Freitag, 21. November 2008  
 
Home
Publikationen
Schwarzbuch
Befahrerhandbuch
Presseschau
Bildergalerien
Fotowettbewerb
Downloads
Links
Forum
Gästebuch
Kolloquium 2008
 
Mitglieder
Kontakt
Impressum
 
SiteMap
Newsletter
Intern






Home arrow Befahrerhandbuch arrow 6 Das Bergwerk - die Welt unter Tage. Was erwartet einen?

6 Das Bergwerk - die Welt unter Tage. Was erwartet einen? Drucken E-Mail
Geschrieben von Maja Bürger und Georg Leupoldt   
Donnerstag, 18. November 2004

6.4 Inschriften, Tafeln, Stufen



Abbildung 24: Wasserröhren mit Konus zum Verbinden

  Foto: privat



Neben den eigentlichen Arbeitsspuren, die mehr oder weniger unabsichtlich hinterlassen wurden, wurde vom Bergmann auch an wichtige Ereignisse erinnert, Orientierungspunkte unter Tage geschaffen und natürlich rechtlich relevante Punkte in der Grube gekennzeichnet. Am einfachsten geschah dies durch gemalte Holztafeln, aufwendiger waren schon Holztafeln mit vertieften









Abbildung 25: Verschiedene Tafeln

Fotos: privat

Links oben) gemalte Tafel; Rechts oben) geschnitzte Holztafel; Links unten) in den Stoß gehauene Tafel; Rechts unten) über Tage vorbereitete Steintafel in den Stoß gesetzt



Abbildung 26: Gangtafel

  Foto: privat



Schriftzügen, am dauerhaftesten wurden solche Dinge in den Stoß geschlägelt oder eine über Tage vorbereitete Steintafel wurde unter Tage in eine vorbereitete Nische eingesetzt oder am Stoß befestigt.

6.4.1  Gang- und Fundtafeln

Sehr typisch und auffällig sind im Freiberger Revier die Gang­bezeichnungen an Strecken­kreuzen (Abbildung 26), für die ab etwa 1835 eine Bezeichnungs­pflicht bestand. Ebenfalls auffällig sind die Fundtafeln (Abbildung 27), die neben dem Namen des Ganges das Jahr und den oder die Namen des jeweiligen Geschworenen beinhalten.





Abbildung 27: Fundtafel und Erläuterung

 

(Geschworener: Johann Carl Gottlieb Beutel)



6.4.2  Quartals- und Gedingezeichen

Unscheinbarer sind dagegen die Quartalswinkel (Abbildung 29), mit denen ab dem 16. Jahrhundert jedes Quartal der Streckenfortschritt und zugleich die Vortriebsrichtung gekennzeichnet wurde.

Die Quartale bezeichnen Jahresviertel, und zwar

I        Reminiscere:     St. Luciae (13. Dezember) bis  Fastnacht

II       Trinitatis:          Aschermittwoch bis                             Pfingsten

III     Crucis:   Pfingsten bis                                        Kreuzerhöhung (14. September)

IV     Luciae               Kreuzerhöhung bis                               St. Luciae.

SQL Manchmal beginnt Reminiscere am 1. oder 6. Januar, dann gibt es von Luciae bis Reminiscere ein Schluß-Quartal Luciae.





Abbildung 28: Beispiele für Jahrestafeln mit Quartalswinkel





Abbildung 29: Quartalswinkel

 


Nicht ins Bockshorn jagen lassen – es gibt verbürgte Fälle, in denen der Winkel in die falsche Richtung zeigt! Die Quartalswinkel wurden zuweilen mit Jahreszahlen und Entfernungs­angaben kombiniert, im Revier Freiberg mußte ab 1785 am Ende des Quartals Lucia die Jahreszahl mit einem solchen Winkel kombiniert eingehauen werden. Abbildung 28 zeigt Beispiele für solche Tafeln aus dem Freiberger, Abbildung 30 ein Beispiel aus dem Marien­berger Bergbau. Nach Adlung ([9]) stammt der Winkel von „L“ wie Lucia. Früher gab



Abbildung 30: Jahrestafel mit Quartalswinkel und Entfernungsangabe

  Foto: privat

Die Tafeln wurden über Tage vorbereitet und unter Tage eingesetzt



es nach neuesten Forschungen (Adlung, unveröffentlicht) für jedes Quartal ein eigenes Kürzel: Reminiscere „Z“, Trinitatis „T“, Crucis „Γ“ und Luciae „L“. Leider gibt es noch keinen einwandfreien Beleg am Stoß in dieser Reihenfolge.



Abbildung 31: Freiberger Gedinge unter Tage

  Foto: privat

Freiberger Gedinge, kombiniert mit Quartalswinkel, für das Nachreißen von Firste und Strosse, Morgensterner Revier





 



Abbildung 32: Freiberger Gedinge

 

Abbildung 33: Schneeberger Gedinge

a) Strecken-, Stollenvortrieb; b) Nachreißen der Firste; c) Nachreißen der Strosse; d) Nachreißen von Firste und Strosse; e) Schachtabteufen

 


Eine andere Gruppe von Zeichen bilden die Gedingezeichen, kurz Gedinge. Ein Gedinge bezeichnet in den meisten Fällen eine Vereinbarung über eine bestimmte Arbeitsleistung gegen ein festgelegtes Entgelt, unabhängig von der benötigten Zeit (wie noch heute gebräuchlich als „Stücklohn-“ oder „Akkord-“ Arbeit). Das Gedingezeichen bildete den Ansatzpunkt zum Aufmaß des verdingten Abschnitts. Üblich waren Gedinge im Stolln- und Streckenvortrieb und beim Nachreißen von Firste und Stoß einer Strecke, aber auch beim Schachtabteufen und im Abbau wurde verdingt. Für die Freiberger Gegend typisch sind die in Abbildung 32 gezeigten Formen des Freiberger Gedinges, im Obergebirge (Verbreitungsgebiet etwa Schneeberg – Joachimsthal – Annaberg – Marienberg) trifft man die „Mercedessterne“, das Schneeberger Gedinge häufig an (Abbildung 33). Gedinge waren üblich im 16. bis zuletzt ins 19. Jahrhundert, gelegentlich wurden auch die Gedingezeichen mit Zusätzen  (Jahreszahlen oder dergleichen) versehen.

6.4.3  Markscheiden und Verstufungen





Abbildung 34: Stufen

  Foto: privat

Links oben) Vierte-Pfennig-Stufe; Links unten) Beginn der Fundgrube; Rechts) Doppelkreuz (Verstufung)







Abbildung 35: Stufen mit noch unbekannter Bedeutung

Fotos: privat



Rechtlich besonders relevant Stellen wurden entsprechend auffällig unter Tage gekennzeichnet. Solche Stellen sind Markscheiden an Gruben­feld­grenzen, die durch sich an den Stößen gegenüberliegende, fette Kreuze vermerkt wurden, häufig als Malteserkreuz. War zu erwarten, daß ein solches Kreuz absehbar nicht lange lesbar sein würde (Löser, Liegendes einer stark geneigten Strecke), wurden die Kreuze auch mal übereinander gesetzt (Abbildung 36). Einfache, dünne Kreuze kennzeichnen oft unbedeutendere Vermessungspunkte. Diese Kennzeichnungen sind jedoch zeitlich und regional stark unterschiedlich.





Abbildung 36: Kennzeichnung einer Markscheide

links) Malteserkreuz; rechts) zwei übereinander stehende Kreuze als Kennzeichnung einer Markscheide (in der Regel jedoch an gegen­über­liegenden Stößen)



Weitere Stufen sind beispielsweise die Vierte-Pfennig-Stufe, die das Einkommen eines Stollns in ein Grubenfeld und damit das Enterben dieser Grube beziehungsweise eines höher gelegenen Stollns markieren (Abbildung 34, Enterben: Der Hersteller und Betreiber eines Entwässerungsstollns erhielt von der Grube einen Anteil als Entschädigung, meist ein Neuntel des Gewinns (das Stollenneuntel). Er ging dessen verlustig, wenn ein tieferer Stolln die Entwässerung übernahm, sein Stolln enterbt wurde. Als minimal erforderlicher Höhengewinn wurden bald 10 Lachter ~ 20 m festgelegt).

Wurde ein Stolln durch zwei verschiedene Rechtsträger getrieben, wurden die Abschnitte durch eine Verstufung (Abbildung 34) markiert. Die Bedeutung anderer Stufen ist zur Zeit noch unklar, möglicherweise wurden sie nur lokal verwendet (Abbildung 35). Rückschlüsse auf deren Bedeutung erfordern zunächst eine ganze Menge Material mit exakten Beschreibung der Fundumstände, insbesondere der Lage zu Stolln, Schächten und so fort.

Markscheiden und andere Stufen sind oft farblich hervorgehoben, durch Auslegen mit Rötel (angerührtem Ziegelpulver) oder weißem Letten (Lehm, Ton), bei weniger bedeutenden Vermessungspunkten oder einfachen Gedingen hat man das nicht so oft. Sehr detailliert ist das Thema zum Beispiel in [9] behandelt, von dort stammen auch zahlreiche Vorlagen zu den Zeichnungen.



 
< zurück   weiter >

 

 
     

 



         © GAG 1997 - 2008

 

Questions, Critics, Information and Contacts? E-Mail to GAG - Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
By browsing this site you indicate you have read and fully accept our use agreement and disclaimer


Advertisement

 
Bildergalerien
zufallsbedingt

Tunel José Maestre
Meist gelesen...
Die neusten Artikel
Newsletter
Name:
Email:


Links