenen Mineralien zusammen, es ist
ein Mineralgemenge. Es gibt allerdings auch Gesteine, die aus fast nur einer
Mineralart bestehen, beispielsweise der Quarzit.
Grob unterteilt werden die Gesteine nach ihrer Genese (das
heißt ihrer geologischen Entstehung) in magmatische, Sediment- und metamorphe Gesteine.
Magmatische Gesteine, zum Beispiel Granit, Porphyr und Basalt,
sind in mehr oder weniger flüssiger Form (Magma griechisch „Teig“) aus dem
Inneren der Erde durch oder in die Erdkruste (die relativ dünne feste Gesteinskruste
der Erde) gedrungen und erstarrt. Man unterscheidet dabei zwischen Tiefengesteinen (Plutoniten, langsame Erstarrung in der Tiefe)
und Ergußgesteinen (Vulkaniten, Erguß an
die Edoberfläche) sowie Ganggesteinen. Ganggesteine entstehen,
wenn Magma nicht kompakt, sondern nur in Spalten eines anderen Gesteinskörpers
erstarrt. Wird durch im Gesteinskörper zirkulierende Lösungen (Magmabestandteile mit
niedrigen Schmelzpunkten) das Nebengestein beeinflußt oder
umgewandelt (Metasomatose),
entsteht Greisen. Schließlich setzen sich
auch aus Lösungen unterschiedliche Füllungen für im Gesteinskörper vorhandene
Spalten ab.
Als Sedimente werden
alle Formen von Ablagerungen bezeichnet, zum Beispiel Sande und Kiese. Sedimentgesteine entstehen
aus Ablagerungen, die durch chemische oder physikalische Vorgänge verändert,
verdichtet und „verklebt“ werden. Beispiele für Sedimentgesteine sind Sandstein,
Kalkstein und Mergel.
Metamorphe Gesteine (Umwandlungsgesteine)
schließlich entstehen durch die Umwandlung anderer Gesteine bei hohem Druck
(zum Beispiel durch übergelagerte Gesteinsschichten oder Faltungsvorgängen
in den Gesteinsschichten) und hoher Temperatur (Kontakt mit Magma oder Absinken
in tiefe Schichten der Erdkruste), typische Vertreter sind Gneis, Schiefer
und Marmor.
5.2 Ein bißchen Lagerstättenkunde5.2.1 Lagerstätten
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| Abbildung 6:
Formen der Lagerstätten |
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| a)
Ganglagerstätte; b) stockförmige Lagerstätte; c) Banklagerstätte; d) Imprägnation des
Nebengesteins (der angedeutete dünne Gang kann, muß aber
nicht vorhanden sein) |
Ist ein Vorkommen von Mineralien
oder Gesteinen wirtschaftlich nutzbar, so wird es als Lagerstätte des betreffenden Rohstoffes bezeichnet. Im Altbergbau
finden wir Abbaue von Mineralien (z.B. Erzmineralien, Fluorit, Quarz),
wie auch solche von Gesteinen (Kalk, Quarzit, zinnsteinführendem Granit
beziehungsweise Greisen). Je nachdem, wie sich der geringste Aufwand für
die Gewinnung ergab, wurde im Tage- oder Tiefbau abgebaut. In der Regel
wurde eine Lagerstätte zunächst im Tagebau erkundet und erschlossen und
bei weiterer Bauwürdigkeit ging man fließend zum Tiefbau über. Beim Tiefbau
sind die nutzbaren Gesteine oder Mineralien immer vom sogenannten Nebengestein (taubes Gestein), welches keine nutzbaren Stoffe
enthält, umgeben.
Da die Formen der Lagerstätten
prägend auf die Bergbautechnologie und somit auf die Gestalt der Grubenräume
im Altbergbau wirken, geben wir im Folgenden einen kurzen Abriß.
Selbstverständlich können wir im Rahmen dieses Handbuches keine Abhandlung
der Geologie und Lagerstättenlehre geben, dazu gibt es genügend gute Fachliteratur
(zum Beispiel [47], [50]).
Erzmineralien kommen in gangförmigen und stockförmigen Lagerstätten
oder als Imprägnationen des Nebengesteins in unterschiedlich
ausgeprägter Verteilung vor. Lagerstätten nutzbarer Gesteine sind an die
geologische Struktur des abzubauenden Gesteinskörpers gebunden, so kommt
zum Beispiel Kalkstein in bankartigen
Schichten (oder Flözen) und Steinsalz
in stockförmigen Lagerstätten vor. Eine Übersicht zeigt Abbildung 6.
Ein Gesteinskörper ist keine homogene Masse. Er ist
oft von sogenannten Störungen oder Verwerfungen
durchzogen. Hierbei handelt es sich um tektonisch (durch
Bewegungen innerhalb der Erdkruste) hervorgerufene Unregelmäßigkeiten und
Verschiebungen im Gesteinskörper. Als Kluft bezeichnet man dabei eine tektonische Bruchstruktur
des Nebengesteins, die kein Gang ist.
Bedeutung für den Bergbau erlangen diese Strukturen, wenn die erzführenden Gesteinspartien an ihnen verschoben wurden (Verwerfungen), die Nebengesteinsart abrupt wechselt
oder die Standfestigkeit der Grubenbaue durch sie beeinträchtigt wird (Störungen).
Störungen oder Verwerfungszonen erkennt man unter Tage:
· am
plötzlichen Abschneiden eines Erzganges
an einer deutlich zu sehenden, nicht schicht- oder schieferungsparallel verlaufenden Gesteinsstruktur (Kluft
oder ähnlichem)
· an
Verschiebungen des Erzlagers entlang einer Struktur (Kluft oder Gang)
· an
gangförmigen Zerreibungs- oder Auflockerungszonen im Nebengestein (sogenannte Ruschel- oder Klüftungszone,
letztere oft stark wasserführend)
· an
wie glatt polierten, nahezu schicht- oder schieferungsparallel verlaufenden Klüftungsflächen des
Nebengesteins (sogenannte Harnischflächen oder freie Kluftflächen).
5.2.2 GanglagerstättenGanglagerstätten bilden den für das Erzgebirge häufigsten
Lagerstättentyp, deswegen gehen wir etwas näher auf sie ein. Als Gang wird eine (gedachte) Spalte im Gestein bezeichnet,
die durch ein anderes Gestein (Gesteinsgang)
oder durch ein oder mehrere Minerale wieder aufgefüllt wurde (Gang im üblichen
Sprachgebrauch). Der Ganginhalt wird auch als Gangmittel bezeichnet.
Treten unterschiedliche Füllungen in einem Gang auf, ist meist eine zum Gang
parallele Ablagerungsfolge erkennbar, auch wenn die Füllungen in der Regel
stark untereinander durchwachsen sind.
Die Richtung der Gänge, also der Winkel zwischen der
Gangebene und magnetisch Nord, wird als Streichen des
Ganges bezeichnet. Weitere oft genannte Eigenschaften der Gänge sind die Mächtigkeit (die
Dicke des Ganges senkrecht zur Gangebene) und das Einfallen (die
Neigung der Gangebene gegen die Horizontale). Gänge können seiger (Saiger), also senkrecht beziehungsweise
mit ca. 85°-90° einfallen, sie können steil (ca. 85° bis 45°) oder flach (ca. 40° bis 15°) sein. Bei einem geringeren
Einfallen spricht man von einem schwebenden Gang oder kurz vom Schwebenden.
Sowohl Einfallen, Mächtigkeit wie auch das Streichen des Ganges können sich örtlich ändern.
Das Gestein oder der Stoß im spitzen Winkel zwischen Gang und Horizontaler
ist das Liegende, im stumpfen Winkel das Hangende des
Ganges. Ist ein Gang in der Erstreckung der Gangebene teilweise oder vollständig
durch „Zwischenlagen“ des Nebengesteins (etwa 1 m bis etwa 15 m)
unterbrochen, obwohl es sich nach allen anderen Merkmalen um einen Gang handelt,
spricht man von mehreren Trümern eines Ganges,
sie werden oft nach ihrer Lage als „hangendes“ und „liegendes“ Trum bezeichnet (oder
nach ihren Eigenschaften zum Beispiel als „hartes“ und „weiches“ Trum).
Wird ein Gang im Gestein immer schmäler und verliert sich schließlich ganz,
spricht man vom Auskeilen, ein über
Tage anstehender (sichtbarer, vorhandener)
Gang hat dort in seinem Ausbiß (zum
Beispiel in einer Felswand). In Abbildung 7 sind diese Bezeichnungen
näher erläutert, wobei die Lage- und Richtungsbezeichnungen natürlich nicht
nur für Gänge, sondern auch allgemein für beispielsweise Gesteinsschichten
oder Klüfte Verwendung finden.
Aus der Bedeutung der Gänge für den Bergbau resultiert auch
eine Namensgebung für die Gänge. In Sachsen war zudem die Verknüpfung eines
Namens und der Richtungsangabe als Benennung für einen Gang üblich: beim „Christoph
Morgengang“ ist „Christoph“ der Name und „Morgengang“ die Richtungsangabe. Weitere Bezeichnungen
siehe Abbildung
8. Auch für die Beziehungen zwischen den Gängen, die für deren Erzführung
wichtig sein kann, gibt es besondere Bezeichnungen, siehe Abbildung
9.
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| Abbildung 7: Bezeichnungen an einem Gang |
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| a)
schwebender Gang, Schwebendes; b) flach einfallender Gang; c) steil
einfallender Gang; d) saiger einfallender Gang; e) Einfallen; E) Erz; G) Gangart;
H) Hangendes; L) Liegendes; M) Mächtigkeit; N) Nebengestein; S) Saalband (Übergang des Nebengesteins in die eigentliche
Gangfüllung, oftmals geänderte Gesteinszusammensetzung gegenüber dem
Nebengestein); T1, T2) Trümer |
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| Abbildung 8: Bezeichnung der Gänge nach
der Streichrichtung (üblich im Erzgebirge
und anderen Gebieten, nicht zum Beispiel im Harz) |
Abbildung
aus [12], Text nach [12] |
| Stehende
Gänge |
N-S
bis NO-SW („hora 1 bis 3“) |
| Flache
Gänge |
N-S
bis NW-SO („hora 9 bis 12“) |
| Morgengänge |
NO-SW
bis O-W („hora 3 bis 6“) |
| Spatgänge |
O-W
bis SO-NW („hora 6 bis 9“) |
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| Abbildung 9: Verschiedene Lagerungsverhältnisse
von Erzgängen in einem schematischen Blockbild |
Abbildung
und Text aus [12] |
| a)
Mächtigkeitsschwankung auf Grund einer Verschiebung der benachbarten
Gesteinsschollen (die Mächtigkeitsanschwellung gut vererzt:
schwarz); b) nach oben auskeilender
Gang; c) sich zertrümernder Gang (2 bis 3 Trümer); d) sich nach oben scharende Gänge, Scharkreuz gut vererzt (schwarz);
e) Gangkreuz zweier gleich alter
Gänge; f) Gangkreuz zweier verschieden alter, verworfener Gänge (1,2
Altersfolge, Pfeile Bewegungsrichtung des
Nebengesteins), Gangkreuz gut vererzt (schwarz).
Die Oberfläche zeigt die Lagerungsverhältnisse auf der Gangkarte. |
Die Mineralisation der Gänge ist nach ihrer Entstehung
unterschiedlich. Oft werden sich jedoch in einer Lagerstätte die Gänge in
mehrere Gruppen gleicher Mineralisation einteilen lassen. Diese Gänge haben
dann zumeist auch eine gemeinsame Entstehungsgeschichte, verlaufen in nahezu
einer Streichrichtung und haben auch hinsichtlich
ihrer Vererzung gleiche Eigenschaften – sie bilden
eine Formation (oder Gangformation, so
zumindest der historisch gewachsene Begriff. Heute ist er wissenschaftlich
umstritten und es wird zunehmend der Begriff Assoziation verwendet).
Die Kenntnis dieser Zusammenhänge war für die Alten
entscheidend, danach richteten sich auch die in
der Grube getätigten Auffahrungen. Entsprechend
ist zum Verständnis einer Grube und für eine zielgerichtete Forschung die Kenntnis der bebauten Gänge sehr wichtig.
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