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Home arrow Befahrerhandbuch arrow 12 Sicherung und Ausbau - nicht nur für Zugänge

12 Sicherung und Ausbau - nicht nur für Zugänge Drucken E-Mail
Geschrieben von Maja Bürger und Georg Leupoldt   
Montag, 22. November 2004
12.4.1 Türstockausbau

Abbildung 87: Deutscher und polnischer Türstock

Umzeichnung nach [32]

Links: Deutscher Türstock 1) Kappe; 2) Stempel; 3) Bolzen aus Hartholz; 5) Verzug aus Altholz

Rechts: Polnischer Türstock 1) Kappe; 2) Stempel; 3) Verzug und Hinterfüllung; 4) Bolzen aus Hartholz; 5) Kopfspreize




 Eine weit verbreitete Art, Mundlöcher und Strecken in Holz auszubauen, ist der Türstockausbau. Dieser Begriff stammt aus dem Zimmermannshandwerk, dort ist der Türstock im Fachwerk das Konstruktionselement, an dem Haus- und Zimmertüren befestigt

Abbildung 88: Halbe Türstöcke

Umzeichnung nach [32]

Links) halber deutscher Türstock und Details: 1) Kappe; 2) Stempel; 3) Verzug; 4) Bolzen aus Hartholz

Rechts) halber polnischer Türstock: 1) Kappe; 2) Stempel; 3) Verzug und Hinterfüllung; 4) Bolzen aus Hartholz; 5) Kopfspreize




werden. Das Bauelement Türstock besteht aus zwei tragenden Ständern (bergmännisch: Stempel) und einem eingezapften beziehungsweise darüberliegenden Kopfriegel  (bergmännisch: Kappe).

Die zwei gebräuchlichsten Arten der Türstöcke sind Deutscher und Polnischer Türstock, Abbildung 87. Wer noch mehr Arten kennenlernen will, informiert sich in der Fachliteratur ([32]). Der Deutsche Türstock kann Lasten aus Firste und Stoß, der Polnische Türstock nur solche aus der Firste aufnehmen. Hat man sich bei der Auswahl vertan und es wirkt doch Seitendruck auf den polnischen Türstock, kann man das durch eine Kopfspreize direkt unter der Kappe etwas ausgleichen, wird aber nie die Tragfähigkeit eines Deutschen Türstocks erreichen. Ist in der auszubauenden Strecke wenig Platz und ein Stoß standfest (meist das Liegende), kann man halbe Türstöcke (Abbildung 88) einsetzen oder bei standfesten Stößen nur Kappen einbühnen oder auf Kappschuhe (siehe unten) setzen.

Die Türstöcke werden so eingebaut, daß die auf sie wirkende Kraft senkrecht zum Hangenden oder Firste in Richtung entgegen ihres Angriffs abgefangen und abgeleitet wird. In der Regel liegt die Kappe waagerecht und die Stempel stehen nahezu senkrecht (Lot und Wasserwaage!) mit etwas Sturz (ca. 1 Stammdurchmesser) nach unten außen. Der Abstand zwischen den Türstöcken wird je nach angreifendem Gebirgsdruck gewählt, dient der Ausbau nur zur Verhinderung gelegentlichen Steinfalls aus Firste und Stoß, werden die Türstöcke auf etwa 1,5 m Abstand gesetzt und dahinter verzogen. In stark druckhaftem Gebirge ist der Abstand kleiner bis hin zu vollem Schrot, das heißt einer am anderen. Damit bei einem schrägen Lastangriff auf einen Türstock dieser nicht gleich umfällt, werden die Türstöcke untereinander im Ansatzbereich Stempel/Kappe mit Bolzen gegeneinander verspreizt.

Beim Aufstellen eines Türstocks geht man folgendermaßen zu Werke:

  • Sohle säubern und Bühnlöcher für die Stempel aushacken (nicht nur in den Dreck stecken! Bühnlöcher sind je nach Gestein etwa 10 cm tief und nicht viel größer als das einzubühnende Holz)
  • Zuschneiden der Stempel, Schar oder Verblattung am Stempel anbringen
  • Aufstellen der Stempel, provisorisch etwas verkeilen, damit nichts wieder umkippt
  • Kappe abmessen und zuschneiden; bei deutschem Türstock: Verblattung schneiden
  • Kappe auflegen und gegen den Stoß dauerhaft verkeilen
  • Bolzen zum vorhergehenden Türstock abmessen, zuschneiden und einsetzen
  • First- und Stoßverzug einbringen

Der Verzug ist aus Brettern oder dünnem Rundholz und liegt dicht am Gebirge und am Ausbau an. Geht das nicht problemlos, zum Beispiel wegen größerer Ausbrüche in Firste und/ oder Stoß, wird der Verzug am Ausbau angelegt und der dahinter befindliche Hohlraum mit Steinen oder Altholz ausgefüllt, damit eine kraftschlüssige Verbindung an das Gebirge erzielt wird. Ist der Verzug ordentlich hergestellt, geht kein Zollstock irgendwo dazwischen!

Abbildung 89: Nachgiebig gestalteter Stempel am Beispiel einer Getriebezimmerung

Quelle: [31]

Wenn man den Hohlraum in der Firste nicht ausfüllen kann, weil etwa ein hoher Abbau darüber ist, macht man den Verzug aus nebeneinanderliegendem Rundholz (sogenannte Abrollung) und füllt darüber mindestens 0,5 m stückige Masse (keinen Dreck!) als Steinschlagpolster auf. Bei einem Steinschlag drückt es die Masse zusammen, Energie wird verbraucht und der Stein saust nicht durch den Verzug hindurch. Erwartet man eine starke Setzung des Gebirges auf den Ausbau (bei drückendem Gebirge, großplattig ablösenden Gesteinen wie Sandstein und Tonschiefer oder großen Ablösern) gestaltet man die Stempel an ihrem unteren Ende nachgiebig, indem man sie etwas anspitzt oder mehrmals durchbohrt. Wenn der Türstock stark belastet wird, gibt die so hergerichtete  Sollbruchstelle nach und nicht etwa die Kappe. Der Ausbau setzt sich ein Stück, die Belastung sieht man am aufgefaserten Ende des Stempels („Elefantenfuß”, Abbildung 89).

12.4.2 Ausbau mit Stempeln

In diesem Kapitel wird nicht etwa beschrieben, wie Ausbau nach Ansicht des Bergamts auszusehen hat, sondern ein weniger aufwendiger Ausbau, wo der Türstock nicht unbedingt erforderlich ist, wenn etwa nur einzelne Steine gehalten werden sollen. Bei gleicher Länge hat ein Stempel die vier- bis fünffache Tragfähigkeit einer Kappe, da das Holz in Längsrichtung wesentlich belastbarer ist als quer dazu. Deshalb vermeidet man, Ablöser mit langen Kappen oder Jochhölzern zu unterstützen, sondern stellt unter sie Stempel so auf, daß sie senkrecht zum Hangenden in Richtung des erwarteten Lastangriffs stehen. Das grundlegende Prinzip des Stempels mit Anpfahl zeigt Abbildung 90.

Abbildung 90: Stempel mit Anpfahl, Prinzip

aus: [32]

1) Stempel; 2) Anpfahl (Halbholz oder starkes Brett)

Im Liegenden des Ablösers wird ein Bühnloch für den Stempel geschlagen, am Ablöser eine Auflagefläche für den Anpfahl geschaffen (wenn der Stein dabei runterfällt, hat man ihn eben so losgekriegt...), Stempel und Anpfahl werden ausgemessen und zugeschnitten (Anpfahl anhalten und Stichmaß für Stempel nehmen), der Stempel auf der Anpfahlseite einseitig wenig angeschrägt und das ganze festgeschlagen (einer hält, der andere schlägt mit dem Bello fest). Keile, Bauklammern und Nägel sind Pfusch und werden nicht verwendet! Der Stempel muß so fest sitzen, daß man daran herumklettern kann und ihn nur mit äußerster Gewalt wieder herausbekommt.

Abbildung 91: Einsatzbeispiele des Stempels mit Anpfahl

nach: [32]

Variante 1) Sicherung eines Überhangs an einer Kluft; Variante 2) Sicherung einer Rutschungsfläche; Variante 3) Sicherung eines Kluftkörpers im Firstaushieb über einem Türstockausbau; Variante 4) Sicherung eines Kluftkörpers über einem halben Türstockausbau

 

Verschiedene Beispiele für die Sicherung von Ablösern zeigt Abbildung 91. Um die Knickfestigkeit dieses Ausbaus zu garantieren, wählt man das Verhältnis von Durchmesser zu Länge des Stempels nicht größer als 1:16. Die Stempel haben in der Regel einen Durchmesser von 150 mm, als Anpfahl wird ein mindestens 40 mm starkes und 160 mm breites Stück Baubohle (40 cm lang) benutzt.

Hat man größere Ablöser zu halten, benutzt man einen durchgehenden Anpfahl aus Rundholz (Halbholz) und zwei oder mehrere Stempel (Abbildung 92). Der Anpfahl hält den Stein zusammen und verteilt die Last etwas, die Stempel tragen den Ablöser. Keinesfalls stehen die Stempel soweit auseinander, daß der Anpfahl knicken könnte!

Mit zwei Stempeln wird der Ausbau wie folgt hergestellt:

  • Auflagefläche für Anpfahl am Ablöser schaffen
  • Bühnloch für (im Abbauräumen) oberen bzw. hangenden Stempel ausschlagen
  • Anpfahl anhalten und Stichmaß des oberen Stempels ((Bühnlochsohle - Anpfahläußeres) nehmen

Abbildung 92: Doppelstempel mit Anpfahl, Prinzip

aus: [32]

1) Stempel; 2) Anpfahl

  • Stempel auf Länge schneiden, dabei Schartiefe zugeben
  • Schar am Stempel anbringen
  • Stempel einbringen, festschlagen
  • Bühnlochansatz für unteren Stempel festlegen (in Flucht mit oberem Stempel senkrecht zum    Lasteintrag!)
  • Stichmaß nehmen, Schar zugeben, Stempel ablängen, scharen und einbringen

Abbildung 93: Einsatzbeispiele des Doppelstempels mit Anpfahl

nach: [32]

Oben links) Sicherung eines Ablösers im Liegenden (Rutschungsfläche); Oben rechts) Sicherung einesAblösers im Hangenden (Überhang); Unten) Sicherung des Hangenden gegen großflächige Ablöser

Die Stempel haben Durchmesser um 150 mm, das Halbholz für den Anpfahl wird aus ca. 190 mm starkem Rundholz hergestellt. Hat man so etwas nicht zur Verfügung, beilt man ein Rundholz auf einer Seite gerade ab (Sägen lieber nicht, siehe oben) oder verwendet ausnahmsweise mal Kantholz oder starke Bohlen (60 mm). Bei Kantholz oder Bohlen wird der Stempel selbstverständlich nicht geschart. Beispiele für das Sichern von Ablösern mit Doppelstempel und Anpfahl zeigt Abbildung 93.



Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 23. November 2004 )
 
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