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14 Montanspeleologische Techniken Drucken E-Mail
Geschrieben von Maja Bürger und Georg Leupoldt   
Donnerstag, 25. November 2004

14.5.4 Knoten

Von der christlichen Seefahrt bis zum Schnürleibchen gibt es viele hundert gute Knoten, für jeden Fall einen optimalen. Kein Mensch kann die sich alle merken, aus der Hand beherrschen und mit einem kurzen Blick feststellen, ob der jeweilige Knoten des Vordermanns richtig liegt oder nicht. Daher beschränkt man sich am Anfang zweckmäßig auf den universalen Achterknoten, mit dem man jede Situation bewältigt. Später kann man sich dann noch für Sonderfälle elegantere Lösungen zurechtlegen, aber viele werden es nicht sein. Zum Achter kommt noch der Bandschlingenknoten, der Prussikknoten aus dem Kapitel Seilklemmen und der Halbmastwurf-Sicherungsknoten HMS aus dem Kapitel Klettertechnik. Diese drei aus dem Handgelenk und im Dunkeln beherrscht, kann in Sachen Knoten nichts mehr schiefgehen.

Der Achterknoten entspricht dem normalen Schnürsenkelknoten (Fachjargon: Sackstich) mit einer zusätzlichen Windung. Diese verhindert, daß sich der Knoten gar zu sehr festzieht und zum gordischen Knoten wird. Zusätzlich soll er noch Festigkeitsvorteile gegenüber dem Sackstich haben, die Reißfestigkeit des Seils wird nicht so stark reduziert. Die Bauanleitung für das Einfachseil liefert Bild Abbildung 134. Eine Schlaufe, zum Beispiel zum Einhängen eines Karabiners, erhält man am einfachsten, wenn man statt in’s Einfachseil den Knoten vor

Abbildung 134: Achter Knoten

 

Oben) Achter im Einfachseil, ganz rechts Achter im Doppelseil (Schlaufe); Unten) Gesteckter Achter, ausgehend vom einfachen Achter

die Schlaufe des Doppelseils setzt. Bedingung für sicheren Halt des Knotens ist, daß der Überstand der Seilenden mindestens dem 12- bis 15fachen Seildurchmesser entspricht, sonst

kann das Ende beim Setzen des Knotens infolge der ersten Belastung schon durch die erste Windung hindurchrutschen. Der Achter im Doppelseil ist auch ein ausreichender Endknoten.

Die Notwendigkeit, die Schlaufe auch mal um einen Baum zu bringen, führt zur Bekanntschaft mit dem gesteckten Achter, der dem Knotenden bereits anerkennende Blicke des Nonknotologen einbringt. Abbildung 134 zeigt, wie’s gemacht wird. Nach diesem Prinzip kann man jeden beliebigen Knoten auch in einer gesteckten Form fabrizieren - einfach immer parallel das Seil von hinten wieder durchführen.

Abbildung 135: Zusätzlicher Sicherungsknoten

Den in Bild Abbildung 135 gezeigten zusätzlichen Sicherungsknoten (einfacher Sackstich ums Seil) muß man bei genügend Seilüberstand und normaler Verwendung des Achterknotens nicht setzen. Er wird verwendet als zusätzliche Sicherung bei sehr steifen oder verlehmten Seilen (rutschen eher durch), bei Seilüberstand an der Grenze des Erlaubten,

Abbildung 136: Zulässige und unzulässige Verwendung des Achterknotens

Links) Zulässige Verwendung zur Seilführung; Rechts) unzulässige Verwendung (Gefahr des Durchrutschens)

bei der Verwendung des Achterknotens zur Seilverbindung und überhaupt wenn man das Gefühl hat, daß ein Knoten mehr auch nicht schaden könnte.

Generell wird ein Knoten immer in der Richtung belastet für die er gedacht ist, sonst können sich merkwürdige Dinge ereignen. Der Achterknoten ist jedoch auch in dieser Beziehung gutmütig und verträgt auch eine Belastung wie in Abbildung 136 links, wodurch er sich hervorragend für Quergänge oder zur Seilführung eignet. Voraussetzung ist, daß bei einer eventuellen Lockerung und Durchrutschens des Knotens kein ernsthaftes Problem auftritt. Dagegen wird er zum Schließen von Schlingen oder zur Seilverbindung keinesfalls in dieser Form eingesetzt!

Abbildung 137: Zulässige und unzulässige Verwendung des Bandschlingenknotens

Links) Zulässige Belastungsrichtung; Rechts) unzulässige Belastungsrichtung

Für Bandschlingen ist der Achter nicht praktikabel, hier setzt man einen Bandschlingenknoten (gesteckten Sackstich) nach Abbildung 138 und hat das Problem, daß man ihn nicht wieder aufbekommt. Hier hat der Knoten auf jeden Fall in Belastungsrichtung zu sitzen (Abbildung 137 links), alles andere ist räudig und unsicher!

Abbildung 138: Legen eines Bandschlingenknotens

 

Nach dem Achter und dem Bandschlingeknoten noch zwei Zugaben für die, denen diese zwei Knoten sicher von der Hand gehen. Man kann den gesteckten Achterknoten wie in Abbildung 168 (oder Abbildung 167) gezeigt zur Seilverlängerung einsetzen, solange es sich um Seile mit gleichem Durchmesser und sonst gleichen Eigenschaften handelt. Zu Seilverlängerungen besser geeignet ist jedoch der Spierenstich, bei welchem die Seilumlenkungen günstiger sind und der vor allem auch Seile mit ungleichen Eigenschaften (gering differierende Durchmesser, harte und weiche Seile) sicher verbindet, was ja bei Seilverlängerungen

Abbildung 139: Legen eines doppelten Spierenstichs

Der doppelte Spierenstich wird gewählt, um überhaut eine Chance zu haben, denselben wieder zu öffnen. Beim einfachen Spierenstich wird das Seils nur einmal umschlungen.

entscheidend ist. Einmal belastet, zieht er sich gnadenlos fest, ein Durchrutschen kommt noch weniger vor als beim Achter (das rächt sich dann beim Aufknoten). Die Bauanleitung liefert Abbildung 139.

Einen sehr schönen Knoten zur Seilauf­hängung und -justage an zwei Punkten noch als Schmeckerchen: Die Mickey Mouse (Hasen­ohren-knoten), eine Variante des Achterknotens in Abbildung 140.

Abbildung 140: Legen eines Hasenohrenknotens (Mickey Mouse)

 

Links bis Mitte) Legen des Knotens; Rechts) Einsatz zur Seilaufhängung

Ein kluger Berg­steigerspruch zum Abschluß des Themas: „Jeder gute Knoten ist schön, aber nicht jeder schöne Knoten ist gut!“. Die Moral: man lege saubere Knoten mit paral­leler Seilführung und so zurecht­gedrückt, das auf den ersten Blick erkennbar ist, welcher Knoten das sein soll. Das kostet zunächst Mühe, aber der Hintermann und man selber kann sie leicht kontrollieren, und sie lösen sich nach der Belastung oft leichter. Die zweite Moral: Man setzt unter Tage nur Knoten ein, die man wirklich beherrscht und die sicher halten, auch wenn andere schöner aussehen - einen Weberknoten oder ein Sackstich mit Schleife kann jeder für seinen Befahrungskrempel verwenden, als Seilaufhängung bereichern sie höchstens die Unfallstatistik.

14.5.5 Seilklemmen

Abbildung 141: Verschiedene Funktionsprinzipien von Seilklemmen

Links) Normale Steigklemme; Mitte) Shunt; Rechts) Descender

Alle Seilklemmen lassen das Seil in einer Richtung passieren und blockieren den Durchgang in die andere Richtung. Diese Funktion kann auf unterschiedliche Art erreicht werden, wie in Abbildung 141 dargestellt wird.

Abbildung 142: Verschieben einer Steigklemme entgegen der Klemmrichtung

Nach [1]

Die linke Abbildung zeigt die üblicherweise verwendeten und für die hier beschriebene Technik zu benutzenden Steigklemmen. Sie sind einfach in der Handhabung, in der Version für die Handsteigklemme haben sie einen bequemen Griff. Nachteilig ist, daß sie bei nachlassender Federwirkung oder stark verlehmten/ vereisten Seilen bisweilen nicht greifen, sondern sich auch nach unten verschieben lassen. Um dies zu minimieren, sind sie einmal mit kleinen Zähnchen versehen (die wiederum irgendwann über’s Seil gehen) und zum anderen mit raffiniert ausgeklügelten Schlitzen zum Abführen des Schlamms ausgerüstet, die nichts bewirken. Haben sie jedoch einmal gegriffen, ist ein Durchrutschen nicht mehr zu fürchten.

Die Steigklemmen haben zur Bedienung des Klemmenhebels einen hervorragenden Stift oder einen Extragriff. Um das Seil einzulegen oder wieder aus der Steigklemme herauszubekommen, muß man den Stift erst nach unten und dann nach hinten schwenken - dadurch wird ein Sicherheitsmechanismus gelöst, der das Herausspringen des Seils aus der Steigklemme im Normalbetrieb weitgehend verhindert.

Will man das Seil ein Stück gegen die Blockaderichtung durch die Seilklemme laufen lassen, bedient man nicht diesen Sicherungshebel, sondern drückt mit einem Finger von oben die Klemme zurück (Abbildung 142), um ein unbeabsichtigtes Aushängen des Seiles zu vermeiden. Das funktioniert nur im entlasteten Zustand und ist zum Beispiel wichtig, wenn man mit den Steigklemmen ein Stück am Seil nach unten will. Man macht sich mit der Bedienung der Steigklemme natürlich wie bei allen neuen Geräten erstmal im Trockentrainig bekannt. Es ist gefährlich, in den Sicherungshebel zur besseren Bedienbarkeit einen Karabiner einzuhängen - in diesen kann sich leicht ein anderer Ausrüstungsteil einhängen und die Steigklemme ungewollt lösen.

Empfehlenswert sind Bruststeigklemmen, bei der die Einbindeösen oben und unten so gebogen sind, daß sie auch bei durchgeführtem Karabiner flach am Körper anliegen können. Handsteigklemmen gibt es in Versionen mit Links- und Rechtsgriff, was schon ganz schöner Luxus ist – jede Ausführung läßt sich auch für die jeweils andere Hand verwenden.

Abbildung 143: Ein- und Aushängen des Shunt ohne Verlustrisiko

1) Umhängen des Sicherungskarabiners in die dünne Reepschnur; 2) Lösen des Shunt vom Seil

Abbildung 144: Anwenden des Prussikknotens

1) Der Prussikknoten läßt sich ohne Last am Seil verschieben; 2) Unter Last blockiert er am Seil

Abbildung 141 Mitte zeigt das Prinzip, das auch beim Shunt verwendet wird. Unter extremer Last (Sturz) kann das Seil durchrutschen, zur Sturzsicherung ist dieser Mechanismus daher sehr brauchbar. Dazu sind die anderen Klemmen nicht geeignet - das abrupte Eingreifen und Blockieren der Klemmen am Seil führt zu harten Fangstößen, die für Mann und Seil unangenehm bis gefährlich sind. Der Shunt ist für Einfach- und Doppelseil geeignet und nötigenfalls als Handsteigklemme oder Rücklaufsperre für einen Flaschenzug, aber nur ganz begrenzt als Bruststeigklemme einsetzbar. Zum Einlegen und Herausnehmen des Seils (Abbildung 143) muß der Karabiner aus dem Klemmhebel herausgenommen werden, wodurch der Shunt nicht mehr angebunden ist und beim Herausrutschen aus der Hand schnell in den Schachtgrund entschwindet. Eine kleine Schlinge (2..3 mm Reepschnur) in der dafür vorgesehenen Öse des Klemmenhebels verhindert das.

Abbildung 141 Rechts zeigt ein in den USA verbreitetes Steigklemmenprinzip, inzwischen auch bei Petzl im Vertrieb. Die Klemmen greifen sicher auch am stark verdreckten Seil und haben keine Zähne, höchstens Riefen zum besseren Anziehen und zur Abführung von Dreck und Wasser, wodurch sie natürlich seilschonend sind. Nachteilig an den käuflichen Modellen (Ausnahmen sind uns noch nicht bekannt) ist der Aufbau aus Einzelteilen, die beim Einlegen und Herausnehmen des Seils aus der Klemme auseinandergenommen und wieder montiert werden müssen, wozu man beide Hände frei haben muß. Als Bruststeigklemme lassen sich diese Klemmen ebenfalls schlecht verwenden.

Abbildung 145: Legen eines Prussikknotens

Dann gibt es noch ganz harte Befahrer (oder einfach Masochisten), die gern mit Knoten aufsteigen. Diese Knoten sind fehleranfällig (Durchreiben der Schlingen, schlechtes Greifen am verdreckten Seil) und es gab dewegen schon tödlichen Unfälle. Für den Fall, daß mal der Berggeist eine Steigklemme gemaust hat, sollte aber auch Otto Normalbefahrer mit einem Stück Schlinge am Seil

Abbildung 146: Klemmknoten unter Verwendung eines Karabiners als Griff

hochkommen. Beliebt und einfach ist der Prussikknoten (Abbildung 145, Abbildung 144), eine elegantere Variante mit Handgriff zum Verschieben zeigt Abbildung 146.


 
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