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Home arrow Befahrerhandbuch arrow 12 Sicherung und Ausbau - nicht nur für Zugänge

12 Sicherung und Ausbau - nicht nur für Zugänge Drucken E-Mail
Geschrieben von Maja Bürger und Georg Leupoldt   
Montag, 22. November 2004

12.8.4 Kellerhalsmauerung

Die Kellerhalsmauerung ist, wie der Name schon sagt, ursprünglich zur Herstellung der Kellereingänge verwendet worden. Da diese in Form und Verlauf einem - wenn auch kleinen - tonnlägigen Schacht gleichen, lag es nahe, so einen Schacht in ähnlicher Art und Weise mit Bruchsteinen, später auch Ziegeln, auszubauen. Im Gegensatz zum seigeren Schacht tritt bei einem tonnlägigen Schacht das Problem auf, daß man im Hangenden keine gerade verlaufende Mauer zum Halten bekommt, schon gar nicht ohne Mörtel und bei drückender Auflast. Deshalb wölbt man das Hangende der Kellerhalsmauerung und - weil das sehr haltbar ist - gleich alle anderen Seiten mit dazu. Das zumeist standfeste Liegende ist oft nicht mit einbezogen, so daß nur drei Schachtstöße gemauert wurden. Die Mauerung ist dahinter, wie jeder voll verzogene Ausbau, mit Gestein bis an das Gebirge heran dicht ausgesetzt. Zur Herstellung der Kellerhalsmauerung verwendete man Lehren wie zu einem Gewölbe und baute abschnittsweise von unten nach oben. Durch sein hohes Eigengewicht belastet dieser Ausbau sein Auflager stark, es sitzt deshalb in absolut standfestem Gestein. Ist das Gestein nicht sehr tragfähig (beispielsweise im Gang), mußte man die Ausbausäule stückweise irgendwo aufstellen, dieses führte zur Entwicklung der überspringenden Bögen.

12.8.5 Kellerhalsmauerung mit überspringenden Bögen

Für die Anwendung dieser Mauerungsart gibt es mehrere Gründe. Einer ist der schon unter 12.8.4 genannte der nur stellenweise vorhandenen genügenden Festigkeit des Widerlagers. Ein anderer Grund ist, daß man glaubte, Arbeitszeit dadurch zu sparen, indem man nur die Widerlager für die Bogenfüße und nicht für die komplette Mauerung aushauen mußte. Diese Ansicht vertrat man regional auch bei Gewölbemauerungen von Stollen, vor allem im Schneeberger Revier sind dadurch regelrechte Kunstwerke entstanden.

Abbildung 111: Schachtmauerung mit überspringenden Bögen

Foto: privat

Blick von unten nach oben im tonnlägigen Schacht mit Blick zum Liegenden

Bei der Schachtmauerung mit überspringenden Bögen wurden zunächst die Widerlager für die Bogenfüße im standfesten Gestein ausgehauen. Danach baute man die Bogenmauerung mit Hilfe einer Lehre soweit auf, bis eine gerade Auflagefläche für die Schachtmauerung entstanden war. Die Bogenlehre wurde entfernt, die Lehre für die Kellerhalsmauerung errichtet und diese bis an den nächsten Bogen herangeführt. Im Liegenden baute man oft auch gerade Mauern, da eine Wölbung hier nicht unbedingt notwendig ist. Vorteil der Arbeitsweise mit überspringenden Bögen ist es, daß man, wenn die Mauerung nicht schon während des Abteufens eingebracht wird, an mehreren Stellen übereinander arbeiten kann.

Abbildung 112: Schachtmauerung als Scheibenmauern

Foto: privat

Blick von unten nach oben im tonnlägigen Schacht mit Blick zum Liegenden. Der Schacht ist im Gang aufgefahren und links und rechts mit Scheibenmauern vom Gang bzw. Abbau getrennt, Hangendes und Liegendes werden durch das Anstehende ohne Ausbau gebildet

12.8.6 Scheibenmauern auf Bögen, Schachtscheider

Sollten bei einem im Gang abgeteuften Schacht nur die kurzen Stöße gemauert werden, da sich beispielsweise seitlich an den Schacht ein Abbau anschloß, errichtete man vom Hangenden ins Liegende einen Bogen und baute auf diesem eine gerade Scheiben­mauer auf (Abbildung 112). Diese Mauer hielt dann die Versatzmasse im Abbau und verhinderte deren Auslaufen in den Schacht. Oftmals ersetzte diese Art der Mauerung eine vorhandene Schachtzimmerung, die durch ihre geringe Standzeit ständiger Instandhaltungsarbeiten bedurfte. War genug Platz, ließ man die Zimmerung stehen und baute die Mauer davor. Der Zwischenraum wurde mit kleinstückiger Masse aufgefüllt.

Bei manchen Schächten wurden auf diese Weise zudem noch Fahr- und Fördertrum durch einen gemauerten Schachtscheider getrennt. Dieser hatte in regelmäßigen Abständen, zweckmäßigerweise unter den Bögen, Öffnungen, durch die man zu Instandhaltungsarbeiten etwa an der Vertonnung vom Fahrten – ins Fördertrum steigen konnte. Diente der Schachtscheider zudem der Wetterführung, waren diese Öffnungen mit Türen versehen. Bühnhölzer und Einstriche wurden in Aussparungen in der Mauerung eingesetzt.

12.8.7 Rundschächte

Abbildung 113: Schachtmauerungen bei Rundschächten

aus [30]

Links) absatzweise Schachtmauerung;

Rechts oben) Mauersatz für eine Schachtmauerung; 1: Mauerung in Ziegel oder Bruchstein; 2: Auflager mit Widerlager im Fels; 3: Bergfeste, wird nach fertigstellung des nächsten Satzes nach und nach entfernt und ausgemauert; 4: anstehender Fels;

Rechts unten) Ausbildung der Mauerfüße




In stark druckhaftem Gebirge ist ein runder oder elliptischer  Schachtquerschnitt vorteilhaft, da er wesentlich standfester als ein rechteckiger ist. Zudem hat ein Kreis von allen zweidimensionalen geometrischen Figuren bei gleicher Fläche den geringsten Umfang, was natürlich bei der Schachtmauerung Material spart. Zuerst angewendet wurde ein runder Querschnitt bei Brunnen, wahrscheinlich aus statischen Gründen. Auf einem Riß aus dem 17. Jahrhundert, der eine Freiberger Grubenanlage zeigt, ist diese für den sächsischen Erzbergbau seltene Art der Mauerung dar­gestellt. Leider fielen die Radstuben dieses Schachtes der Sanierungs­wut eines Bergsicherungsbetriebes zum Opfer, ohne daß vorher eine Dokumentation angefertigt werden konnte.

Im Kohlebergbau ist wegen der gebirgs­mechanischen Verhältnisse ein runder Schachtquerschnitt häufig anzutreffen. Die Mauerung wurde eingebracht, indem man beim Abteufen des Schachtes über der jeweiligen Sohle ein Widerlager für einen Mauerungsabschnitt herstellt und diesen von unten nach oben aufbaut. Dabei entstehen zwischen den Mauerungsabschnitten Gebirgsfesten, die nach und nach entfernt und durch Mauerung

Abbildung 114: Steighilfen

rechts) aus [30]

Von links nach rechts: Steigbrett; Baumstamm, Knotenseil, Steigbaum




ersetzt werden, so daß zum Schluß keine Ansatzstellen mehr zu sehen sind (Abbildung 113).

Bei drückendem Gebirge oder durchteuftem Lockergestein verbleibt die Zimmerung hinter der Mauer, der Zwischenraum wird mit Masse oder Beton ausgefüllt. Für die Mauer wurden meist Hartbrandziegel, aber auch Sandstein (Steinkohlebergbau Freital) und andere Werksteine verwendet.

12.9 Erkundungsausbau: „Befahrerverwahrungen“

Abbildung 115: Befahrerschurf auf einen Schacht

Foto: privat

Fachlich-Technisch jenseits von Gut und Böse, aber zweckmäßig und geringer Aufwand für eine erste Erkundung: ein typischer Befahrerschurf. Lohnt sich das Objekt, wird richtig ausgebaut

Manchmal kommt es vor, daß nicht jeder einen Zugang finden soll, sei es, um ungestört forschen zu können, ohne daß jemand (aus Unkenntnis?!) etwas zerstört oder weil gesetzliche Bestimmungen den Befahrer, der legal einen Zugang schaffen will, zum wilden Ritt auf dem Amtsschimmel nötigen, bei dem sich schon mancher den Hals gebrochen oder aufgegeben hat.

Zudem ist man bestrebt, mit wenig Aufwand (zu wenig für etwa einen Berginspektor von drei Zentnern, der sich dann zum Einfahren auf die Knie in den Dreck begeben müßte) erst einmal nachzusehen, ob sich der Ausbau zu einem dauerhaften Zugang überhaupt lohnt, wie zum Beispiel bei einem 100 m langen Stollen, den man nur mal fotografieren und vermessen will. Abbildung 115 und Abbildung 120 vermitteln einen Eindruck von typischen „Zweckbauten“.

Abbildung 116: Befahrerverwahrungen: J-Tonne

 

1) Mülltonne 240/ 360 Liter; 2) Rollreifenfaß; 3) gewachsener Fels/ Anstehendes; 4) Grobstückige Auffüllung (Lagesicherung und Drainage); 5) kleinstückige Auffüllung; 6) Trennlage aus Folie (Verhinderung von Auswaschungen und Wettersperre); 7) Auffüllung mit Aushub (Oberboden, wie 13); 8) vorhandener Bewuchs beziehungsweise Neupflanzung; 9) Tarnung auf dem Deckel mit Draht angerödelt; 10) Steigbrett; 11) aufgewältigter Stolln; 12) Grenze des Schurfgrabens; 13) Oberboden wie gewachsen

Selbstverständlich wollen wir niemanden zu illegalen Aktionen aufrufen (Nein, Nein!), sondern lediglich über alternative Ausbau­arten informieren!

Der Ausbau von Schurfgräben und -schächten wurde schon oben beschrieben. Diese Techniken bilden natürlich auch dann die Grundlage, wenn es etwas unauffälliger zugehen soll. Will man einen geöffneten Zugang ohne großes Aufsehen dauerhaft erhalten, muß man je nach Qualität der vorherigen Arbeit nur noch Abdecken oder noch einmal gründlicher von vorn anfangen.

Wie schon im vorigen Kapitel besprochen, ist ein runder Querschnitt für einen Hohlraum statisch günstig. Ein Ausbau mit solchem Querschnitt ist, wenn die auszubauende Strecke in den Lockermassen nicht allzu lang wird, ein (oder auch mehrere) Rollreifenfaß oder gesäubertes Ölfaß. Wer hat, nimmt verzinkte Fässer oder streicht mit Rostschutz an. Zur Verwendung werden Deckel und Boden entfernt und das Faß in das vorher etwas größer ausgehobene Schürfloch eingesetzt. Dahinter wird ordentlich ausgefüllt und verdichtet – siehe Abbildung 116.

Baut man diese Art Ausbau senkrecht ein, kommt man bei mehreren übereinanderstehenden Fässern schlecht raus, da es eng und glatt ist. Hier hilft eine schmale Eisenfahrt oder alternative Steighilfen (Abbildung 114). Einige an­geschraubte Schlingen aus verrottungs­festem Material (zum Beispiel Bandschlinge, Kletter­seil, Förderband­gummi) helfen beim Einfahren, weil man sich festhalten kann und nicht gleich durchfällt.

Der Rucksack kommt beim Einfahren über den Befahrer, beim Ausfahren wird er am Strick nachgezogen und der Untermann paßt auf, daß nichts hängen bleibt. An der Tagesoberfläche wird die Konstruktion mit einem Faßdeckel (oder etwas anderem stabilen) so verschlossen, daß man darüberlaufen kann, ohne einzubrechen und einen Wetterzug zu verspüren. Über den Deckel kommen Steine, Laub, Erde oder Gras, je nach dem, was in der Umgebung vorhanden ist. Ist die Sache gut gemacht, kann auch ein mit allen Wassern gewaschener Befahrer darüberlaufen, ohne zu merken, was los ist.

Abbildung 117: Befahrerverwahrungen: Modell DKK

 

1) präparierter Kühlschrank. Nur einsetzbar bei sicher abgesperrten Zugängen, da nicht durchtrittsicher!; 2) Unterkonstruktion aus Gerüstrohr und –schellen; 3) Verzug: Wellblech; 4) Verzug: Bohlen, ausgediente Kunststoffteile; 5) Trennlage aus Folie/ PVC-Werbeplane; 6) kleinstückige Auffüllung; 7) grobstückige Auffüllung; 8) Auffüllung mit Oberboden wie gewachsen; 9) ursprünglicher Oberboden; 10) Grenze der Aufwältigung; 11) Anstehendes; 12) Schacht; 13) Gerüstfahrt; 14) Tarnung entsprechend des vorhandenen Bewuchses; 15) Absperrung mit Hinweisschild auf Gefahr (in der Regel bauseits vorhanden)

Möchte man eine unauffällige Bewetterung haben, schneidet man das Faß unter der Geländeoberfläche etwas aus und verlegt abgedeckt und trittfest eine „Lutte” aus 150er KG-Rohr, Ofenrohr oder Drainagerohr bis an eine Stelle, an der im Winter ein schneefreier Fleck nicht auffällt und wo im Sommer niemand den kalten Wetterzug spürt, zum Beispiel an die nächste große Baumwurzel oder ins dichte Gestrüpp, Steinhaufen, „zufällig” im Wald herumliegenden, schön alt und vergammelt aussehenden Unrat (Korb, Sieb oder ähnliches) oder Asthaufen.

Der Verschluß des Zugangs mit einem Faßdeckel hat den Nachteil, daß man ihn nach dem Einfahren nicht wieder so zubekommt, daß ein zufällig Vorbeigehender nicht merkt, daß etwas im Busch ist. Da man nicht verpetzt werden will und auch der beste Blechdeckel mit der Zeit durchrostet, verwendet man korrosionsfestes Material. Am besten etwas, das man als Ausbau verwenden kann und wo der Deckel gleich fest dran ist: eine Mülltonne. Die sind aus Kunststoff, leicht zu beschaffen und zu transportieren und es gibt sie in verschiedenen

Größen. Erfahrungs­gemäß gehen die Ausführungen mit 240 und 360 Liter Inhalt gut zu verwenden, 120-l-Gefäße sind zu eng. Gebaut wird wie beim Faß, man kann das auch kombinieren (unten Fässer, oben Mülltonne, Abbildung 116).

Abbildung 118: Befahrerverwahrungen: Modell Vorgarten

 

1) Stolln; 2) Ausbau, hier gemauerter Schrot; 3) Abdeckung, hier Platte aus Stahlbeton; 4) äußere Wanne; 5) innere Wanne; 6) Tragschicht des verschlusses, hier Stahlbetonausguß im Wannenboden; 7) Abflußloch; 8) versenkbarer Aushebegriff; 9) Oberboden; 10) ortsspezifische Tarnung; 12) Rösche; 13) Anstehendes; 14) Fahrt

Der Deckel erhält einige Löcher, durch die man Drähte ziehen kann. Mit dem Draht wird die auf dem Deckel liegende Tarnung befestigt. Im Idealfall funktioniert das dann so: man geht auf die Wiese, hebt ein Stück Rasen an und verschwindet darunter spurlos. Das ist nicht etwa Befahrerlatein, solche Zugänge gibt es! Bei Schnee ist dort natürlich Befahrungs­pause. Die Deckel der Mülltonnen haben verschiedene Farben, bei der Auswahl achtet man darauf, daß blau und gelb in der Natur auffallen, falls mal der Belag verrutscht. Eingefahren wird mit denselben Steighilfen wie beim Faß. Wenn man einen Schurfschacht mit Gerüstrohr oder Holz ausgebaut hat, eignet sich als Einstieg das abgesägte Oberteil (Deckel und ein kurzer Rand) einer Mülltonne ganz gut, welches man in die (verdeckte) obere Bühne, die aus Holz oder starkem Blech ist, einbaut. Ein Überzug aus Folie oder PVC-Plane (gern für Werbezwecke verwendet) über alle abzudichtenden Teile schützt im Winter vor starkem Wetterzug, der das Loch verraten würde.

Andere schlimme Ausgeburten erzwungen krimineller Phantasie zeigen die Abbildung 118 und Abbildung 117, die beliebig kombiniert oder auch nur als Anregung verstanden werden können. Der Tip mit dem Kühlschrank kommt übrigens aus dem Westen, wo man unter gleichen Problemen leidet – danke nochmal. Schneidet man beim Kühlschrank die front­seitige Blechverkleidung aus und entfernt die Wärmedämmung, hat man eine prima Pflanzschale. Man muß lediglich die Farbgebung noch etwas ändern. Auch für schräg bis fast senkrecht liegende Türchen ist ein Kühlschrank geeignet, speziell wenn man das Blech der Tür nicht völlig aus, sondern nur mehrfach quer einschneidet und die Streifen zu Pflanzschalen biegt.

Hier nicht dargestellt und zu den legalen Verwahrungen überleitend (Abbildung 181, Kapitel 16.5.3) ist der Ausbau mit Beton, Brunnenringen und Kanaldeckeln. Das Material ist etwas sperrig in der Handhabung und kostet Geld, aber man hat eine solide Arbeit, die ohne Pflege Jahrzehnte halten kann und sich keinerlei Vorwürfe wegen „Fallgrubenbaus“ gefallen lassen muß. Kostenpunkt für einen 1000er Brunnenring, 50 cm hoch: um 60 DM, für einen Kanaldeckel B125 um 80 bis 100 DM. Geht es um ein wichtiges Objekt, sollte man es sich überlegen, ob der sichere und dauerhafte Ausbau nicht drei- bis vierhundert Mark wert ist! Unter normalen Bedingungen würde dieser Betrag vom Bergamt gesponsert werden, die Arbeitsleistung bekäme der Staat gratis und ein weiteres „Loch“ wäre mit Gewinn für alle Beteiligten sinnvoll saniert!

Abbildung 119: Weg zu einem getarnten Zugang

 

Der Weg (dünn gestrichelt) zu einem inoffiziellen Zugang läuft nicht direkt, sondern hinten herum, möglicht jedesmal ein wenig anders gegangen, um keine Trampelpfade zu schaffen

Zu diesen schlimmen Sachen noch ein pädagogischer Stinkefinger: man baut Verwahrungen, keine Fallgruben für seine Befahrerkollegen! Ist also unter den genannten DIN- und gesetzlosen Bauwerken ein offener Schacht verborgen oder geht es bei einem Mundloch ohne Vorwarnung ins tiefe Wasser, bringt man unter dem Deckel einen entsprechenden Hinweis an, bei Schächten auch eine stabile Lasche oder Öse zur Seilsicherung und man vermerkt deren flache Teufe, damit andere Befahrer genügend Seil mitbringen. Kinder und unkundige Personen sollten Befahrerzugänge, unter denen offene, mit speläoalpinistischer Technik zu befahrende Schächte sind, niemals finden können!

Abbildung 120: jenseits der DIN: „Befahrerverwahrung“

Foto: privat

Der Umgebung angepaßter Verschluß: Sperrmüll liegt 5 m neben dem Zugang, davor werden noch Steine geschichtet

Abgeschlossen werden Befahrerzugänge keinesfalls, vor allem dann nicht, wenn zu einem ausgedehnten Grubenbau mehrere Zugänge existieren, da im Notfall jeder ohne Hindernisse überall ein- und ausfahren können muß oder oft auch mehrere Gruppen unterwegs sind, die voneinander nichts wissen. Es soll schon vorgekommen sein, daß man auf einer Befahrung nicht mehr zum eigentlichen Mundloch hinauskam, da jemand wahrscheinlich das offen stehende Loch nicht schön fand, fest zumachte und die davon betroffenen Herren des Bergamtes das Vergnügen hatten, sich von der Qualität einer Befahrer­verwahrung persönlich zu überzeugen und den Vorteil mehrerer Zugänge kennenlernten. Aus diesem Grund wird nichts wild offen gelassen, aber auch nach dem Einfahren nicht hinter sich

Abbildung 121: Gerüstfahrt

so zugerammelt, daß niemand rein und raus kann, es sei denn, man befährt einen sonst ohnehin abgeschlossenen Stollen oder Schacht und es ist ein zweiter Schlüssel für andere jederzeit greifbar. Generell sollte man jeden inoffiziellen Zugang wieder sorgfältig abtarnen, auch wenn er vorher sperrangelweit offenstand und man das schon zum x-ten Mal macht.

Einen mit engen, mit den oben beschriebenen Deckeln verschlossenen Schacht mit Seiltechnik zu befahren, ist nicht jedermanns Sache. Gute Fahrten aus Holz oder Stahl sind teuer oder nicht ohne weiteres zu bekommen und selbstgenagelte Holzfahrten halten erfahrungsgemäß nicht länger als zwei bis drei Jahre. Eine erprobte Alternative ist Gerüstrohr, welches alle 5 bis 10 m mit einer beweglichen Schelle und Schraubspreize im Hangenden und Liegenden des Schachtes festgemacht wird. An das längs durchgehende Rohr werden abwechselnd rechts und links „Fahrtsprossen” aus kurzen Rohrstücken mit eisernen starren Gerüstschellen angebracht. Der Sprossenabstand beträgt zwischen 30 und 40 cm. Den Aufbau solcher Fahrten zeigt Abbildung 121. Wenn der so ausgebaute Schacht seiger ist oder einen weiten Querschnitt besitzt, wird dringend empfohlen, ein Sicherungsseil nebenher zu verwenden! Auf Aluminiumrohr und -schellen sollte man verzichten, da unter dem Einfluß saurer Grubenwässer die Haltbarkeit von eisernen Teilen besser ist. Hilfreich zum Einbau der Fahrten in einen leeren Schacht ist eine kleine Hängebühne (im einfachsten Fall ein starkes Brett), die an Stahlseilen von einer der letzten Fahrtsprossen hinuntergehängt und über eine kurze Fahrt, die ebenfalls an einer Sprosse angebunden ist, erreicht wird. Selbstverständlich seilt man sich zum Montieren der Gerüstfahrt an.

12.10 Verwahrung

Bisweilen kann es erforderlich werden, einen Zugang zeitweise oder dauerhaft zu verschließen. Das kann bei den „Befahrerzugängen“ der Fall sein, wenn im Gebiet etwa umfangreiche „Sich-Sanierungs-Maßnahmen“ selbsternannter Bergsicherer bevorstehen, bei Eigentumswechseln von Grundstücken und dergleichen. Bisweilen wird auch bei Baumaßnahmen der Verschluß eines Zugangs erforderlich.

Handelt es sich um den einzigen Zugang zu einem Grubenbau, liegt es im Interesse der bergbauhistorischen Forschung, zuvor eine möglichst gründliche Dokumentation anzufertigen und verstärkt nach Möglichkeiten zu suchen, einen anderen Zugang zu öffnen oder dessen Öffnung weitestgehend vorzubereiten. Auf alle Fälle wird die Lage des Zugangs genau dokumentiert, und zwar von dauerhaft verfügbaren Punkten aus (Grenzsteine, trigonometrische Punkte, lagerichtige Eintragung in topografische Karten 1:10.000).

Zuweilen läßt sich entgegen den ursprünglichen Absichten dennoch ein Zugang erhalten. Argumente sind beispielsweise der Fledermausschutz (nach dem sächsischen Naturschutzgesetz dürfen unter anderem Fledermausquartiere nicht zerstört werden!) und der Denkmalsschutz, vergleiche auch Kapitel 16.5.3.

Liegt der Zugang auf Privatbesitz, ist der Eigentümer oft für eine Aufklärung über die überhaupt aus bergbaulicher Sicht bestehenden Risiken (oft eben keine) und die Rechtslage dankbar. Er hat dafür zu sorgen, daß von seinem Grundstück keine Gefahren für die Allgemeinheit ausgehen und daß Altbergbauanlagen so gesichert sind, daß keiner unbeabsichtigt hineinfallen kann. Aber ob er daß mittels einem Gitter im gesetzten Mundloch (mit Schloß!) oder mit 100 m³ Beton sicherstellt, den ihm vielleicht irgendein Spezialist einreden will, ist seine Sache – schließlich muß es das auch bezahlen. Wann sich die Verantwortlichen im Staate Sachsen an eine entsprechend vernünftige Verwaltung der Steuergelder gewöhnen, statt sinnlose Teufen der Bergsicherungsbetriebe mitten auf dem Acker zu finanzieren, steht leider in den Sternen.

Soll ein inoffizieller Zugang dauerhaft verschlossen werden, meist um seine Entdeckung und Vernichtung zu vermeiden, erreicht man sein Ziel am sichersten, indem man einen halben bis einen Meter tief abteuft, ein Auflager schafft (Größe nach Erfordernis der zu erwartenden Belastung festlegen) und das Mundloch oder den Schacht mit Steinplatten (oder Hohldielen oder entsprechende Betonelemente) verwahrt. Ist das betreffende Loch zu groß für die Abdeckung mit Steinplatten, verwendet man Schienen oder entsprechende Stahlelemente oder gießt – am allerbesten – eine bewehrte Ortbetonplatte, natürlich mit einem Loch in der Mitte! Drüber kommt zunächst eine Plastefolie, um das Auswettern und Ausspülungen aus der Deckschicht zu verhindern. Dann folgen zunächst großformatige Natursteinplatten aus der betreffenden Gegend, grobstückiges Haufwerk und schließlich ein Bodenaufbau wie ringsum vorhanden. Bei der Gestaltung der Oberfläche lasse man seine Phantasie walten! Eingemessen wird ein solcher Zugang zweckmäßigerweise ein dauerhaft verwahrter.



Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 23. November 2004 )
 
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