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Home arrow Publikationen arrow Befahrerhandbuch arrow 14 Montanspeleologische Techniken

14 Montanspeleologische Techniken Drucken E-Mail
Geschrieben von Maja Bürger und Georg Leupoldt   
Donnerstag, 25. November 2004

14.5.6 Gurte

Nächst dem Seil sind die Gurte die wichtigsten Utensilien bei der ganzen Seiltechnik. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Sitzgurt. An ihm werden Abseil- und Aufstiegsgeräte sowie die Sicherungs­schlingen befestigt. Der straffe Sitz der Bruststeigklemme wird durch einen zusätzlichen Brustgurt oder auch nur eine verstellbare Bandschlinge erreicht (Abbildung 147).

Ein guter Sitzgurt sitzt überall straff, ohne zu drücken. Auch bei längerem Sitzen wird die Blutzirkulation nicht beeinträchtigt (eingeschlafene Beine). Er ist über ausreichende Einstellschnallen an die Körperform des Befahrers und dessen Bekleidungszustand anpaßbar. Er läßt sich unproblematisch anlegen, hat genügend und stabile Ösen zum Einhängen von Material und Kleinkram (Karabinern, Abseilern, Schleifsäcken...) und ist überhaupt die Quadratur des Kreises. Generell ist ein vollwertiger Hüftgurt empfehlenswert, aus dem man auch bewußtlos kopfüber hängend nicht herausfällt - zum Muß wird ein solcher, wenn man auf einen regulären Brustgurt verzichtet und statt dessen ein Stück Schlinge verwendet.

Abbildung 147: Gurte für die Einseiltechnik

Links) Kombination aus Sitz- und Brustgurt; Mitte)  Kombination aus Sitzgurt und verstellbarer Bandschlinge; Rechts) verstellbare Bandschlinge

Der Gurt muß gewährleisten, daß die Bruststeigklemme gut vor dem Körper sitzt - das heißt in senkrechter Position für guten Seildurchlauf, flach am Körper anliegend für gute Bedienbarkeit und in der Höhe straff fixiert, weil man durch eine lockere Steigklemme bei jedem Schritt zwischen 10 und 20 cm der aufgestiegenen Höhe beim anschließenden Hineinsetzen wieder einbüßt. Um viel Platz für das Verschieben der oberhalb der Bruststeigklemme befindlichen Handsteigklemme zu haben, soll die Bruststeigklemme und damit auch die entsprechenden Aufhängelaschen des Sitzgurtes möglichst tief sitzen - günstig knapp oberhalb des Bauchnabels.

Diese tiefe und starre Lage des Aufhängepunktes haben Klettergurte nicht, sie sind dehalb ungeeigneter als ein spezieller Speleogurt. Jedoch sind ein Klettergurt und eine verstellbare

Abbildung 148: Formen für Zentral-Schraubglieder

Links) Günstige D-Form; Rechts) ungünstigere Delta-Form

Bandschlinge, wenn sowieso vorhanden, erst einmal besser als gar nichts. Will man sich aber ernsthaft mit der Seiltechnik einlassen und sich nicht nur gelegentlich beim Fahrtensteigen oder einer Schachtpassage sichern, wird man um einen Speleogurt nicht herumkommen.

Nach Erfahrung der Autoren sollte man neben diesen Allgemeingültigkeiten auf folgende Punkte achten: Auf spezielle Polsterungen kann man getrost verzichten, da man sowieso genügend dicke Schichten Kleidung tragen wird. Ebenso ist ein spezieller Scheuerschutz nicht empfehlenswert - er macht den Gurt sperriger in Handling und Packmaß. Der Gurt wird besser als durch den Scheuerschutz geschont, wenn man ihn nur zu den Abseilaktionen anzieht und auf der anschließenden Befahrung ablegt. Das wird erfahrungsgemäß nur dann gemacht, wenn man den Gurt ohne Platzprobleme verstauen und einfach an- und ablegen kann. Zum Einhängen des Zentralgliedes sind, egal ob Zwei- oder Vierpunktaufhängung, Metallringe ungefähr 150 mal so günstig wie Bandschlaufen, gemessen an der Zeit, die man zum Anlegen des Gurtes braucht.

Zum lagerichtigen Fixieren der Bruststeigklemme und zur Befestigung der weiteren Seilgerätschaften dient ein Zentralkarabiner mit übergreifender Langmutter als Verschluß, der gleichzeitig Schließe für den Sitzgurt ist. Günstig ist die halbovale D-Form wie in Abbildung 148 links. Die dreiecksförmigen Deltaglieder wie in Abbildung 148 rechts erfüllen die selben Sicherheitsanforderungen, nur sammelt sich das Material gern in der Ecke an, beim halbrunden D-Glied verteilt es sich besser und es läßt sich einfacher hantieren. Da dieser Zentralkarabiner in alle Richtungen belastet wird, kann ein einfacher Karabiner mit Klinke (auch ein Schraubkarabiner) nicht eingesetzt werden - dieser hat über die Klinke nur eine geringe Belastbarkeit. Die Einbindung der Bruststeigklemme in den Brustgurt erfolgt ebenfalls günstig über ein kleineres D- oder Deltaglied.

Brustgurte sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Wichtig ist, daß der Brustgurt leicht und in weiten Grenzen verstellt werden kann, damit man ihn auch während des Aufsteigens nachstellen kann, wenn sich der Sitzgurt nach den ersten Belastungen zurechtgerückt hat und die Bruststeigklemme plötzlich wackelt.

Da das meist nur unvollkommen gelingt und ein straffer Brustgurt wiederum anderen Bewegungen hinderlich ist, ersetzt man ihn oft durch ein einfaches Stück Schlinge (Abbildung 147 Mitte und rechts). Dieses kann beim Aufsteig leicht nachgespannt werden und sorgt so für schlupffreies Aufsteigen, für die andere Zeit kann man es bequem lockern. Nachteilig ist bei dieser Variante, daß man im bewußtlosen Zustand leichter mit dem Kopf nach unten zu hängen kommt als bei Verwendung eines herkömmlichen Brustgurts. Da aber auch bei normaler Lage 10 bis 15 min unbeweglichen Hängens im Seil zu Bewußtlosigkeit und schließlich ernsten Kreislaufstörungen durch die fehlende Blutzirkulation führen, ist in einem solchen Falle ohnehin schnelle Hilfe erforderlich!

Abbildung 149: Herstellen und Befestigung der Longe, Maße

Zum Gurt dazu gehört die sogenannte Longe, auch als Selbstsicherung oder Sicherungs­schlinge bezeichnet. Dies sind zwei unterschiedlich lange dynamische Seilstücken, die bei der Seiltechnik zum Zwischensichern erforderlich sind und ebenso wie die Bruststeigklemme fest in den Zentralkarabiner eingebunden sind. Es gibt Nobelausführungen fertig zu kaufen, man kann aber auch ein entsprechendes Stück Schlinge selber knoten, siehe Abbildung 149. Das kurze Ende der Longe ist einschließlich des eingehängten Karabiners etwa 30...35 cm lang, die Länge des langen Endes ist abhängig von der Körpergröße und dem Sitzgurt - man muß über die Spitze des eingehängten Karabiners noch etwa 10 cm hinausgreifen können. Da die Longe auch einmal einen Fangstoß vertragen sollte, ist eine dynamische Schlinge nicht unter 8 mm, besser ein Stück Kletterseil zu wählen.

14.5.7 Abseilgeräte

Beim Abseilen wird die potentielle Energie des Befahrers durch Reibung in Wärme umgewandelt. Dazu wird das Seil mehrfach an Radien umgelenkt, die möglichst groß sein sollen, um das Seil zu schonen. Gängigstes verwendetes Abseilgerät ist der Petzl-Abseiler beziehungsweise baugleiche Geräte als Simple Abbildung 150 oder Stop (Abbildung 153).

Nach zwei, drei Befahrungen ist die zuerst etwas abenteuerlich anmutende Seilführung zwischen den Rollen geläufig geworden, und man kann das Abseilen gut dosieren. Das Seil krangelt nicht, der Abseiler ist unverlierbar, und es dauert eine ganze Weile, bis die Rollen soweit abgeschliffen sind, daß sie gewendet beziehungsweise gewechselt werden müssen.

Das bekannteste Abseilgerät ist die Abseilacht, ebenfalls in Abbildung 150. Beim Klettern wegen einfacher Handhabung beliebt, ist sie für die Befahrung im Altbergbau ungeeignet: zum Ein- und Ausbau ins Seil muß sie aus dem Gurt gelöst werden und kann dabei leicht nach unten verschwinden. Noch schlimmer sind die beim Abseilen im Seil entstehenden Krangel - wenn das Seil unten fixiert ist (Umsteigstelle!) kann das zu großen Schwierigkeiten führen. Die Umlenkradien an der Acht sind sehr klein, was nicht zur Seilschonung beiträgt. Wer trotzdem, weil er vom Klettern eine übrig hat, mit der Acht im Altbergbau abseilt, sollte immer mal nach dem Abrieb schauen - bei weichen Legierungen kann schon nach 100 m Abseilstrecke die Acht vom Seil und Schlamm halb durchgeschliffen sein.

1)

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Abbildung 150: Verschiedene Abseiler

 

1) und 2) Petzl-Abseiler Simple: Einlegen des Seils in den Abseiler und Lage des Seils beim Abseilen; 3) Abseilen mit der Acht; 4) Abseilen mit dem Rack

Anderswo verbreiteter ist der Rack, das dritte Gerät in Abbildung 150. Er hat den Vorteil, daß man bei langen Abseilstrecken (größer 70 m, kommt in Sachsen kaum vor) ohne Zwischenbefestigung das im oberen Teil zusätzlich bremsende Seilgewicht durch Verringerung der Steganzahl kompensieren kann - je weiter man nach unten kommt, desto mehr Stege muß man einlegen, damit die Bremswirkung noch ausreicht. Vorteilhaft ist ebenfalls, daß er problemlos auch am Doppelseil eingesetzt werden kann (zum Beispiel beim Abseilen nach einer Erkundung nach oben, wenn das Seil wieder abgezogen werden soll). Ansonsten ist er unbequemer zu handhaben als der Petzl-Abseiler - persönlicher Eindruck des Autors. Ein Risiko beim Einsatz des Rack: Man kann die Stege verkehrt herum einbauen, dann werden sie beim Abseilen aufgedrückt und es geht ungebremst vom Seil nach unten - dazu gehört aber schon eine gehörige Portion Dösigkeit.

Abbildung 151: HMS-Knoten

Nach [1]

Links) und Mitte) Legen des HMS; Rechts) unzulässige Belastung der Klinke am Karabiner

Wenn aus irgendeinem Grund keine andere Möglichkeit besteht, kann man auch mit einem HMS (Halbmastwurf-Sicherungs­knoten) abseilen, gezeigt wird der Knoten in Abbildung 151. Diese Variante hat alle Nachteile des Abseilens mit der Acht, nur in noch stärkerem Ausmaß. So man hat, sollte man einen speziellen HMS-Karabiner mit weitem oberen Radius verwenden (Abbildung 133), bei einem schmalen Karabiner muß man das Seil bisweilen meterweise durch den Knoten „durchstecken“.

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Abbildung 152: Blockierknoten für den Petzel Simple

 

a) Erstes Blockieren mit einer Hand; b), c) Einfaches Festlegen (zur Entlastung der Bremshand); c), d), e) f) Sicheres Festlegen mit Blockierknoten

Alle Abseilgeräte können einfach „festgelegt“ werden, wenn man im Schacht beim Hantieren die Hände frei haben will. Bevor man das Bremsseilende losläßt, muß es so gesichert werden, daß die Blockade des Abseilers nicht von alleine aufgehen kann, auch wenn das Bremsseil mal nach oben gezogen wird. Für den Petzl Simple ist ein möglicher Festlegeknoten oder Blockierknoten in Abbildung 152 gezeigt, auch bei den anderen Abseilern kann man ähnliche Belegknoten realisieren.

Das Blockieren des Abseiler mit einer Hand (Abbildung 152 a) ist Geschmackssache und wird beispielsweise vom Autor weggelassen. Will man im Schacht nur kurz anhalten, um sich zum Beispiel etwas näher anzusehen, und will dabei nicht ständig Zug auf der Bremshand haben, kann man bei der Stufe c) in Abbildung 152 stehenbleiben, die Bremshand muß aber am Seil bleiben! Sonst kann das Seil ungewollt herausspringen und man selber den Schacht hinunter. Beim Stop sind die Stufen Abbildung 152 a) bis c) überflüssig, man läßt einfach den Blockierhebel los und steht. Für längeres Hantieren empfiehlt sich der gleiche Blockierknoten wie für den Simple (Abbildung 152 d) bis f)).

Abbildung 153: Anwendung des Petzl Stop

Links) Beim Abseilen wird der Sicherungshebel mit der einen Hand eingedrückt, die andere Hand kontrolliert die Abseilgeschwindigkeit, der Sicherungshebel wird nicht zum Bremsen verwendet!; Rechts) beim Loslassen des Sicherungshebels blockiert der Abseiler am Seil, bei längeren Arbeiten emphiehlt sich dennoch ein Belegknoten wie beim Simple

Beim Abseilen mit schweren Lasten oder an schnellen (dünnen) Seilen kann man eine Verstärkung der Bremskraft mit zusätzlichen Seilumlenkungen, zum Beispiel einer weiteren Umschlingung des Führungs­karabiners, oder zur Not auch mit einem HMS im Führungs­karabiner erreichen. Schwere Lasten hängt man direkt in das Zentralglied ein, dann hat man keinen Zug auf den Gurt, sondern die Kraft wirkt direkt auf den Abseiler.


 
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