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9 Etwas speziellere Ausrüstungsgegenstände Drucken E-Mail
Geschrieben von Maja Bürger und Georg Leupoldt   
Freitag, 19. November 2004

9.1 Nachweisgeräte

Nachweisgeräte dienen einmal zur Vermeidung einer persönlichen Gefährdung. Dann sind ihre Werte grundsätzlich unter Berücksichtigung der Begleitumstände zu interpretieren, da durch Schlamm und Sudel auch Nachweisgeräte speziell für den Bergbau ihre Funktion aufgeben und in beide Richtungen falsche Werte liefern können. Gerade bei kommagenauen elektronischen Geräten man sollte daher die gemessenen Werte auf Plausibilität prüfen, bevor man sie für bare Münze nimmt, die robuste Wetterlampe ist meist genauso aussagekräftig aber nicht so störanfällig. Bei der Interpretation von Grenzwerten und Alarmgrenzen muß man zwischen den Grenzen für die Dauerexposition - viele Meßgeräte sind für diese Werte bestimmt - und Kurzzeitexpositionen unterscheiden, um die real bestehende Gefährdung richtig einzusortieren.

Auch bei der Verwendung von Meßgeräten zur Untersuchung irgendwelcher Theorien ist gesunde Skepsis gegenüber der Genauigkeit angebracht, für verwertbare Ergebnisse sind daher Kontrollmessungen und etwas Beschäftigung mit der Fehlertheorie unerläßlich.

9.1.1 Wetterlampe

Zur Kontrolle der Grubenluft auf eventuell enthaltene brennbare Gase kann die Davysche Sicherheitslampe oder kurz Wetterlampe dienen. Die von Sir Henry Davy in der Folge eines schweren Grubenunglücks in England erfundene Lampe besitzt ein die Flamme umgebendes doppeltes, sehr feinmaschiges Drahtnetz, welches Verbrennungshitze schnell ableitet, dadurch der Flamme entzieht und so die Ausbreitung einer Explosion verhindert. Aus dem Verhalten der Flamme kann man auf einen Methangehalt der Luft (bläuliche Haube über der Benzinflamme), und auf hohe CO2-Gehalte (Flamme brennt niedriger und verlischt leicht) schließen [8]. Die Lampe ist im Originalzustand mit einem Magnetverschluß gesichert, der ein Öffnen während der Befahrung ausschließt. Gezündet wird die Flamme mit der innerhalb der Drahtzylinder liegenden Reibrad-Zündvorrichtung, verlöscht durch rasches Abwärtsbewegen und anschließendes abruptes Stoppen der Abwärtsbewegung. Als Brennstoff wird Feuerzeugbenzin benötigt.

Abbildung 55: Wetterlampe

Quelle: [8]

9.1.2Gasprüfröhrchen, Balgenpumpe

Für nahezu alle gasförmigen Stoffe, für die Altbergbauforschung von Interesse sein können, beispielsweise CO, CO2, CH4, H2S und O2, gibt es die Möglichkeit des Nachweises mittels Gasprüfröhrchen. Wer schon mal als Autofahrer ins Röhrchen blasen durfte, hat beste Kenntnis von dieser Technik. Ein bestimmtes Volumen an Luft strömt durch das Röhrchen, wobei die in der Luft enthaltenen Gase in der Füllung des Prüfröhrchens eine je nach Gas und Füllung unterschiedliche Reaktion auslösen, die sich als Verfärbung äußert und somit qualitative, je nach Stärke und Ausdehnung in Luftstromrichtung auch quantitative Aussagen über den Gasgehalt der Luft ermöglicht. Praktisch bestehen die Prüfröhrchen aus Glas mit ausgezogenen Spitzen. Diese werden abgebrochen (an der speziellen Öse der Balgenpumpe) und in der markierten Richtung in die Pumpe eingesetzt. Durch eine definierte Anzahl von Hüben mit der Handbalgenpumpe (meist 1 oder 10, auf der Verpackung der Prüfröhrchen angegeben) wird ein bestimmtes Luftvolumen durchgesaugt. Leider sind die Prüfröhrchen nur einmal verwendbar.

Man kann Pumpen und Röhrchen mit ein bißchen Glück billig auf Trödelmärkten erhandeln, wenn die Eichfristen der Geräte abgelaufen sind. Für die Verwendbarkeit spielt das keine Rolle. Hat man dort kein Glück oder keine Zeit für den Versuch, bezieht man die Prüfröhrchen über Chemikalienhandlungen oder –kataloge.

9.1.3 Nachweisgeräte für ionisierende Strahlung

Zum Nachweis ionisierender Strahlung dienen Strahlungsmeßgeräte, die meist nach dem Prinzip des Geiger-Müller-Zählers arbeiten. Zwei Elektroden (üblicherweise der Zählrohrmantel und eine Innenelektrode) sind durch ein isolierendes Gas getrennt. Wird dieses durch Strahlung ionisiert, führen die nunmehr vorhandenen Ladungsträger zu einem kurzen Stromfluß zwischen beiden Elektroden, bis sie wieder neutralisiert sind. Der Stromfluß wird verstärkt und kann als Ton hörbar gemacht oder auch gezählt werden. Mit über das Zählrohr zu schiebenden Filtern aus unterschiedlichen Materialien können bestimmte Strahlungsarten (Alpha-, Beta-, Gammastrahlen) selektiert werden.

Waren die Geräte früher noch groß und sperrig, sind heute meist Zählrohr, Hochspannungserzeugung und Auswerteeinheit in einem handlichen Gerät vereinigt und in brauchbarer Qualität erschwinglich zum Beispiel bei Conrad Electronics erhältlich.

Zum quantitativen Nachweis der den Körper belastenden Strahlenmenge dienen Dosimeter. Diese bestehen prinzipiell aus einem strahlungsempfindlichen Film (selektiv nach der biologisch wirksamen Dosis der Strahlung) und werden während der Befahrung am Körper getragen. Anschließend wird der Film unter definierten Bedingungen entwickelt, die Schwärzung ist ein Maß für die stattgefundene Strahlungsexposition. Für Befahrungen im Altbergbau sind Dosimeter leider nicht sinnvoll anzuwenden, da die Voraussetzungen für eine qualifizierte Auswertung in den meisten Fällen nicht gegeben sind, siehe auch Kapitel 7.3.4.

9.2 Selbstretter

Im Bergbau werden zur Vorbeugung von Unfällen durch Gase sogenannte Selbstretter eingesetzt. Diese dienen der Atemluftversorgung während des Verlassens des gefährdeten Bereichs und sind für Benutzungsdauern von 1 bis 1½ Stunden ausgelegt. Der im Wismut-Bergbau ständig mitgeführte Selbstretter gehörte zu den außenluftabhängigen Rettern, das heißt die eingeatmete Luft wurde durch einen Aktivkohlefilter und andere Wirksubstanzen vor allem von CO befreit, um im Brandfall die Brandgaszone, in welcher die Luft mit diesem schnell tödlich wirkenden Gas belastet ist, verlassen zu können.

Neben den außenluftabhängigen gibt es außenluftunabhängig arbeitenden Selbstretter. Bei diesen Selbstrettern wird die ausgeatmete Luft chemisch recycelt, also vom CO2 befreit und erneut mit Sauerstoff angereichert. Dieser Typ sichert die Atemluftversorgung völlig unabhängig von der Umgebungsluft. In der Wismut, vor allem in der Grubenwehr, war der Typ Ш-7м (russisch, Scha-7m, eine silbergraue, 30 cm hohe und 15 cm im Durchmesser haltende Büchse) im Einsatz.

Ebenfalls völlig unabhängig von der Umgebungsluft ist man mit der vom Tauchen her bekannten Preßluftausrüstung, welche die Atemluftversorgung auch für mehrere Stunden aufrechterhalten kann. Allerdings sind die Geräte sehr sperrig und schwer.

 

 

Abbildung 56: Boot fahren

Foto: privat

Links) direkt vom Seil ins Boot abseilen; Rechts) Bootstour knapp unter der Firste eines Kammerpfeilerbaus – die eigentlichen hohen Bauen sind abgesoffen

9.3 Wasserfahrzeuge

Solange man festen Boden unter den Füßen hat, braucht man sich um sein und der Ausrüstung Vorwärtskommen keine Gedanken machen. Problematisch wird es, wenn der Boden unter den Füßen schwindet – dann braucht man Seiltechnik zur Fortbewegung "in der Luft" oder ein geeignetes Wasserfahrzeug.

Hat man einen Neopreneanzug und kein schweres Gepäck, kann man im klaren Wasser ganz gut schwimmen und Distanzen um hundert Meter sicher überwinden. Im grundlosen Schlamm kommt man jedoch mit Schwimmen nicht mehr oder nur unter extremen Krafteinsatz voran. Zudem hat man beim Schwimmen generell keine Möglichkeit, Defekte am Geleucht zu reparieren oder das Ersatzgeleucht aus dem Rucksack zu graben.

Das einfachste Hilfsmittel zum Fortkommen auf dem Wasser ist, abgesehen der Anrufung Jesu oder anderer Propheten, ein beliebiger Schwimmkörper, auf den man sich stützen und seinen Oberkörper sicher über Wasser halten kann. Eine solche Schwimmhilfe ist auch dann empfehlenswert, wenn es eigentlich immer auf Fahrbrettern langgeht, die einen bis eineinhalb Meter unter Wasser liegen. Bricht mal eines weg, geht man zwar auch ohne Schwimmhilfe nicht gleich unter (eventuell Rucksack abwerfen und Arme ins Wasser tauchen, damit der Auftrieb ausreicht, den Kopf über Wasser zu halten!), aber bequemer ist es doch mit einer solchen Stütze. Praktisch ist ein Autoschlauch, der Gummi ist relativ derb und wenn man in die Mitte ein Netz einknotet, kann man sein Gepäck recht bequem vor sich herschieben. Aber auch Styropor oder ein leerer Plastekanister ist eine zuverlässige Schwimmhilfe.

Abbildung 57: Maximski

 

 

 

 

Die nächste Stufe ist der nach seinen Erfinder benannte Maximski (Abbildung 57), ein kurzes Brett (zum Beispiel alter Ski) mit vorn und hinten angebrachten Schwimmkörpern (Vor allem die Herren entfernen vorher die Bindung des Ski!, Anmerkung des weiblichen Autors). Man setzt sich rittlings drauf, und wenn das Ganze geschickt gemacht ist, liegt der Auftriebsschwerpunkt der Konstruktion sogar oberhalb des Körperschwer­punktes, wodurch man sitzen kann ohne sich seitlich abstützen zu müssen. Das probiert man am besten vorher aus. Dennoch ist der Maximski nur geeignet, wenn man links und rechts an den Stoß langen kann, schon um sich abschieben zu können.

Bequemer, wenn auch nicht ganz so wendig und leicht transportabel sind natürlich alle Arten Boote. Von der Sicherheit her und von der Bedienung optimal sind starre Plastekähne, die bekommt man aber durch die engen Altbergbaustrecken oft gar nicht zum Ort des Einsatzes. Man behilft sich also mit Schlauchbooten oder baut sich vor Ort aus einzelnen Schwimmkörpern (Styropor, leere Plastekanister) solide Flöße zurecht. Die Wasserfahrzeuge sollten einen geringen Tiefgang haben, um möglichst wenig hängen zu bleiben und bei verschlammten Strecken die dünne klare Wasserschicht oberhalb des Schlammes nutzen zu können. Die Fortbewegung erfolgt je nach Örtlichkeit mittels Stakstangen, Stechpaddeln oder Abschieben von den Stößen. Beim Einsatz von Schlauchbooten ist zunächst auf robuste Konstruktion derselben und ferner auf eine möglichste große Anzahl unabhängiger Luftkammern zu achten – drei solcher Kammern sind das Minimum!

 
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