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Bericht vom European Cave Rescue Meeting, Treviso, 22.-23.Mai 2009

Ein sehr lohnender Besuch des Europäischen Höhlenrettertreffen liegt hinter uns.
Ursprünglich als drittes Meeting des "Alpenzirkels" Österreich/Bayern/Schweiz/Frankreich/Italien) gedacht, gab es nun auch Delegationen aus Slowenien, Kroatien, Rumänien.
Gastgeber waren die italienischen Höhlenretter, die keine Mühe scheuten, es uns gut gehen zu lassen in ihrem frisch renoviertem Zentrum in der Nähe von Treviso.
Muscheln und Wein und Tintenfische und wieder Wein, Lachs, Sardellen und wieder Wein - das war die Verpflegung, die in der Teilnahmegebühr von €25 inbegriffen war ebenso wie der Airport-Pickup.

Schwerpunkt-Thema war diesmal Kommunikation. Die diversen Delegationen stellten ihre Kommunikationstechniken vor.
Die meisten Länder (außer Deutschland und Salzburg) verwenden 1-Draht-Telefone, die an beliebiger Stelle angeklemmt werden. Ein schneller Test zeigte, daß unser "Michiphon" kompatibel ist mit den 1-Draht-Telefonen der anderen.
Salzburg präsentierte die Verwendung normaler Haushalts-Telefone in der Höhle, verbunden über eine Schaltbox mit einer Art Nebenstellenanlage der Einsatzleitung, während die Münchner das Heulruftelefon präsentierten.
Bei der Kabel-Verlegung haben sich Schaumstoffwürfel, die man in Felsspalten drückt ebenso bewährt wie Kabelbinder, und eine Klingel in der Kabeltrommel, so daß während des Abrollens die Verlege-Mannschaft auch angerufen werden kann.

Für die drahtlose Kommunikation hat sich "Nicola" verbreitet, da dies als einziges in ausreichender Stückzahl zu einem inzwischen stolzen Preis von € 400 / Stk. erhältlich ist und auch dickere Gesteinsschichten (bis zu 500m) durchdringt. Es ist leider nicht kompatibel mit unserem Ogofon.
Von dem in Entwicklung befindlichen digitalen Nachfolger gibt es keinerlei Information, niemand weiss etwas, möglicherweise aus kommerziellen Gründen.
Chris präsentierte seinen Vortrag "Ogofon-Tests in der Falkensteiner Höhle".
Nach Abschluß der zeig mir deins, ich zeig dir meins Veranstaltung stellten die Italiener noch zwei neuentwickelte Tragen vor:
Eine in einem Schleifsack verpackbare Trage ähnlich der "neuseeländischen", aber mit einem innovativen Platten-Stecksystem, und eine speziell für Canyon-Bergung entwickelte Trage mit integrierten Trockentauchanzug, basierend auf der amerikanischen "Spencer" - Trage.

Abends gabe es Massen von Höhlenrettungsfilmen zu sehen, und am letzten Tag ging es dann um das trockene Thema "WebSeite" und "Organisation".
Cornelia aus Österreich stellte ein grobes Konzept für eine europäische Höhlenrettungs-Web-Seite vor, die auf Anforderungen des letztjährigen Meetings basiert, speziell dort formulierten Notwendigkeit einer Datenbank zur Speicherung und Auswertung statistischer (Unfall-)Daten.
Ein befreundeter Programierer würde das für €25/h realisieren, insgesant ca. €2500, für die man nun Geld sucht.
Dieser Finanzbedarf und der Wunsch, der Höhlenrettung in Europa mehr Gewicht zu verschaffen, evtl. auch EU-Gelder beantragen zu können, führte dann zu der Idee, eine European Cave Rescue Association zu gründen.
Jedes Mitgliedsland würde zu der Association finanziell beitragen, für Deutschland kümmert sich darum die Bergwacht Bayern, die über den HRVD versucht einen Zuschuß der VdHK zu bekommen.

Alles in allem konnten wir gute Kontakte knüpfen zu sehr fähigen Leuten z.B. in Kroatien,
und viel lernen über die Probleme Anderer, z.B. als Höhlenrettungsorganisation an einer größeren Organisation zu "hängen" und sich behaupten zu müssen.

Das nächste Meeting dieser Art wird von den Salzburgen veranstaltet und zwar Mitte Mai 2010 in der Nähe des Lamprechtsofens.
Schwerpunktthema wird dann "medizinische Versorgung" sein.

Michael Wasmund


Einladung der SRHT (Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen) Bendorf

Die SRHT- Gruppe des THW- Ortsverband Bendorf hatte uns zu einer Ausbildungsveranstaltung am Fernmeldeturm Koblenz eingeladen.
Der Turm ist mit 260,7m das dritthöchste Bauwerk in Rheinland-Pfalz. Er steht auf dem 382m hohen Kühkopf im Hunsrück. Die 40m Durchmesser der Turmkanzel ermöglichen ein komplett frei hängendes Abseilen aus 160m Höhe.


Axel Manz, der Leiter der Höhenrettungsgruppe, erläuterte mir die Arbeitsweise der Höhenrettung und spezielle Probleme, mit denen die Höhenretter konfrontiert werden können. So spielt in solchen Höhen der Wind bei Rettungen eine wichtige Rolle und kann eine Rettung im schlimmsten Fall unmöglich machen.
Wir hatten aber großes Glück und für die Jahreszeit bestes Wetter. Die Sicht war gut, man konnte das Deutsche Eck und die Festung Ehrenbreitstein sehen. Es war fast windstill und sogar die Sonne ließ sich blicken. Zunächst stand die Personenrettung im Hängesitz im Vordergrund. Die Rettung erfolgte passiv-passiv, d.h. Retter und Geretteter wurden abgelassen und auch das Sicherungssystem wurde von oben bedient. Die technischen Schwierigkeiten beschränkten sich dank der hervorragenden und in ausreichender Zahl vorhandenen Fixpunkte auf das sichere Übersteigen der Turmkante. Als Arbeitsseile kamen 11mm Statikseile zum Einsatz.
Als Vorteil erwies sich, dass die Höhenretter ebenfalls eine Sked-Trage besitzen, der gleiche Tragentyp, der auch bei uns im Einsatz ist. So konnte der Patient zügig in die Trage verbracht werden. Bei 160m Höhe ein großer Vorteil, dass die Rettung nach unten erfolgt!
Es war ein interessanter und lehrreicher Tag, bei dem ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch beschlossen wurde. Insbesondere möchte ich mich bei Axel Manz für die Einladung bedanken. Ebenfalls danken wir Herrn Baumgarten von der DFMG (Deutsche Funkturm GmbH).
I. Bauer







1) Rescon 03

Nachdem im Jahr 1999 der erste europäische Höhlenrettungskongress von der Malterser Höhlenrettung in Göppingen organisiert wurde, folgte dieses Jahr vom 21. Bis 25. Juli die Einladung der West Brecon Cave Rescue Team (WBCRT) in Wales, Großbritannien zur RESCON'03.

Zu diesem Zweck wurde das Klubhaus des South Wales Caving Clubs (SWCC) in ein Tagungzentrum umfunktioniert, ergänzt durch ein Zelt im nahegelegenen Steinbruch.

Besucht wurde die Veranstaltung von ca. 60 Delegierten aus den Ländern Polen, Österreich, Schweiz, Deutschland, Neuseeland, Schweden, und Japan.

Schon vor dem offiziellen Beginn der Tagung zeigte uns Jopo (Brian Jopling) die im Klubhaus bereitstehenden Materialien, wie z.B. Rettungsuasrüstungen, Funktechnik, Register für Höhlenpläne, Rechneraussstattung, Einsatzfahrzeug.

Die Auftaktveranstaltung fand in der Dan-Yr-Ogof Schauhöhle statt, die wir zu diesem Zweck kostenlos besichtigen durften. Die unausgebauten konnten während des Kongresses als "Sportstour" besucht werden.

Am ersten Abend stellte sich der Ausricher des Treffens vor inklusive Organisation der britischen Höhlenrettung als Ganzes. Die Organisationen sind, bedingt durch die vergelichsweise hohe Zahl von Einsätzen, sehr professionell organisiert. Ein vor wenigen Jahren etablierter Dachverband dient als Kommunikationsplattform zwischen den lokalen Organisationen und als Ansprechpartner für offizielle Stellen. Die Ausbildung der Retter ist sehr formal, geprägt durch Prüfungen vor und nach der Ausbildung und Ausgabe von Zertifikaten (eine Praxis, die von anderen europäischen Organisationen aus Haftungsgründen abgelehnt wird).

In den Folgetagen wurde diverse praktische Workshops angeboten, in denen die Delegierten die in Wales üblichen Rettungstechniken kennenlerenen konnten, und ihre eigenen Erfahrungen einbringen konnten. Im einzelnen waren dies:
- Verletztentransport (Demonstration verschiedener Tragen
- Verletztentransport im Wasser
- Funktechnik
- Gesteinsverarbeitung

Speziell bei dem Funktechnik - Workshop konnten wir unser Ogofon hilfreich einbringen, da die beabsichtigte Funkverbindung mit den lokalen Funkgeräten (Heyphone) zuerst wider Erwarten nicht funktionierte. Als dank bekamen wir 2 Ogofone geschenkt, die der Klub nicht mehr benutzt.

Am Donnerstag Abend hatte jede Gruppe Gelegenheit, ihre Organisation vorzustellen. Sowohl in Polen wie auch in der Schweiz gibt es eine recht enge Verknüpfung zwsichen Höhlenrettung und Bergwacht ("Schweizer Alpenklub").

Die Ausbildungskonzepte sind in den meisten Ländern informeller als in Wales. Fast alle Präsentationen wurden auf ein CD gebrannt und den Delegierten ausgehändigt.

An den anderen Abenden gab es noch Fachvorträge zu Spezialthemen, wie z.B. Tauchrettung. Besonders hervorzuheben war ein Fachvortrag Tony Rich, der die rechtliche Situation im Bereich der Risikosportarten und damit verbundenen Unfällen sehr gut darstellte. Insbesondere forderte er einen europäischen Ansprechpartner der Höhlenrettung um frühzeitig auf Gesetzesentwürfe reagieren zu können, Diese Idee wurde von Nils Breuning und Jopo sofort aufgegriffen.

Der letzte Tag des Kongresses war einer "befahrungsintegrierten Rettungsübung" gewidmet, die ursprünglich ganz allein von den Delegierten durchgeführt werden sollte. Aus Zeitgründen demonstrierte dann doch der Veranstalter Einrichtung und Benutzung von Vertikalstrecken für Tragentransport.

Die gewählte Stelle in Ogof Ffynnon Ddu hatte die zusätzliche Erschwernis eines laut rauschenden Wasserfalls, aus dem die Trage herausgehalten werden muss, und der die Verständigung schwierig macht. Nachdem die Trage auf festem Boden war, hatten die Delegierten die Aufgabe, diese durch recht geräumige Passagen hindurch möglichst zügig nach aussen zu transportieren.

Alex Maier orchestrierte zu diesem Zweck eine enorm grosse Anzahl von Höhlenrettern und im Nu war das Opfer am Tageslicht.

Neben den fachlichen Apsekten des Kongresses gaben sich die Verandstalter alle Mühe, auch den Spass nicht zu kurz kommen zu lassen. Letzterer war duch beinahe permanenten Dauerregen gedämpft. Es gab "Sports-Tours" in nahegelegene Höhlen, Live-Bands und Disko am Abend, und zum Abschluss ein Spanferkelessen.

Alles in allem eine sehr lohnende Veranstaltung jenseits des schwäbischen "Tellerrandes", die die Augen öffnete für internationale Praxis der Höhlenrettung und sich anbahnende Entwicklungen.

NACHTRAG:
Auch die Veranstalter kamen auf ihre Kosten: Am Dienstag nachmittag kam ein Rettungsruf für das West Brecon Cave Rescue Team zum Einsatz in der Otter Hole Höhle, wo eine Frau mit einem gebrochenen Becken verunglückt war.
So wurde der Kongress für einen Tag unterbrochen und wir konnten zuschauen wie die WBCRT eine echte Rettung durchführt. Glücklicherweise konnte die Frau ohne weitere Verletzungen erfolgreich geborgen werden.


2) Medizinischer Lehrgang 22. / 23. 03.03

Am 22./23.3.03 fand auf dem Gelände der Bergwachtbereitschaft Stuttgart in Schopfloch der diesjährige "Intensivlehrgang Medizin" für Höhlenretter statt. Bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen unterrichtete der "Ausbilder Medizin" der Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V., Alexander Maier, 14 hoch motivierte Mitglieder des Vereins in höhlenspezifischer Erster Hilfe bei Verletzungen, Brüchen und Erkrankungen.

Am Sonntag wurde das Thema Vorbeugung und Behandlung von Unterkühlungen gemeinsam bearbeitet. Viele praktische Übungen, eine kleine "Kennenlerntour" in die Falkensteiner Höhle am Samstag abend, sowie eine Abschlusstest rundeten das Ausbildungswochenende ab. Vielen Dank nochmals an Sylke Busch und Matthias Leyk für ihre Mithilfe, sowie die Bergwacht für ihre
Unterstützung bei der Logistik der Veranstaltung.


3) Höhlenforschung in der Höhlenrettung !

Seit September 2000 gibt es in der Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V. eine Forschungsgruppe, die es den Mitgliedern  der HöRe Ba-Wü e.V. ermöglichen soll im Umfeld der Rettungsorganisation auch „echte Forschung" zu betreiben. Eine Erkundungstour ins Karstgebiet des Grünten bei Sonthofen im Allgäu hat bereits stattgefunden.

Termine von Ausfahrten der Forschungsgruppe sind der Termin-Seite zu entnehmen. Weitere Infos bei Alexander Maier (07071/440568)



4) Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V. beim europäischen Höhlenrettungssymposium (1999)

November 1999 waren wir beim Europ.Höhlenrettungssymposium mit einem Workshop/Vortrag zum Thema "Fixation von Extremitätenverletzungen mit Hilfe von PU-Glasfaser-Longuetten" sowie einer englischsprachigen Führung durch die Falkensteiner Höhle unter rettungstechnischen Gesichtspunkten vertreten.

Das Symposium war sehr informativ. Hier ist eine kurze Zusammenfassung:

Bericht des Ausbildungsleiters vom 1. Europäischen Höhlenrettungssymposium vom 31.10 - 7.11.99 in Göppingen

Anfang November 1999 fand in Göppingen das 1. Europäische Höhlenrettungssymposium statt. Es wurde in hervorragender Weise von der Malteser Höhlenrettung ausgerichtet. Ca. 150 Teilnehmer aus mehr als 20 Nationen hatten sich eingefunden um höhlenrettungstechnisches und notfallmedizinisches Wissen auszutauschen und sich gegenseitig in Workshops praktische Fähigkeiten und Methoden der Höhlenrettung zu demonstrieren. Besonders beeindruckend war für uns die gute und kameradschaftliche Atmosphäre, welche eine Woche lang am Tagungsort herrschte. Es gab keinerlei Arroganz der "Cracks" aus England, Italien oder der Schweiz gegenüber denjenigen Höhlenrettungsgruppen welche nur wenig Einsatzerfahrung aufzuweisen hatten. Jeder lernte vom anderen.

Herausragende Präsentationen waren sicherlich die der Höhlenrettung aus Großbritannien, zum einen eine praktische Vorführung einer simplen Methode, in Höhlen mit hohem CO2 - Anteil eine effiziente Belüftung der betroffenen Gangabschnitte durchzuführen, zum anderen ein Vortrag über die Umleitung von Wassermassen in Hochwassersituationen durch Dammbau in der Höhle mit einfachsten Mitteln. Auch konnten verschiedenste Rettungstragen bestaunt werden, manche mehr, manche weniger ausgereift. Viel Zeit wurde auch dem Seilbahnbau eingeräumt, wobei dieser in deutschen Höhlen eher die Ausnahme sein dürfte. Aufmerksamkeit erregte auch das Gerät der Engländer zur Erwärmung der inhalierten Luft, welches erfolgreich bei der Behandlung von Unterkühlungen eingesetzt wird. Es kristallisierte sich heraus, dass dieses Gerät wohl der zukünftige "Gold - Standard" der Hypothermiebekämpfung und -prävention sein wird. Der sogenannte "Little Dragon" ist über die Firma REACT (e-mail: jopo@freenetname.co.uk )erhältlich.

Die Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V. war mit 3 Vorträgen und einer Höhlenexkursion vertreten: Zum einen ein Vortrag über den Gebrauch von Polyurethan/Glasfaser- Schienen zur Immobilisation von Extremitätenverletzungen, zweitens ein Vortrag zum Thema "Höhlenunfälle und deren statistische Aufarbeitung", drittens eine Vorstellung unseres Vereins und zu guter Letzt eine Führung in die Falkensteiner Höhle, welche aufgrund von Hochwasser etwas kürzer als geplant ausfiel.

Alles in allem kann man nur sagen: "We had a real good time" und jeder der nicht dabei war, hat etwas verpasst....