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Seite 4 von 5 6.4.4 Polygonpunkttafeln 
| Abbildung 37: Polygonpunkttafel | |
Im Wismut-Bergbau wurde eine ähnliche Form der Orientierungsangaben üblich, die Polygonpunkte (siehe Kapitel 10.4.1) der untertägigen Vermessung erhielten Holz- oder Metallschildchen mit der Streckennummer, der Nummer des Polygonpunktes, Entfernungs- und/ oder Höhenangaben (Abbildung 37 und Abbildung 38). Diese Tafeln sind übrigens wichtige Orientierungshilfen, gerade wenn man Zugang zu Wismut-Rissen hat, und sollten nicht mutwillig zerstört werden! 
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| Abbildung 38: Polygonpunkttafel und Lage der Tafeln auf einem Polygonzug | Foto: privat | Links) Weiteres Beispiel für eine Polygonpunkttafel. 1/90: 1. Punkt auf Strecke 90; 11,223: Länge vom Ausgangspunkt; 479,657: Höhe Firste; 477,459: Höhe Sohle (jeweils absolut); Rechts) Darstellung eines Polygonzuges und Lage der zugehörigen Tafeln in einer Strecke | | | |
6.4.5 Und noch mehr... Bisweilen sind besonders wichtige Stellen und Ereignisse mit Jahreszahlen versehen, was natürlich für den Forscher ein besonderer Grund zum Jubeln ist. Die bisher älteste, derzeit noch zugängliche Jahreszahl im erzgebirgischen Bergbau ist eine 1551 im Raum Glashütte. Jahreszahlen ohne Angabe der ersten zwei Ziffern stammen mit Sicherheit aus dem 16. oder 17. Jahrhundert (oder sind noch älter, aber das glaubt dann keiner mehr). Nicht verwechseln mit Jahreszahlen darf man aber Entfernungsangaben, das muß man etwas nach der Fundsituation, der Schrift und ähnlichem beurteilen. 
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| Abbildung 39: Verschiedene Tafeln | Fotos: privat | Links) Jahrestafel; Rechts) IHS | | | |
Daneben wurde noch alles mögliche in Stein verewigt – an die Schießtafeln in der Alten Elisabeth in Freiberg sei erinnert, es gibt Initialen als Erinnerung an verunglückte Bergleute, künstlerisch gestaltete Wappentafeln zur Erinnerung an die Besuche hoher Persönlichkeiten, Tafeln zum Gedenken an geglückte Durchschläge, Gewölbetafeln und so fort. Manchmal lassen sich solche Tafeln anhand der Grubengeschichte bestimmten Ereignissen zuordnen, dies ist der schönste Fall, oder ihre Entstehung verliert sich im Dunkeln – dann sind sie bisweilen Anlaß für Sagen, wie die Tafel des Hans Benel am Donatschacht in Freiberg oder die Drei Köpfe in Schneeberg. Es gibt noch eine besondere Art von Tafeln – die, welche gar nicht existieren. Ist man im Altbergbau unterwegs, so narren einen nach angestrengtem Absuchen der Stöße mit der Zeit die Prunen und gaukeln alles mögliche vor – vom Mercedesstern bis zur Jahreszahl. Auch wenn man gerade nicht besoffen ist! 
| Abbildung 40: Herausgebrochene Tafel | Foto: privat | Grube bei Annaberg (eventuell betriebsbedingt aus der ursprünglichen Lage entfernt) |
Gerade bei Tafeln ist der Inhalt wichtig und so leicht per Skizze auf einem groben Handriß festzuhalten. Was Leute dazu bringt, die Dinger – zum Beispiel bei Wolkenstein, wo sie nur in den Stoß eingesetzt sind - aus dem Bergwerk herauszuschleppen, versteht der Kuckuck. In zwei Stunden Handarbeit hat man drei solcher Tafeln selber hergestellt – dies nur, um die Preise zu relativieren und etwas vom Anreiz gewerblicher Plünderer abzuknapsen. Besonders peinlich sind halbstarke Versuche, bei denen die Tafel zwar herausgebrochen, aber dann nicht weiter bewältigt und 20 m vom Ursprungsort entfernt fallen gelassen wird. Bisweilen wurden Tafeln auch schon im Betriebsablauf zerstört. Die authentischste Art, eine Tafel zu erhalten, ist eine Abformung herzustellen und diese nach einem Foto originalgetreu einzufärben. Wie’s geht, steht im Kapitel 10.6. Neben all diesen hochwissenschaftlichen Dingen gibt’s natürlich auch jede Menge Spaß unter Tage. Männer sind doch Schweine, und so findet sich dort, wo sie unter sich waren, auch Erotik in Stein und Ton. Die heile Welt oder auch Propaganda verewigte man im Bergwerk, zum Beispiel in der sehenswerten Maschinenkammer in Sadisdorf, in Annaberg und anderswo. Und kleine Neckigkeiten waren und sind an der Tagesordnung – die Teufelsstiege im Willi Agatz (Steinkohlen- und Uranbergbau im Döhlener Becken), die Mitteilungen der AG Weg und dezente Hinweise an die Mitarbeiter der Bergsicherungsbetriebe über ihr ewiges Zuspätkommen zeugen vom inneren Trieb des Menschen zur fröhlichen Bosheit. 
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| Abbildung 41: Nicht ganz bierernste Tafeln und sonstiger Schweinkram... | Fotos: privat | Links oben, Links Mitte) Maschinenkammer Sadisdorf; Links unten) Ag Weg; Rechts oben) Wie wir Männer so sind...; Rechts unten): der Gumpicht ist überall! | | | |
6.5 Ausbau 
| Abbildung 42: Pilzmyzelbehänge an einem Türstock | Foto: privat |
Ganz kurz werden hier die verschiedenen Dinge, die unter den Begriff „Ausbau“ zählen, angerissen. Gründlicher zur Sache geht es im Kapitel 12, wo zu den verschiedenen Mauerungs- und anderen Ausbauarten auch noch deren Herstellung beschrieben wird. 6.5.1 Ausbau von Strecken und Schächten zur Sicherung der Standfestigkeit Der Ausbau von Stollen und Strecken dient zum Schutz gegen Steinfall und Verbruch sowie zum Festhalten von Verfüllmassen zum Beispiel in über der Gangstrecke liegenden Abbauräumen. Er war oft aus Holz, vom 19. Jahrhundert an bis in die heutige Zeit auch aus Stahl und etwa seit Ende des 17. Jahrhunderts wurden in größerem Umfang Mauerungen (Gewölbe und Stützmauern) aus Naturstein oder Ziegeln verwendet. Sind Gewölbe oder Mauern ohne Bindemittel ausgeführt, werden sie als trocken gesetzt bezeichnet. Weisen Mauern und Stahlausbau keine großen Verformungen auf, können sie als standfest angesehen werden. Vorsicht geboten ist bei durchhängenden, seitlich ausgebauchten oder gar durchschlagenen Gewölben und bei Stahlausbau, der soweit durchgerostet ist, daß er sich unter der Auflast verbogen hat. Will man am Stahlausbau irgend etwas befestigen (beispielsweise ein Seil) oder auf Stahlträgern über einen Schacht laufen, sieht man sich vorher genau an, wo die Stahlkonstruktion befestigt ist, da manchmal zwar die Ausbauelemente noch gut erscheinen, aber das Auflager im Gestein wacklig ist oder Verbindungselemente weggerostet sind. Der bei Befahrungen anzutreffende Holzausbau ist in der Regel nicht älter als 50 Jahre (Abbaue ausgenommen). Unbehandeltes Holz verliert nach fünf, spätestens nach zehn Jahren seine Tragfähigkeit durch Fäulnis und Pilzbefall (Abbildung 42) und ist daher grundsätzlich kritisch zu betrachten. Besonders hinterhältig sind Nagelfäule und Trockenfäule. Die erstere hat mit der eigentlichen Fäulnis des Holzes nichts zu tun, hier sind die Holzteile (vor allem Fahrten!) noch ziemlich gut, die Befestigungselemente (Nägel, Fahrthaken) jedoch korrodiert und das Holz ist dort, wo der Nagel durchgeht, angegriffen. Gemein ist so etwas besonders auf genagelten Fahrten aus den 50er Jahren, bei denen die Sprossen nicht in die Holme eingelassen sondern in der Art einer Dachdeckerleiter nur aufgenagelt sind: steigt man auf der Fahrt, passiert es, das man plötzlich die noch festen Sprossen in der Hand hat oder gleich mit mehreren oder gar der herausgebrochenen Fahrt nach unten saust!

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| Abbildung 43: Fahrten | | Links) Fahrt mit geschwungenen Sprossen; Rechts) a: Fahrt mit geraden, eingelassenen Sprossen; b: Fahrt mit aufgenagelten Sprossen, so etwas findet man ab und zu im Wismut-Bergbau der 50er, als Befahrervariante grundsätzlich ungeeignet (unsicher!), wenn doch eingesetzt, Niro-Spanplattenschrauben verwenden und darauf achten, daß die Sprossen in den Kerben am Holm aufstehen und die Schrauben nicht auf Zug belastet werden; c) das ist keine Fahrt! | | | |
Die Trocken- oder Würfelbruchfäule wird von Braunfäulepilzen hervorgerufen, die das Holz nicht vollständig zersetzen. Es bleibt also das Holzstück, zum Beispiel ein Stempel, im Idealfall stehen und sieht von außen noch gut aus. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit unter Tage bekommt das Holz auch nicht gleich die charakteristischen Längs- und Querrisse der Würfelbruchfäule. Stößt man das Ganze an oder rüttelt an einer Fahrt, kann man zunächst einmal weit in das Holz hinein greifen und wenn es schon ordentlich durch ist, bleibt nur ein Haufen Moder und ein Besenstiel (der widerstandsfähige Kern) von dem vorher noch so gut aussehenden Ausbauholz. Holz, welches ständig von Wasser berieselt wird, vor allem von schwermetallhaltigem, oder unter Wasser liegt, ist oftmals besser erhalten, als solches, was auf dem Trocknen steht; darauf hundertprozentig verlassen sollte man sich aber nicht!
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