Am Samstag, den 25.2.1995 verlassen zwei Höhlengeher um ca. 13 Uhr den Parkplatz in Richtung Falkensteiner Höhle. Sie sind mit Surfanzügen, Taschen- und Helmlampen ausgerüstet. Es ist kalt, seit Freitag Abend sind in Grabenstetten ca. 35 Liter Niederschlag/m2 gemessen worden.
Nachdem die beiden sich bis um 19 Uhr nicht bei ihren Angehörigen gemeldet haben, fahren diese zum Parkplatz und alarmieren um 22.08 Uhr mit dem Handy die Polizei in Metzingen. Die Polizei alarmiert um ca. 22.40 Uhr einen Alarmleiter der Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V. Sie bittet ihn um Hilfe: In der Falkensteiner Höhle sind zwei Personen überfällig. Aus dem Höhlenportal strömt Wasser. Nun folgt die interne Alarmierung der Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V.
Der Rettungsleiter erreicht kurz nach Mitternacht als erster Höhlenretter den Einsatzort und informiert nach einer Lagebesprechung und Kompetenzklärug mit Polizei, Feuerwehr und Bergwacht den Einsatzleiter, der von zu Hause den Einsatz koordiniert.
Ein Gespräch mit dem Kreisrettungsdienstleiter findet statt.
Der Demutsschluf am Eingang hat eine gute Handspanne Luft. Zwei Helfer erkunden bei starkem Hochwasser bis zum ersten Siphon die Höhle. Das DRK hat ein großes Zelt aufgebaut. Inzwischen sind Höhlentaucher und weitere Helfer der Höhlenrettung angefordert worden. Die Fahrt der Helfer wird durch starkes Glatteis und unfallbedingte Straßensperrungen verzögert.
Kurz nach 2 Uhr beginnen drei Höhlentaucher den ersten Vorstoß mit Presslufttauchgeräten. Der erste Siphon kann von einem unter sehr schwierigen Verhältnissen durchtaucht werden. Er installiert eine Führungsleine, die bei den weiteren Tauchgängen sehr nützlich ist. Da es den beiden anderen Tauchern nicht gelingt den Siphon zu überwinden der Höhlentaucher aber vor der Reutlinger Halle den Rückweg an. In der Zwischenzeit ist das Rettungsmaterial des Zentrallagers der Höhlenrettung aus Albstadt am Einsatzort eingetroffen.
Zwei Helfer erkunden nun im Elsachbröller, um auszuschließen, das die Vermißten in dieser Höhle sind. Mittlerweile treffen die vom Alarmleiter informierten Helfer der Höhlenrettung Ostalb-Filstal ein. Kurz nach 4 Uhr verlassen die drei Höhlentaucher des ersten Vorstoßes die Falkensteiner Höhle und erstatten Bericht. Um 4:40 Uhr kommen die zwei Kundschafter aus dem Elsachbröller zurück.
Knapp eine Stunde später versuchen die andere Höhlentaucher weiter in die Falkensteiner Höhle einzudringen. Höhlenretter helfen beim Materialtransport. Doch drehen die Taucher nach der Reutlinger Halle um.
In der Zwischenzeit wurde eine Füllstation für die Pressluftflaschen aufgebaut. Dabei hilft die freiwillige Feuerwehr Grabenstetten mit einem Stromaggregat und Beleuchtung. Außerdem hat die Feuerwehr den Parkplatz und die umliegenden Waldwege gesperrt. Ein Ordner regelt auf dem überfüllten Parkplatz den Publikumsverkehr. Vom Pegel im Höhlenportal wird ein langsames sinken des Wasserstandes gemeldet.
Da noch keine genauen Informationen vorliegen und eine schwere Verletzung der vermißten Höhlengänger nicht ausgeschlossen werden kann, alarmiert der Alarmleiter nun auch überregional. Die Höhlenrettung Franken wird in Bereitschaft versetzt, ebenso Höhlentaucher und -forscher in der Schweiz. Für einen eventuell notwendigen Tragentransport sollen sich diese Helfer für Sonntag Abend und Montag bereithalten.
Das DRK Bad Urach und Dettingen treffen mit einer Küchenmanschaft ein. Um 9 Uhr starten zwei Höhlentaucher zu einer weiteren Suchaktion in die Höhle. Auf dem Parkplatz treffen immer mehr hilfs- und tauchbereite Helfer ein. Ein Telefonkabel wird zum ersten Siphon verlegt. Der Arzt steigt mit einem Höhlenkenner in die Höhle ein. Sie werden von weiteren Helfern bis zum ersten Siphon begleitet. Mitglieder der ARGE Albstadt sorgen fürs leibliche Wohl. Die verschiedenen Rettungsorganisationen bereiten eine gemeinsame Presseerklärung vor. Pressesprecher ist Kollege von der Höhlenrettung Ostalb-Filstal.
Um kurz vor 12 Uhr übernimmt ein ausgeruhter Einsatzleiter die Leitung. Um 13:06 Uhr kommt über das Höhlentelefon die erlösende Meldung: Die Vermißten sind beim Waschbrett unterkühlt und ohne Licht gefunden worden. Sie wurden von dem Vorstoßtrupp mit Rettungsdecken und heißer Suppe aus dem Autarkiepaket versorgt. Anschließend wurden sie vom Doktor untersucht. Sie sind bereits auf dem Rückweg.
Zwei Höhlentaucher bereiten sich in Trockentauchanzügen und mit zusätzlichen Preßluftatemgeräten ausgerüstet auf den Transport der Eingeschlossenen durch den ersten Siphon vor.
Zwei Fehrnsehteams von Privatsendern bitten beim Einsatzleiter um Dreherlaubnis vor dem Portal und erhalten sie.
Gegen 15 Uhr erreichen die sichtlich geschwächte Vermißten den ersten Siphon. Nach einem Schnelltauchkurs werden sie von zwei Höhlentauchern durch den überfluteten ersten Siphon geschleust. Gegen 15:50 Uhr gelangt der erste Gerettete an der Presse vorbei ins Zelt auf dem Parkplatz. Der zweite Gerettete wird von der Presse abgefangen.
Die beiden Geretteten bedanken sich bei der Einsatzleitung. Nach einer ärztlicher Untersuchung, Kleiderwechsel und heißer Suppe geht es ihnen sichtlich besser.
Die Feuerwehr meldet sich ab, der Ausbau des technischen Materials wird abgeschlossen. Es findet eine weitere Pressekonferenz statt. Die Einsatzkräfte halten eine letzte Besprechung ab. Auf ihr bedankt sich der Gerettete nochmals herzlich für die geleistete Arbeit der Höhlenretter.
Im Schneetreiben, gegen 17:50, ist der Parkplatz vor der Falkensteiner Höhle wieder leer. Die Zuhause in Bereitschaft wartenden Höhlenforscher werden informiert.
Erstellt mit Hilfe der Protokolle von A. Maier, H. Sommer, W. Morlock, P. Boldt, M. Hüttemann, T. Unger und eigenen Aufzeichnungen.
Ein herzliches Dankeschön an alle Helfer!
An alle die direkt in der Höhle ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt haben; an die, die Außen gearbeitet haben; an die, die Material zur Verfügung gestellt haben; an die, die von nah und fern herbeigefahren waren und sich bereit hielten; an die, die Zuhause in Bereitschaft waren und an die Helfer von Polizei, Bergwacht, Feuerwehr, HÖRE-Ostalb-Filstal und DRK!