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12 Sicherung und Ausbau - nicht nur für Zugänge Drucken E-Mail
Geschrieben von Maja Bürger und Georg Leupoldt   
Montag, 22. November 2004
12.6 Bruchsteinmauern und Gewölbe

Hat man beim Aufwältigen eines Mundlochs Gewölbereste vorgefunden, ist es aus Denkmalschutzgründen auf jeden Fall sinnvoll, wenn man sich wieder zur Herstellung einer Gewölbemauerung entschließt. Zunächst untersucht man an vielleicht noch stehenden Resten, ob die Mauerung mit oder ohne Bindemittel ausgeführt wurde und welche Arten von Steinen verwendet wurden. Sieht man das nicht mehr, versucht man, das Alter der Mauerung durch Archivarbeit herauszubekommen - wenn dort nur „Mauerung” oder „Gewölbe”  steht, so erfolgte dieses seit dem Ende des 18. bis ins 19. Jahrhundert fast immer mit Mörtel, ältere

Abbildung 100: Trocken gesetztes Gewölbe mit überspringenden Bögen

Foto: privat

Gewölbe sind trocken gesetzt. Bei der Planung einer neuen Mauerung beachtet man diese Tatsache - auch wenn es ohne Mörtel ein bißchen schwerer ist! Sagt euch jemand (etwa ein Statiker), daß es ohne Bindemittel nicht hält, dann schmeißt ihn raus, es ging jahrhundertelang ohne. Das in Abbildung 100 gezeigte Schachtgewölbe kommt ohne ein Gramm Bindemittel aus!

Die Herangehensweise beim Gewölbesetzen ist bei Gewölben mit oder ohne Bindemittel zunächst gleich: es wird als erstes eine Gewölbe­lehre gebaut, auf der das zu Anfang noch nicht geschlossene Gewölbe aufgebaut wird. Diese Lehre aus Holz muß sehr solide sein, denn sie trägt bis zum Einsetzen des Schlußsteins die gesamte Last der verwendeten Baustoffe. Die Maße der Lehre werden aus einer Zeichnung ermittelt, die man unbedingt vorher anfertigen sollte - vor allem dann, wenn kein einfacher Bogen gesetzt wird, sondern elliptisches Gewölbe, Korbbögen, Kellerhalsmauerung bei Schächten und ähnlichem. Es gibt aus dem vorigen Jahrhundert spezielle Fachliteratur über die Grubenmauerung ([49]), in der genauestens die Konstruktion einer Lehre für die einzelnen Gewölbearten beschrieben wird.

Beim Einbau der Lehre achtet man peinlich auf das Einhalten der vorgegebenen Maße für die Wölbung, baut sie standfest auf und denkt auch daran, daß die Lehre wieder hinausmuß, ohne daß man irgendwo reinreißt. Baut man an einen vorhandenen Gewölberest an, vermeidet man eine Baunaht, sondern verzahnt alte und neue Steine richtig miteinander, auch wenn man dazu einige alte Steine entfernen muß. Die Lehre ragt dabei ein kleines Stück unter das alte Gewölbe, damit es keinen Absatz gibt. Ist das aufzusetzende Gewölbe recht lang, baut man es abschnittsweise, wobei die hölzerne Lehre jedesmal weggenommen und wieder aufgebaut wird. Auch hier vermeidet man sichtbare Ansätze der einzelnen Abschnitte und paßt das Gewölbe der vorhandenen Streckenkontur etwas an, was jedoch nicht heißt, daß um Steine und vorspringende Ecken mit engen Krümmungen herumgebaut wird.

Ein aus der Gegend von Annaberg jüngst bekannt gewordenes Beispiel veranlaßt die Verfasser noch zu folgenden Bemerkungen: eine Gewölbelehre hat nichts gemein mit einer liederlichen Betongleitschalung! Sie ist starr aufgebaut, um Unregelmäßigkeiten (Beulen und dergleichen) in der Gewölbekontur, die die Tragfähigkeit des Bauwerks schwächen würden, zu vermeiden und den Maurer zu zwingen, anständig zu arbeiten und die verwendeten Steine dem zu setzenden Gewölbe anzupassen (und nicht umgekehrt, daß sich eine schlottrige Lehre selbständig der Strecke anpaßt!). Dünnes gebogenes Blech, Pertinax, Hartfaserplatten und biegsame PVC-Platten haben auf einer Gewölbelehre nichts zu suchen!

12.6.1 Trockenmauerungen

Abbildung 101: Gewölbe in einem Stolln

Foto: privat

Das trockene Aufsetzen von Bruchsteinen (auch bei Mauern) erfordert einige Übung, wichtig ist paßgenaues Arbeiten, es darf kein Stein beim Drücken auf die Ecken wackeln. Zunächst sucht man sich die passenden regelmäßig geformten unverwitterten Steine zusammen, dazu dann noch solche (kleineren) Steine, mit denen Unebenheiten ausgefüllt werden können. Der Aufbau des Mauerwerks erfolgt in nahezu waagerecht beziehungsweise gerade liegenden Schichten unter Vermeidung von Stoßfugen. Für eine Schicht verwendet man in etwa gleich hohe Steine, die man sich aus dem vorhandenen Material heraussucht oder zurechthaut. Man kann ausnahmsweise auch mal zwei dünne übereinanderlegen, überdeckt diese Stelle in der nächsten Schicht dann aber mit einem Stein. Die Schichten werden dicht gesetzt, Hohlräume und Fehlstellen mit kleinen Steinen (nicht mit Dreck oder Splitt!!!) schichtgerecht ausgefüllt (hochkant stehende Ausfüllung vermeiden). Klaffende Fugen in der Sichtseite werden am Schluß der Arbeiten mit dünnen Steinen ausgezwickt. Jede Schicht Steine liegt so fest, daß beim Daraufdrücken nichts mehr klappert oder verrutschen kann, daß ist ganz wichtig für den kraftschlüssigen Zusammenhalt der Mauer oder des Gewölbes. Beim Setzen der Wölbung legt man die Steine einer Schicht mit ihrer schmalen Sichtseite vollflächig auf die Lehre auf - das hat das Ergebnis, daß sie hinten auseinanderstehen. Diese Klaffung wird sorgfältig mit kleinerem (wenn vorhanden keilförmigem) Material schichtgerecht aufgefüllt, und zwar in der Art, daß sich die Steine des Gewölbes beim Wegnehmen der Lehre und der damit verbundenen Gewölbesetzung nicht weit nach unten bewegen können, sondern sich gegeneinander verkeilen und verspannen. Kommt man mit der Arbeit in den Scheitelbereich des Gewölbes, so ist es bei kleinem Radius oft schwierig, die Steine einer Reihe vor dem Überkippen zur Mitte hin zu bewahren. Man hält sie deshalb mit einem Brett, Keilen und Klötzern in ihrer Lage fest.

Die letzte Reihe Steine, der sogenannte Schlußstein, wird im Scheitel des Gewölbes eingesetzt. Hier kommt es besonders auf genaues Arbeiten an, da der Schlußstein den Gewölbebogen schließt und die meiste Belastung von allen Steinreihen auszuhalten hat. Die Enden eines Gewölbes (zum Beispiel am Mundloch) werden, so man nicht später noch ansetzen will, mit ausgesuchten Steinen, die eine gerade Kante nach vorn haben, ordentlich ausgeführt. Stehen Ecken und

Abbildung 102: Firstgewölbe

Abbildung links: [30]; Foto: privat

Links) Einfaches Firstgewölbe. a: Spannweite, b: Stich. Das Gewölbe stützt sich auf die ausgeschlägelten widerlager, die Spannweite a entspricht der Streckenbreite. Der Stich b gibt die innere Scheitelhöhe des Gewölbes über einer gedachten Linie, die die Fußpunkte der Widerlager verbindet, an: b= 0,10 ... 0,20 * a. Im Gegensatz zur Zeichnung ragt der Schlußstein nicht generell über den oberen Gewölbescheitel hinaus.

Rechts: Widerlager für ein dann doch nicht ausgeführtes Gewölbe




Abbildung 103: Ziegelgewölbe

Foto: privat

Unregelmäßigkeiten vor, so sieht das unschön aus, die nachträgliche Beseitigung mit Hammer und Meißel ist ziemlich aufwendig. Man kann den letzten Schlußstein in einem Mundloch etwas größer als die anderen machen, muß aber darauf achten, daß er dann richtig in den Reihen des Gewölbes sitzt. Ist man fertig mit Gewölbesetzen, wird die Lehre entfernt; ein spannender Moment, denn jetzt zeigt sich bei trocken gesetzten Steinen, ob man nicht vielleicht doch gepfuscht hat....!

Um sich richtig zu verspannen, benötigen Gewölbe, vor allem die trocken gesetzten, eine Mindestauflast, es ist ein Trugschluß, daß dazu dauerhaft die Eigenmasse des Gewölbes ausreichend ist! Man packt daher Masse oben drauf, je größer der Radius des Gewölbes, umso mehr.

 

Abbildung 104: Kombination zwischen trocken gesetztem und Gewölbe mit Bindemittel

Foto: privat

 

Das Ziegelgewölbe mit Bindemittel sitzt auf einer ebenfalls mit Bindemittel ausgeführten Mauerung auf. Oberhalb des Ziegelgewölbes wurde die Auflast bis zum Anstehenden so sauber gesetzt, daß ein ebenfalls tragfähiges Gewölbe entstanden ist

Im Scheitel sollte das Gewölbe bei einem normalen Stollenprofil (etwa 1,5 m breit) mit mindestens 30 cm Masse bedeckt sein. Diese Masse schafft gleichzeitig den festen Anschluß an das Gebirge und wirkt als Steinschlagpolster, sie sollte also sorgfältig bis an das Anstehende, wenn nicht gerade ein großer Abbau über der Strecke ist, gesetzt werden. Gewölbemauerungen sind empfindlich gegen angreifende Punktlasten und verformen sich bei solchen Lasten oder brechen unter Umständen durch. Man sieht sich daher schon beim Bau des Gewölbes nach Ablösern oder in großer Höhe hängenden Steinen oder loser Versatzmasse um und ergreift entsprechende Gegenmaßnahmen (Bereißen, gemauerte Pfeiler, Stahlträger, Anker und so weiter, auf jeden Fall etwas dauerhafteres als Holz!).



Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 23. November 2004 )
 
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