Hochwasser-Rettungseinsatz Falkensteiner Höhle 1997

Durch gezielte Information unserer Einsatzleiter und Mitglieder blieb der Alarm in den eigenen Reihen. So konnte ein volksfestartiger Rummel wie beim Einsatz 1995 vermieden werden, insbesondere blieb ein Presserummel wie zwei Wochen später beim Hochwassereinschluß in der Salzgrabenhöhle aus.

Am Samstag, den 5.7.1997 verlassen vier Höhlenforscher um ca. 10:30 Uhr den Parkplatz in Richtung Falkensteiner Höhle. Sie sind mit dünnen Tauchanzügen (4-5 mm), Taschen- und Helmlampen ausgerüstet. Ihr Ziel ist die "Hohe Kluft", das bisherige Höhlenende. Am Abend wollen sie wieder zurück sein. Alarmzeit ist Sonntag mittag. Aus dem Portal fließt ein Rinnsal. Der erste Siphon hat eine fingerbreite Luftspalte. Hier kehrt ein Teilnehmer um und wartet draußen auf die Gruppe.

Der Sommer war bisher verregnet. Seit Freitag sind in Grabenstetten ca. 35 mm/m2 Niederschlag gemessen worden. An diesem Samstag regnet es noch einmal soviel. Am frühen Nachmittag schwillt der Höhlenbach zum reißenden Strom an, der ”Demutsschluf” am Eingang schließt sich. Angehörige verständigen am Abend Mitglieder der Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V., diese geben den Alarm an einen Einsatzleiter weiter.

Mehrere Einsatzleiter erörtern daraufhin die Lage. Da die Eingeschlossenen als erfahren gelten und genügend Nahrungsmittel etc. dabei haben, wird beschlossen, zuerst die weitere Entwicklung des Hochwassers abzuwarten, um für die Retter kein unnötiges Risiko einzugehen. Ein Pegel wird im Höhlenportal installiert und das Hochwasser beobachtet. Gleichzeitig werden ein Dutzend Höhlentaucher und viele weitere Höhlenforscher in Bereitschaft versetzt, Rettungsmaterial und Einsatzstrategien vorbereitet und die Kollegen von der Malteser Höhlenrettung informiert. Nachts wird der braune Hochwasserstrom etwas klarer, der sogenannte "Demutsschluf" öffnet sich zentimeterweise.

Am Sonntagmorgen wird der Einsatz beschlossen: Vier voll ausgerüstete Höhlentaucher sollen mit zusätzlichen Atemgeräten und Erste-Hilfe-Material bis zu den Vermißten vorstoßen, sie versorgen und nach Möglichkeit herausbegleiten und frühzeitig Meldung geben. Ein Führungsseil wird in den knapp geöffneten ”Demutsschluf” verlegt. Fünf Vereinskameraden übernehmen den Transport der schweren Tauchausrüstung bis zum ersten Siphon. Gleichzeitig wird eine Telephonleitung verlegt, um der Einsatzleitung aktuelle Informationen aus der Höhle übermitteln zu können. Das reißende Hochwasser erschwert das Vorankommen in der Höhle deutlich. Auf dem Parkplatz ist das umfangreiche Rettungsmaterial aus dem Depot Albstadt eingetroffen. Der erste Siphon, ca. 400 m weit in der Höhle, ist komplett geflutet. Das heißt, die Tauchstrecke ist mit ca. 25 m dreimal länger als normal. Nachdem die Taucher dank der installierten Führungsleine den flachen und engen Siphon zügig passiert haben, kommen ihnen auch schon die drei vermißten Höhlenforscher entgegen. Sie sind etwas erschöpft und unterkühlt, aber sichtlich erleichtert über die (wohl erwartete) Ankunft der Höhlenretter. Sie waren bis zur "Königshalle" (ca. 1400 m) hineingegangen und sind auf dem Rückweg, dank der wohlweislich gelegten Führungsleine, durch das in Minutenschnelle geschlossene "Waschbrett" getaucht (Tauchstrecke ca. 8 m).

Mehrere kurze Siphone hielten die Flucht auf. Notdürftig biwakierten sie dann in der über der Hochwassermarke liegenden, hohen, aber trotzdem von den Fluten umspülten "Reutlinger Halle" (wie die vier Tübinger Studenten beim Hochwassereinschluß von 1964). Nach einigen Tassen heißem Tee aus der Thermoskanne werden die Tauchgeräte klargemacht und die Vermißten tauchen selbständig durch den Siphon (Tauchstrecke ca. 20 m) zurück. Die Rettungsmannschaft begleitet die Vermißten nach draußen, besorgt den Materialtransport und um 15 Uhr ist auf dem Parkplatz vor der Falkensteiner Höhle wieder Ruhe. Dieser Einsatz verdankt seinen reibungslosen Verlauf u.a. den guten Tauchkenntnissen der Geretteten. Nichttaucher hätten kaum so schnell befreit werden können.

Matthias Leyk

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