Freitag, 21. November 2008  
 
Home
Publikationen
Schwarzbuch
Befahrerhandbuch
Presseschau
Bildergalerien
Fotowettbewerb
Downloads
Links
Forum
Gästebuch
Kolloquium 2008
 
Mitglieder
Kontakt
Impressum
 
SiteMap
Newsletter
Intern






Home arrow Publikationen arrow Befahrerhandbuch arrow 12 Sicherung und Ausbau - nicht nur für Zugänge

12 Sicherung und Ausbau - nicht nur für Zugänge Drucken E-Mail
Geschrieben von Maja Bürger und Georg Leupoldt   
Montag, 22. November 2004
12.4.3 Ausbau mit Kappen

Auch der Ausbau mit Kappen bezeichnet nicht einen Befahrer­ausbau unter Umgehung des Vermummungsverbotes, sondern einen durchaus legitimen, manchmal arbeitssparenden Ausbau. Will man nur die Firste einer Strecke sichern, da die Stöße ausreichend standfest sind, setzt man Kappen mit dazwischen­liegendem Verzug ein.

In der Regel werden die Kappen in Bühnlöcher gesetzt. Diese werden im Stoß unter der Firste (Kappendurchmesser + Verzug) ausgeschlagen und zwar das eine Bühnloch rechteckig oder quadratisch und das andere als sogenannter Anfall, drei Seiten

Abbildung 94: Ausbau mit Kappen

Oben und Mitte aus: [31]

Unten nach: [32]

Oben) Kappenausbau mit Kappeisen

Mitte) Kappenausbau mit Kappschuh und Kappwinkel

Unten rechts) 1: eingebühnte Kappe, Durchmesser min. 15 cm; 2: Bühne aus Brettern, min. 35 mm; 3: Stempel mit Anpfahl zur Unterstützung von Ablösern; 4: Halbholz direkt unter der Kappe zur Lastverteilung

Unten links) 1: eingebühnte Kappe, Durchmesser min. 15 cm; 2: Bühne aus Brettern, min. 35 mm, 3: Nägel




winklig und eine (seitlich nach vorn oder nach oben; niemals nach unten!) schräg vom Tiefsten des Bühnloches zum Stoß hin auslaufend. Der Anfall ist nötig, da man sonst das Holz nicht straff hineinbekommt. Der Stempel wird mit dem Stichmaß zwischen den beiden Bühnlochsohlen abgemessen und zugeschnitten. Das Ende, welches in das winklige Bühnloch soll, wird am Ende gerade abgeschnitten und winklig entsprechend den Bühnlochmaßen zugerichtet. Das andere Ende bekommt, damit es über den Anfall in das Bühnloch gleiten kann, eine „kurze Ecke” in  Einschlagrichtung und eine „lange Ecke” ihr gegenüber, ähnlich wie bei einem Fachwerkzapfen.

Zum Einsetzen wird die Kappe in das allseits winklige Bühnloch gesteckt, mit der kurzen Ecke im Anfall angelegt und mit einem großen Hammer bis ins andere Bühnloch fest eingetrieben. Das geht sehr schwer und soll es auch, die eingesetzte Kappe darf nicht klappern! Im Anfall wird die Kappe mit einem Keil gesichert.

Ein Bühnholz im Schacht wird genauso eingebracht. Der Anfall zeigt grundsätzlich nie in die Richtung, in der die Kappe oder Bühne belastet wird, im Idealfall liegt er dazu entgegengesetzt. Kappen, Bühn- und Spreizhölzer werden niemals auch nur einseitig ausschließlich mit Keilen oder einem Anpfahl gehalten, es wird immer ein Bühnloch hergestellt oder ein Kappschuh oder -Eisen verwendet! Unter starker Belastung oder bei wechselnder Feuchtigkeit fallen Keile heraus und die Kappe samt daraufliegender Masse hinterher, außerdem verfaulen diese dünnen Konstruktionselemente eher als die starken Kappen- oder Bühnhölzer.

Wenn das anstehende Gestein empfindlich gegen Abscherung oder sehr hart ist, im großen und ganzen aber an den Stößen gut steht, verwendet man zum Auflegen der Kappen sogenannte Kappschuhe oder Kappeisen. Diese ersetzen das Bühnloch, das bei weichem Gestein sehr tief sein müßte oder bei sehr hartem Gestein arbeitsaufwendig ist. Beim Kappeisen im Stoß ein Loch gebohrt wird, in das ein tragender Rundstahl oder Anker hineinkommt. Die die Kappe tragende Konstruktion ist entweder am Rundstahl angeschweißt, der Rundstahl ist vorn zum Kappeisen gebogen oder ein Anker verspannt sich im Bohrloch und trägt auf dem vorderen Gewindestück einen Kappschuh. Die Kappen werden in Kappeisen oder Kappschuh hineingelegt und gegen den Stoß verkeilt.

Schön sieht sowas im Altbergbau jedoch nicht aus, wo es nicht ortsüblich gewesen ist, läßt man sich besser etwas anderes einfallen! Die Enge von Altbergbaustrecken verhindert zum Glück ohnehin oft groben Unfug mit dem Bohrgezähe, wieAnkerausbau in Schlägelstrecken. Abbildung 94 zeigt Ausführung und Beispiele für den Ausbau mit Kappen.

12.4.4 Polygonausbau

Abbildung 95: Offener Polygonausbau

Abbildung 96: Halber Polygonausbau

1) Kappe; 2) Kopfstempel; 3) Fußstempel; 4) Läufer; 5) Bolzen aus Halbholz; 6) Abrollung (Verzug aus Rundhölzern) bei größeren offenen Hohlräumen, beispielsweise Abbauen; 7) Verzug

1) Kappe; 2) Stempel; 3) Kopfstempel; 4) Fußstempel; 5) Läufer; 6) Bolzen aus Halbholz; 7) Abrollung; 8) Verzug

Abbildungen nach:[32]

Gebirgsdruck aus der Sohle tritt normalerweise in den für Befahrer zugänglichen Grubenbauen des klassischen Erzbergbaus nicht auf, kann aber zum Beispiel in Bauen des (Kupfer-) Schieferbergbaus vorkommen. Hier verwendet man zum Ausbauen entweder Abwandlungen der Türstöcke, die auch in der Sohle eine Spreize (Querholz) haben und damit zu Rahmen werden oder den allgemein in stark druckhaftem Gebirge oder bei unregelmäßiger Kontur gebräuchlichen Polygonausbau (Abbildung 95 und Abbildung 98). Der sehr arbeitsaufwendige Polygonausbau läßt sich gut in die in druckhaftem Gebirge (zum Beispiel auch Gangstrecken im Erzbergbau!) durch Ausbrüche entstehenden rundlichen Streckenprofile einpassen. Der geschlossene Polygonausbau entsteht aus dem offenen durch Einfügen einer Sohlspreize oder weiterer Stempel-Läufer-Kombinationen auch auf der Sohle.

Abbildung 97: Die historische „Vieleckzimmerung“ als Vorläufer des Polygonausbaus

aus: [31]

Nachfolgend werden die Arbeitsschritte für einen einfachen symmetrischen Polygonausbau ohne Sohlspreize und mit nur einem Läufer je Seite beschrieben, man kann aber bei fast runden oder unsymmetrischen Streckenprofilen durchaus auch mehrere Läufer und unsymmetrische Stempellängen einbauen, sollte dann aber das Polygon vollständig schließen, um die angreifenden Kräfte auf den Ring zu verteilen.

So wird ein einfaches Polygon hergestellt:

  • Sohle säubern, Bühnlöcher für Fußstempel aushacken
  • Fußstempel abmessen, zuschneiden und scharen
  • Fußstempel einsetzen, provisorisch verkeilen
  • Läufer zuschneiden (so um 2 m lang, entspricht Bauabstand) und auflegen
  • einseitig Bühnloch für Kappe herstellen (nicht unbedingt nötig, aber besser zum Bauen)
  • Kappe zuschneiden, Verblattung anbringen und fest gegen den Stoß verkeilen
  • Kopfstempel abmessen, Schar auf Läufer zugeben und zuschneiden
  • auf Läuferseite scharen, auf Kappenseite Blatt anschneiden und Kopfstempel einbringen

Die Läufer treffen sich an den Polygonen und werden, wenn mehr als zwei Polygone gestellt werden, dort verblattet auf die Fußstempel aufgelegt. Hat man das nächste Polygon fertig, wird noch folgendes getan:

  • Läufer gegen den Stoß verkeilen
  • Bolzen zuschneiden, scharen, einbringen
  • Verzug dort wo nötig einbringen

Abbildung 98: Ausgeführter Polygonausbau

Reproduktion aus: [48]

Wie auch beim Türstock- und Stempelausbau muß alles straff eingebaut werden, nichts darf wackeln oder klappern und der Verzug liegt dicht an Ausbau und Gebirge an. Nägel verwendet man höchstens als Haken, damit Werkzeug und Frühstücksbeutel nicht im Dreck liegen oder um ein Brett provisorisch anzuheften, selbstverständlich nicht, um vielleicht den Stoßverzug dauerhaft anzunageln, weil man zum Ausfüllen dahinter zu faul ist! Bauklammern meidet der ordentliche Zimmerling wie der Teufel das Weih­wasser, es sei denn, es soll ein historisch detailgetreuer Wismut-Ausbau aus den 50er Jahren nachgestellt werden, an dem dann jeder sehen kann, was Bäcker, Schuster und Friseure so alles aus Holz zustande gebracht haben.

Abbildung 99: Ausbau mit Stahl

Fotos: privat

Links) Ausbau mit stählernen Türstöcken und verzug aus Stahlprofilen mit Ziegeln

Oben) Für die Tschechei typischer Ausbau mit stählernen Gleitbögen und Wellblech (Krupka)

12.5 Stahlausbau

Will man ein Mundloch dauerhafter und „pflegeleichter” ausbauen, kann man die Türstöcke und den Verzug aus Stahlprofilen herstellen (nützlich: ausgemusterte Leitplanken). Als Kappen und Stempel verwendet man Doppel-T-Träger oder (Feld-)Bahnschienen, je nach dem, wieviel gehalten werden soll. Verbunden werden die Profile mit Winkellaschen und Schweiß- oder Schraubverbindungen. Vor allem bei auftretendem Seitendruck muß auf ordentliche Verbindungen geachtet werden (Scherkraftbeständigkeit der Schraub- oder Schweißverbindung!), im Zweifelsfall rechnet man die Mindestgröße der Verbindungen aus.

Abbildung 99 zeigt Möglichkeiten für den Ausbau mit eisernen Türstöcken beziehungsweise überhaupt mit Stahl, Abbildung 94 unter anderem die Kombination von hölzerenen Stempeln mit stählernen Kappen. Wie auch beim Holzausbau sieht man auf richtig in die Sohle eingesetzte Stempel und dicht am Gebirge anliegenden Verzug. Verzinkte Profile halten zwar ewig, sehen aber im Altbergbau - Verzeihung! - zum Kotzen aus. Diese Art Korrossionsschutz verkneift man sich besser zugunsten von unauffälligem Rostschutzanstrich oder man läßt es ganz bleiben, da starkes Stahlprofil sowieso länger gegen Rost beständig ist, als man selbst alt wird.



Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 23. November 2004 )
 
< zurück   weiter >

 

 
     

 



         © GAG 1997 - 2008

 

Questions, Critics, Information and Contacts? E-Mail to GAG - Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
By browsing this site you indicate you have read and fully accept our use agreement and disclaimer


Advertisement

 
Bildergalerien
Meist gelesen...
Die neusten Artikel
Newsletter
Name:
Email:


Links