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14 Montanspeleologische Techniken Drucken E-Mail
Geschrieben von Maja Bürger und Georg Leupoldt   
Donnerstag, 25. November 2004

14.8.1 Freiklettern

Beim Freiklettern wird in der Theorie die sogenannte 3-Punkt-Technik angewandt: drei sichere Standpunkte hat man (zwei Füße, eine Hand oder umgekehrt) und der vierte Punkt wird verschoben. Unter Tage wird man nicht in die Verlegenheit kommen, ausgefallene Klettertechniken anzuwenden, schon ein guter Griff für die Hand ist eine Seltenheit. Dennoch sollte man versuchen, sich an einige grundlegende Klettertips zu halten: keine großen Klimmzüge versuchen, sie sind unsicherer und kraftintensiver als zwei kleine Schritte. Es ist beim Freiklettern verpönt, die Knie zu verwenden – Eleganz zählt unter Tage nicht, aber der richtige Ursprung ist, daß man sonst unbeweglicher wird. Aus dem selben Grund versucht man, Hände und Füße in gesundem Abstand von einander zu halten, so daß Arme und Beine noch leicht gebeugt und nicht gleichzeitig in alle Himmelsrichtungen ausgestreckt sind. Sicherer als die Wandkletterei ist die Kaminkletterei, also das Verspreizen zwischen gegenüberliegenden Stößen.

Daß man die Ausrüstung nicht mit Dreck bewerfen will und daher aus dem Füllort räumt, überlegt man sich auch, bevor man 20 m hoch ist und die Sache langsam bröselig wird.

14.8.2 Sicherung beim Freiklettern

Beim Freiklettern steht das Seil nicht ständig unter Spannung, man bewegt sich zumeist oberhalb des letzten Umlenkpunktes für das Seil. Im Fall des Sturzes wird das Seil ruckartig belastet. Es dehnt sich durch die Belastung aus und übt eine mit steigender Dehnung wachsende Kraft auf den Stürzenden aus. Für die weitere Bewegung entgegen dieser Kraft wird Energie benötigt, die aus der durch den freien Fall erhaltenen Bewegungsenergie des Körpers entnommen wird. Daher wird der Fall immer mehr gebremst, bis die Bewegungsenergie schließlich verbraucht ist und der Stürzende zum Stillstand kommt. Ist der verfügbare Dehnungsweg länger, wird also die gleiche Bewegungsenergie über einen längeren Weg abgebaut, somit ist die auf Seil und Stürzenden wirkende Kraft geringer. Daher werden zum Sichern beim Klettern ausschließlich dynamische Seile verwandt.

a)

b)

c)

Abbildung 175: Sichern beim Freiklettern

 

a) ohne Absturzgefahr; b) und c) mit Absturzgefahr für den Sichernden

 Gesichert wird über einen HMS-Knoten (Abbildung 151). Während des Sicherns bleibt ständig eine Bremshand am Seil, auch beim Seilnachgeben – beim HMS-Knoten ist das ohne den speziellen HMS-Karabiner bisweilen ein schwieriges Unterfangen und sollte von dem, der noch keine Klettererfahrung hat, zunächst über Tage geübt werden. Der Gesicherte erhält immer soviel Seil, daß er sich in seiner Bewegung nicht behindert fühlt, jedoch nicht unnötig viel Schlappseil – ein Meter ist grade richtig. Da der Sichernde im Fall des Sturzes als ausreichendes Gegengewicht wirkt, ist eine Rückversicherung für ihn eigentlich nicht erforderlich (Abbildung 175 Bild a)). „Eigentlich nicht“ ist ein Wort mit der Bedeutung fast immer, wenn die Gefahr des Steinschlags gleichzeitig mit dem Sturz besteht, wenn der Sichernde im Fall des Sturzes von seinem sicheren Stand weggerissen wird, wenn der Sichernde im Fall des Sturzes gegen den Stoß geschlagen würde. Der Sichernde kann sich selber anbinden (Abbildung 175 Bild b)) oder den Sicherungskarabiner direkt am Stoß befestigen (Abbildung 175 Bild c)). Die Gewalt eines Absturzes von nur zwei bis 3 Metern will erst einmal gehalten sein – wer’s nicht glaubt, läßt sich über Tage von einem Sandsack überzeugen. Ein „fester Punkt“ besteht dabei nicht nur aus einem Spit!

 Der Kletternde legt, sobald er kann, eine erste Sicherung. Dies kann eine Schlinge um einen natürlichen Sicherungspunkt, ein Spit, ein Haken, eine Knotenschlinge, ein Keil, Friend oder auch alles andere sein – es muß für den Fall des Sturzes ausgelegt sein. Kann man mit anderen Möglichkeiten keine zufriedenstellende Sicherheit erreichen, muß man eben umdrehen und mit einem Bohrhaken wiederkommen. Die weiteren Sicherungen müssen zumindest in einem solchen Abstand erfolgen, daß man auch bei Berücksichtigung der Seildehnung beider Stränge (gut gerechnet also bis 15% der Aufstiegshöhe) bei einem Sturz nicht wieder unten ankommt. Eine Sicherung zuviel schadet nie, daher legt man an alle sich anbietenden Stellen eine solche, auch wenn sie von der Sturzhöhe noch nicht unbedingt erforderlich wäre. Zum einen ist natürlich ein kurzer Sturz weniger gefährlich als ein langer, zum anderen gibt es keine Garantie gegen das Ausbrechen von Sicherungen im Sturzfall. Auch ausbrechende Sicherungen nehmen einen Teil der Sturzenergie auf und dämpfen den Fall, daher sind auch nicht hundertprozentige Sicherungspunkte nicht zu verachten. Wie bei der Schaffung von Seilaufhängungen kann man beim Legen von Sicherungspunkten versuchen, die auftretenden Lasten auf mehrere Punkte zu verteilen.

 Sowohl für den Seilnachlauf beim Klettern als auch für die Energieaufnahme bei einem Sturz ist es günstig, wenn das Seil in gerader Linie geführt wird und zahlreiche Umlenkungen vermieden werden. Da die Sicherungspunkte nie so ideal liegen werden behilft man sich mit entsprechenden Schlingen zur Verlängerung.

14.8.3 Aufstieg mit technischen Hilfsmitteln

Die erste Stufe ist, sich die Kletterei zunächst durch künstliche Tritte und Griffe einfacher zu machen. Knotenschlingen, Haken und so weiter werden selbstverständlich als Griffe und Tritte verwendet. Prima vorwärts geht es an einem soliden Meißel, der in einem Bohrloch steckt. Für das Erklimmen von Trockenmauern ideal ist das Einschlagen U-förmig gebogener Bewehrungseisen vom Bau.

Abbildung 176: Technische Hilfsmittel beim Klettern

Links) „Hochnageln“ in Schächten; Rechts) Erklimmen von Schächten mit Stange und Strickleiter (Erläuterung im Text)

Ganz technisch wird es beim „Hochnageln“ (Abbildung 176). Mit dieser Technik erklimmt man auch noch Überhänge, allerdings mit einigem Aufwand. Hauptinstrumente sind etwa zwei Meterlange Strickfahrten, die sogenannten „FiFis“ (woher der Name kommt, weiß der Autor auch nicht). In dem Punkt, in dem es nicht mehr weitergeht, wird ein Bohrhaken gesetzt und eine der kurzen Fahrten eingehängt. Man ersteigt diese und setzt oben den nächsten Bohrhaken – so geht es in Zwei-Meter-Schritten vorwärts. Bei dieser Technik ist natürlich eine Akkubohrmaschine etwas Hochfeines! Am zügigsten geht es vorwärts, wenn man in einem Tonnläger die Fahrten jeweils bis zur letzten Stufe erklimmen kann. Im saigeren Schacht muß man sich dagegen im letzten Bohrhaken anhängen, was fast einen Meter Höhe je Bohrhaken raubt. Während der ganzen Kletterei wird natürlich von unten wie beim Freiklettern gesichert! Theoretisch kommt man mit zwei FiFis aus, praktischer sind mindestens vier.

Eine gute Idee für enge Schächte kommt aus tschechischen HöFo-Kreisen: im letzten Sicherungspunkt wird eine Stange befestigt (Alu-Rohr), an deren Spitze eine Strickfahrt befestigt ist. Je nach praktisch zu bewältigender Stangenlänge kann man so jeweils bis 5 m gutmachen (ebenfalls Abbildung 176).

Für freie Quergänge wird man ebenso versuchen, weitestgehend irgendwelche Brücken zu legen, da man sonst die Sicherungspunkte höchstens einen Meter auseinander setzen kann. Handelt es sich um eine längere Strecke, ist es meist sinnvoll, nach unten abzuseilen und sich am anderen Ende des Quergangs wieder emporzuarbeiten.

14.9 Kameradenhilfe, Bergung mittels Seiltechnik

Abbildung 177: Aufstiegshilfe für den Aufstieg mit großen Lasten

Zwischen Hand- und Brust­steigklemme wird ein einfacher Flaschenzug installiert

a)

c)

b)

Abbildung 178: Flaschenzug und RoBlo

a) und b): RoBlo (Rolle + Bloqueur = Rolle + Rücklaufsperre = Rolle + Steigklemme) in Ansicht und Schnitt;

c) Flaschenzug (das Element unten, welches die Zugkraft auf das Seil überträgt, wird auch als „ZuBlo“ bezeichnet, Zug-Bloqueur)

Im nächsten Abschnitt werden einige Techniken beschrieben, mit denen man in der Phase der ersten Hilfe Kameraden aus dem Seil bergen kann. Die beschriebenen Techniken sind alle mit dem Material durchführbar, welches man bei Verwendung der Einseiltechnik immer am Mann hat. Es kann aber nie schaden, wenn je Gruppe eine oder zwei kleine Steigklemmen in Reserve mitgeführt werden. In den Beschreibungen werden die Seilumlenkungen meist über Karabiner ausgeführt. Das ist einmal nicht sehr materialschonend (wenn man einmal hundert Meter Seil unter Last durch einen weichen Karabiner durchgezogen hat, kann man diesen wegwerfen), zum anderen kraftaufwändig infolge der Reibung. Eine zusätzliche Rolle ist daher ebenfalls empfehlenswert!

14.9.1 Kameradenhilfe – Bergen aus dem Seil

Eine sehr gefährliche Situation stellt sich ein, wenn ein Befahrer am Seil hängend nicht mehr in der Lage ist, das Füllort zu erreichen, zum Beispiel infolge Steinschlags oder Entkräftung. Während die Bergung eines Verletzen mittels Seiltechnik aus der Grube eine komplizierte Sache ist, bei der Hektik und unbedachtes Handeln schwere Folgen haben können und bei der es in der Regel auf eine Stunde nicht ankommt, ist die Bergung eines Verletzen aus dem Seil eine Maßnahme der Ersten Hilfe, die unverzüglich auch dann durchgeführt werden muß, wenn sich die Helfenden Ihrer Sache nicht hundertprozentig sicher sind und dadurch ein Risiko für den Verletzten besteht. Bereits fünf- bis zehnminütiges unbeweglichen Hängens am Seil führt zur Bewußtlosigkeit, dreißigminütiges Hängen zum Tode [5], Ausgabe 17! Ist der Verletzte vom Seil geborgen, können die weiteren Schritte in Ruhe folgen und bei Zweifeln Hilfe abgewartet werden.

Abbildung 179: Kameradenbergung aus dem Seil nach oben

Erläuterungen im Text

 Zunächst muß aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten entschieden werden, ob der Verletzte nach oben oder nach unten geborgen werden soll. Zu beachten ist der Zustand des Verunfallten und die voraussichtlich nach der Bergung erforderlichen Hilfsmaßnahmen, die Situation am Schachtgrund und –mund, der Standort und der Kenntnisstand der Retter und die Zeit, die vermutlich für die Bergung in die eine oder andere Richtung benötigt wird. Den Vorzug erhält die Möglichkeit, die eine schnelle und sichere Bergung der Verunglückten und seine spätere Behandlung zuläßt.

Läßt es der Zustand des Verletzten, die Situation im und am Schacht zu und sind am Schachtmund mindestens zwei Helfer verfügbar, ist es das einfachste, den Verletzen nach oben zu bergen – mittels Flaschenzug oder einer einfachen Umlenkung mit Rücklaufsperre (Abbildung 178). Das benötigte Material hat jeder selbst am Mann, mit einem Flaschenzug kann sogar ein einzelner Befahrer einen etwa gleich schweren Verunglückten bergen.

Eine andere Möglichkeit ist der Aufstieg des Helfers mit dem Verletzten. Dazu wird zwischen Hand- und Bruststeigklemme ein Flaschenzug installiert (Abbildung 177), der es ermöglicht, das Körpergewicht des Befahrers und des Verletzten gleichzeitig zu überwinden – eine Methode, welche auch sonst zum Aufstieg mit schweren Lasten Verwendung findet. Allerdings schafft man auf diese Weise nur kurze Strecken in zumutbarer Zeit, und das Verfahren ist für den Helfer sehr kräftezehrend – die zusätzliche Reibung frißt den Kraftgewinn zum großen Teil wieder auf.

Eine Ein-Mann-Methode zur Bergung eines Verletzen nach oben durch nur einen Helfer nach [7] zeigt Abbildung 179. Das Material des Helfers ist schraffiert dargestellt. Die dargestellte Situation ist der Idealfall, wenn man nämlich noch eine separate kleine Steigklemme zur Verfügung hat; die eigene Steigklemme wird man kaum so schnell aus dem Zentralglied bekommen. Ersatzweise kann man jedoch die Handsteigklemme anstelle der dargestellten Bruststeigklemme verwenden und die Handsteigklemme durch einen Shunt ersetzen, man hat dann lediglich einen Karabiner als Griff zur Verfügung. Das untere Seilende muß natürlich lose sein. Die Gewichtskraft des Verletzten FGV wird durch die Gewichtskraft des Helfers FGH kompensiert, wenn dieser in die Trittschlinge steigt. Die Zugkraft der Hand FZ hat noch eventuelle Gewichtsdifferenzen und die Reibung zu überwinden. Schon nach dem ersten Hub hat man freies Seil zur Verfügung (gestrichelt dargestellt), welches man nach einiger Zeit durch einen Karabiner führt, worauf es bald von selbst läuft.

Mit dieser Methode können auch Umsteigstellen überwunden werden. Ist der Verletzte so weit wie möglich nach oben geholt, wird die Trittschlinge zunächst in sein Zentralglied gehängt, dadurch kann er noch einen halben Meter weiterbefördert werden und, falls er in der Longe an der Handsteigklemme hing, diese entlastet werden. Nun wird der Verletzte zunächst mit seiner Handsteigklemme in das nach oben führende Seil eingehängt, dieses straff durch die Steigklemme gezogen und der Verletze wieder etwas abgelassen, bis er voll in seiner Handsteigklemme (über das lange Ende der Longe) hängt. Ist das aufgrund der Seildehnung nicht zu schaffen, strafft man das von oben kommende Seil durch Hineintreten in die rasch umgebaute Handsteigklemme des Helfers und schiebt die Handsteigklemme des Verletzen entsprechend nach. Dann kann auch dessen Bruststeigklemme wie beim normalen Aufsteigen ins nach oben führende Seil eingehängt werden. Während diese Umhängemanövers wird der Verletzte über die Longe gesichert. Anschließend steigt der Helfer am Verletzten vorbei, löst unter sich die Seilbefestigung und wiederholt den Vorgang an der nächsten Umsteigstelle. Der Ausstieg am Schacht läßt sich am treffendsten mit dem Wort „Gebastel“ beschreiben und er wird je nach Situation jeweils anders aussehen müssen. Auch hier hilft, wie immer, ausgiebiges Trockentraining.

Mit der eben beschriebenen Methode kann man einen Verletzten auch allein gut aus dem Seil holen, nur die notwendige Zeit von höchstens einer Viertelstunde läßt sich so nicht einhalten. So bleibt meist nur die Bergung nach unten. Eine Standardmethode wird im folgenden beschrieben, die, sorgsam trainiert, die Bergung eines Verunglückten in kurzer Zeit ermöglicht. Im dargestellten Fall wird davon ausgegangen, daß der Verunglückte beim Aufstieg war, nicht mehr weitersteigen kann und der Helfer von unten kommt. Hängt der Verunfallte in der Abseilsicherung oder muß der Helfer von oben kommen, kann die Methode leicht entsprechend abgewandelt werden (mit den Steigklemmen nach unten steigen!). Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Verletzen aus seiner Bruststeigklemme zu heben, die dargestellte ist erprobt, leicht nachvollziehbar und erfordert keine Kraftaktionen, um den zu Bergenden aus dem Seil zu befreien. Sie wird zum Beispiel in [5], Ausgabe 17 und [7] dargestellt, jeweils mit leichten Varianten zum hier beschriebenen Verfahren – das Prinzip bleibt das gleiche.

Die Ausgangssituation wird in Abbildung 180 Bild a) dargestellt, wobei das Material des von unten kommenden Helfers wiederum schraffiert beziehungsweise gefüllt gezeichnet ist. Auf dem Weg von unten zum Verunfallten werden sämtliche Umsteigstellen aus dem Seil entfernt, weil diese mit dem Verletzten praktisch nicht passierbar sind. Kommt der Helfer von oben, muß er dies während des gemeinsamen Abseilens tun.

Der Helfer steigt am Verunfallten vorbei, so daß seine Handsteigklemme unterhalb der des Verletzten, seine Bruststeigklemme oberhalb der des Verletzten zu sitzen kommt. Das Zentralglied des Verletzten und des Helfers wird aufgeräumt, alles überflüssige Material entfernt. Jeweils die kurzen Enden beider Longen werden verbunden. Unterhalb der Bruststeigklemme des Verletzten wird ein Abseiler befestigt und festgelegt (Abbildung 180 Bild b)). Im Führungskarabiner wird dabei eine Seilumschlingung als zusätzliche Bremse gelegt, wer einen HMS-Karabiner verfügbar hat, setzt einen HMS-Knoten ein. Der Abseiler wird im Zentralglied des Verletzten eingebaut!

 Im zweiten Schritt kommt der Kniff des Ganzen - die „Affenschaukel“ wird installiert, das Zentralglied des Verletzten wird über eine Umlenkung (Karabiner im Griff der Handsteigklemme des Verletzten) mit dem Zentralglied des Helfers verbunden. Als Seilmaterial steht die Fußschlinge des Verletzten zur Verfügung, eventuell muß sie auf passende Länge geknotet werden. Die Verbindung des Verletzen vom Zentralglied an die Handsteigklemme wird entfernt (Abbildung 180 Bild c)).

Nun steigt der Helfer in seine Fußschlinge, hängt seine Bruststeigklemme aus und schiebt die Handsteigklemme des Verletzten so weit wie möglich nach oben (Abbildung 180 Bild d), Schritt 1). Anschließend setzt er sich wieder – sein Körpergewicht bildet nun das Gegengewicht zum Körpergewicht des Verletzten. Es ist nur noch die Reibung und eine eventuelle Gewichtsdifferenz zu überwinden, damit der Helfer den Verletzten so weit als möglich nach oben schieben kann (Abbildung 180 Bild d) Schritt 2). Dadurch wird die Bruststeigklemme des Verletzen entlastet und kann vom Seil gelöst werden (Abbildung 180 Bild d) Schritt 3.). Frei gewordenes Seil wird durch den Abseiler gezogen und dieser wieder festgelegt (Abbildung 180 Bild d) Schritt 4). Dann tritt man wieder in die Fußschlinge und setzt den Verletzten in den Abseiler.

Jetzt ist die Hauptsache geschafft. Der Rest ist einfach. Die Handsteigklemme des Verletzen wird ausgebaut. Das lange Ende der Longe des Verletzen wird in das Zentralglied des Helfers eingehangen, darauf löste der Helfer die Verbindung der kurzen Enden der Longe und hängt sich mit seiner kurzen Longe in das Zentralglied des Verletzen ein. Nunmehr in seiner kurzen Longe sitzend (Abbildung 180 Bild e)), kann er seine Handsteigklemme ausbauen, den Abseiler lösen und den Verletzen und sich selber abseilen (Abbildung 180 Bild f)).

In der Praxis werden sich – wie man beim Training schnell feststellen wird – einige Probleme ergeben, die Abweichungen vom hier beschriebenen erforderlich machen können, was die Verwendung der Longen betrifft. Ist die Verbindung derer zwei kurzen Enden ungenügend, um mit der „Affenschaukel“ hantieren zu können, muß man die lange Longe des Verletzten verwenden, kommt der Helfer in der kurzen Longe am Zentralglied des Verletzten hängend an seine Handsteigklemme nicht mehr ran, kann er sich auch nur mit einem Karabiner in das Zentralglied des Verletzten einhängen, und so fort.

Alle beschriebenen Bergungsmethoden, auch der einfachste Flaschenzug, erfordern Training der Handgriffe über Tage. Ist das prinzipielle Vorgehen klar, werden notwendige Variationen unter Tage im Ernstfall leicht von der Hand gehen. Daher gehört zur ernsthaften Beschäftigung mit der Seiltechnik wenigstens einmal jährlich eine Übung zu solchen Methoden, neben der bereits aufgeführten Literatur gibt es viele weitere einschlägige Veröffentlichungen.

Ist der Verletzte aus dem Seil geborgen, darf er auf keinen Fall flach hingelegt werden, da das in den unteren Extremitäten gestaute Blut zu einem plötzlichen Kreislaufkollaps führen kann. Deshalb ist der Geborgene mindestens 20 Minuten sitzend oder mit herunterhängenden Beinen zu lagern. Dabei sind die weiteren Maßnahmen der ersten Hilfe nicht zu vernachlässigen (Atemwege freihalten,...) [7].


 
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